Popstars verlieren die Geduld: „Es geht um Existenzen!“

Popstars verlieren die Geduld: „Es geht um Existenzen!“
Popstars verlieren die Geduld: „Es geht um Existenzen!“

imago images / Revierfoto

23.11.2020 13:15 Uhr

Die Corona-Pandemie sorgt aktuell unter anderem für leerstehende Konzerthallen. Auf die Konsequenzen dieser Ausnahmesituation haben Künstler und Bands in Interviews mit dem Radiosender MDR JUMP im Rahmen der MDR Kulturwoche (21.-27.11.2020) hingewiesen.

Popstar Mark Forster betonte im Gespräch mit dem Radiosender MDR JUMP die weitreichenden Folgen eines möglichen Zusammenbruchs der Kulturbranche: „Es geht auch um Theater und kleine Bühnen. Es geht auch um Künstler, die sich kritisch auseinandersetzen, mit der Welt, in der wir leben.“

„Ich geh nicht vor die Hunde, aber…“

Für Ihn sei es weniger eine Frage des eigenen Einkommensverlustes. „Ich geh jetzt nicht vor die Hunde, sozusagen. Aber es gibt ne Menge Leute, denen gerade die Puste ausgeht, finanziell.“ Gemeint sind die 1,2 Millionen Menschen, die laut dem Wirtschaftsministerium in der Konzertbranche arbeiten. Das sind unter anderem Ton-, Licht- und Bühnenarbeiter, Veranstalter und Caterer und natürlich auch Bühnenmusiker. Viele dieser Leute mussten schon den Beruf wechseln oder sich arbeitslos melden.

Der Erfurter Sänger Clueso befürchtet, dass diese Menschen den Weg zurück zur Konzertbranche nur sehr schwer finden werden: „Du musst Behördenwege machen. Du musst eine neue Existenz aufbauen, dich irgendwie da reinfriemeln. Du kannst da nicht einfach wieder zurück wechseln.“ Aber auch an anderen Stellen, seien die Auswirkungen bereits erkennbar: „Es gibt viele örtliche Veranstalter von den Hallen in den Städten gar nicht mehr.“ Für Clueso steht fest: „Es ist immer gut, auch gegenzusteuern, seine Meinung zu sagen. Da rede ich nicht nur von Musik, sondern überhaupt von Kultur. Die steuert nämlich auch sehr wichtig gegen bestimmte Strömungen, die uns auf jeden Fall nicht gut tun.“

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Clueso (@clueso)

„Da muss es doch einen Weg geben!“

Deshalb fordern die Künstler unseres Landes nun ganz konkret Geld. Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß betonte im Interview mit MDR JUMP: „Wir schaffen es große Firmen zu unterstützen, damit es die weiterhin gibt. Dann werden wir es doch auch schaffen, so viele kleine Schicksale und Existenzen zu unterstützen. Da muss es doch irgendeinen Weg geben. Ich bin keine Politikerin und ich kann dir keinen Plan auf den Tisch legen, aber wir müssen doch irgendwas machen können.“

Auch die vielen Konzertalternativen wie Autokinokonzerte, Konzerte mit Plexiglasboxen oder größeren Sicherheitsabständen seien keine Alternative. All diese Konzerte mussten mit viel weniger Besuchern auskommen. „Das ist nichts zum Geld verdienen, tatsächlich!“, sagte Sänger Johannes Oerding über seine eigene Corona-Konzertreihe im Stadtpark in Hamburg. Fünfzehn Mal hatte er jeweils vor nur 880 Zuschauern gespielt, um ein Einkommen für seine Mitarbeiter aufrecht zu erhalten. „Die Crew, die wird hier normal bezahlt. Die müssen in Lohn und Brot stehen, weil da geht es um Existenzen.“

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von SILBERMOND (@silbermond)

Auch Sänger Rea Garvey kann aus eigenem Erleben aus seinem Team berichten: „Die haben sich umschulen lassen oder andere Wege gesucht und gefunden. Das liebe ich an meiner Crew. Die sind schon robust. So schnell kriegst du die nicht klein. Ob es ein Lichtingenieur ist, der jetzt Elektriker ist, oder ein Toningenieur, der auf der Baustelle arbeitet.“