Mittwoch, 29. April 2020 23:08 Uhr

Popstar Mabel startet (hoffentlich bald richtig) durch

Universal Music

Mit dem Song „Don’t Call Me Up“ und dem Album „High Expectations“ gelang Mabel der Durchbruch. Die Corona-Krise stoppte Konzertpläne für den Sommer. Den Aufstieg der jungen Sängerin, die einer Familie berühmter Musiker entstammt, wird sie aber kaum aufhalten.

Dass sie eines Tages einer Karriere im Musikgeschäft nachgehen würde, wusste Mabel schon, als sie noch ein kleines Mädchen war. „Ich habe nie wirklich eine andere Karriere in Erwägung gezogen“, erzählt die britische Popsängerin im Telefoninterview der Deutschen Presse-Agentur in London. Kein Wunder – schließlich liegt das Musiker-Gen bei der 24-jährigen Mabel Alabama-Pearl McVey, die kürzlich einen Brit Award als beste britische Künstlerin erhielt, in der Familie.

Berühmte Mutter

Ihre Mutter ist die Sängerin Neneh Cherry („Manchild“, „7 Seconds“), ihr Vater der Musiker und Massive-Attack-Produzent Cameron McVey. Der Singer-Songwriter Marlon Roudette („Big City Life“) ist ihr Halbbruder, der Soul- und Rockmusiker Eagle-Eye Cherry ihr Onkel. Ihren Stiefgroßvater, den legendären Jazztrompeter Don Cherry, hat Mabel, die neben der britischen die schwedische und die spanische Staatsbürgerschaft hat, nicht mehr kennengelernt. Er starb ein Jahr vor ihrer Geburt.

Der Berufsweg war durch den Stammbaum also quasi vorgezeichnet. Während Marlon auf ihrem Debütalbum „High Expectations“ mitmischt, sind Mabels Eltern bei beruflichen Dingen nicht involviert. „Wir halten Familie und Arbeit getrennt“, versichert die junge Frau. „Obwohl es unglaublich toll ist und ich wirklich stolz auf das bin, was beide erreicht haben, trennen wir das definitiv.“ Auch keine Karrieretipps? „Es gibt nur Ratschläge, die andere Eltern ihren Kindern auch geben.“

Popstar Mabel startet (hoffentlich bald richtig) durch

Universal Music

Schon sehr früh habe sie in Sachen Musik ihr eigenes Ding gemacht, erzählt die Sängerin, die im vergangenen Jahr mit der Single „Don’t Call Me Up“ in mehreren Ländern einen Top-10-Hit landete. Ihre ersten Songs habe sie bereits im Alter von fünf Jahren geschrieben. „Ich habe lesen und schreiben gelernt, als ich noch sehr klein war, und seitdem spiele ich auch Klavier.“

Tagebuch für Songideen

Eines führte zum anderen – aus Einträgen in ihr Tagebuch, das sie sehr eifrig führte, wurden erste Songideen. „Die Gefühle und Emotionen, die ich aufgeschrieben habe, und die Akkorde, die ich auf dem Klavier gespielt habe – so macht man einen Song“, sagt Mabel. „Ich würde sagen, der kreative Prozess ist heute für mich noch genau derselbe.“

Nach einer EP und zwei Mixtapes erschien im vergangenen Jahr ihr Debütalbum „High Expectations“. Darauf sind neben tanzbaren Pophits im angesagten R&B-Sound wie „Boyfriend“ oder „Don’t Call Me Up“, die vor allem ein jüngeres – und laut Mabel nicht nur, aber mehrheitlich weibliches – Publikum ansprechen, auch nachdenkliche Songs zu hören.

In „OK (Anxiety Anthem)“ verarbeitet die Sängerin eigene psychische Probleme – „persönliche Kämpfe mit Angst“, wie sie sagt. Der Song sei ein Statement gegen das „Missverständnis“, dass Popstars perfekt sein müssten. „Ich habe die Verantwortung, nicht nur den Glanz zu zeigen, sondern auch, dass das Leben manchmal hart ist. Und damit hatte ich zu kämpfen, seit ich denken kann.“

Immer unter Druck

Mit „High Expectations“ – also hohen Erwartungen – habe sie jedoch kein Problem, versichert Mabel. „In meinem Beruf gibt es immer viel Druck. Aber die einzige Person, die mir Druck machen kann, bin ich selbst. Am Ende des Tages geht es darum, dass ich selbst Dinge tue, die mich glücklich machen.“

Popstar Mabel startet (hoffentlich bald richtig) durch

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Mit dieser Maxime geht es für Mabel derzeit steil bergauf. Neben kommerziellem Erfolg und viel Lob der britischen Musikpresse durfte sie sich in diesem Jahr auch über den begehrten Brit Award freuen. Diesen Preis nahm Mabel vor den Augen ihrer stolzen Mutter entgegen – ein besonderer Moment, zumal Neneh Cherry genau 30 Jahre zuvor zwei „Brits“ bekommen hatte.

Kurz darauf wurden Mabels berufliche Pläne durch die Corona-Krise gestoppt. Ihre ausverkaufte Tournee konnte sie noch zu Ende bringen, geplante Auftritte bei großen Musikfestivals im Sommer fallen dagegen aus. Sie isoliert sich zuhause in London und hält sich und ihre Fans mit Gesangseinlagen und Videos in sozialen Medien bei Laune.

Für den Herbst ist eine Tournee durch Australien und Neuseeland im Vorprogramm ihres Kumpels Harry Styles geplant. Spätestens dann will Mabel wieder auf der Bühne stehen und „den Menschen ins Gesicht schauen“, sagt sie. „Denn ich glaube, das ist es, was mir während dieser ganzen Sache am meisten fehlt.“ (Philip Dethlefs, dpa)

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