Sonntag, 1. Oktober 2017 11:52 Uhr

Presse-Echo: Kann Steffen Henssler auch Raab?

Mit Steffen Henssler verknüpft ProSieben ja große Hoffnungen. Doch nach dessen ersten Auftritt am Samstag abend steht fest: Stefan Raabs Schatten ist lang. Die Publikumsresonanz war für Henssler jedoch ganz ordentlich.

Presse-Echo: Kann Steffen Henssler auch Raab?

Foto: ProSieben/Willi Weber

Nach fünf Stunden fiel Konfetti auf Steffen Henssler herab, und der 45-jährige Showmaster ballte die Fäuste. Gerade hatte er die erste Ausgabe seiner ProSieben-Show „Schlag den Henssler“ gewonnen. Die Haltung in der Sekunde des Triumphes hat er von seinem Vorgänger Stefan Raab („Schlag den Raab“) übernommen – doch das Wasser konnte Henssler dem gewieften Entertainer Raab noch lange nicht reichen. Zu quälend war der Sieg, zu zäh die Show.

Quote über dem Senderdurchschnitt

Das letzte Match um 1.15 Uhr nachts brachte die Entscheidung: Der Hamburger TV-Koch, bis vor kurzem noch bei Vox unter Vertrag, hielt sich länger an einer ganz normalen Teppichstange, während der mit 98 Kilo deutlich schwerere Widersacher als erster die Stange runterrutschte und den Boden berührte – das war’s.

Insgesamt interessierten sich 1,72 Millionen Zuschauer für das 300-Minuten-Spektakel. Der Marktanteil betrug 8,5 Prozent – beim für ProSieben wichtigen Publikum zwischen 14 und 49 Jahren lag er sogar bei 16,1 Prozent, deutlich über dem Senderschnitt von derzeit 9,4 Prozent, allerdings nicht auf „Schlag den Raab“-Niveau von häufig mehr als 20 Prozent.

Zwar bezwang Henssler seinen Gegner, offenbarte im Distanz-Vergleich mit dem mittlerweile 50-jährigen Raab, der zwischen 2006 und 2015 in 54 „Schlag den Raab“-Auftritten 38 mal siegreich war, aber deutliche Schwächen, vor allem in Denksportspielen: So verwechselte er auf der Landkarte Berlin mit Magdeburg, asiatische Länder waren auch nicht seine Sache, er erkannte auf Fotos nicht besonders viele Prominente – ob Politiker oder Fußballer – und wusste beispielsweise weniger TV-Titelmelodien als sein Kontrahent André und auch als der ehrgeizige Raab, der einst diese Spiele für dieses Spektakel erfand.

Presse-Echo: Kann Steffen Henssler auch Raab?

Foto: ProSieben/Willi Weber

Henssler hat das erste Etappenziel erreicht

Aber: Henssler zeigte sich bereit zu kämpfen. Nach Fehlwürfen beim Spielchen „Unsichtball“ lamentierte er wie einst Raab, der sein „Schlag den Raab“ von 2006 bis zu seinem Rücktritt 2015 54 Mal präsentierte und 38 Mal gewann. Beim Luftballonlauf holte sich Henssler einen blutigen Finger, und beim Buggy-Wettrennen fuhr er einen Reifen platt. Zweimal entfuhr ihm die Mecker-Einlage: „Leck mich am Arsch“, dann schimpfte er: „Lass mich in Ruhe“. Schwamm drüber. Henssler hat sein erstes Etappenziel erreicht und seinem Gegner die 250 000-Euro-Siegprämie (bei Raab betrug die Belohnung noch glatte 500 000 Euro) vermiest.

Presse-Echo: Kann Steffen Henssler auch Raab?

Foto: ProSieben/Willi Weber

Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur hatte der gelernte Koch vor dem Debüt angekündigt, die ersten drei Shows gewinnen zu wollen, damit der Spieleinsatz in Show Nummer vier eine glatte Million Euro beträgt. Wann die wiederum sein wird, ist allerdings noch völlig offen, denn das hängt auch noch von einer Kleinigkeit ab: dem weiteren Verlauf des Publikumsinteresses.

So urteilt die Presse

Unter der Headline „Folter für alle Beteiligten“ schrieb die „Süddeutsche“: „Das Problem der neuen Pro-Sieben-Show Schlag den Henssler ist nur leider: Die Sendung hat sich totgelaufen, bevor sie überhaupt zu Ende ist. (…) Ein bisschen mehr Dramatik hätte der Sendung aber durchaus nicht geschadet.

Presse-Echo: Kann Steffen Henssler auch Raab?

Foto: ProSieben/Willi Weber

„Der Spiegel“ resümiert: „Ein schläfriger Herausforderer, ein blässlicher Hausherr, zwei gefrostete Faultiere: Der Premiere von ‚Schlag den Henssler‘ fehlt es noch an persönlicher Würze. (…) Früher war die Langeweile irgendwie doch spannender.“

Der „Focus“ zitiert stellvertretend u.a. Twitterer Chris_2097: „Der Hensslerabend hat sich angefühlt wie damals, als Lippert für Gottschalk übernommen hat…klappt irgendwie nicht!“

„Der Westen“ schreibt: „In Sachen Ehrgeiz und Elan muss sich der Koch jedenfalls nicht verstecken. Aber es gibt noch viel zu tun. (…) „ Sein Ziel, hatte Henssler vor der Show verkündet, sei es, seine Komfortzone zu verlassen und raufzuklettern auf den ‚Mount Everest der TV-Unterhaltung‘‚ Angekommen sein dürfte er nach dieser Ausgabe von ‚Schlag den Henssler‘ noch nicht, dafür wirkte er an vielen Stellen zu gewollt, zu ungeduldig, zu ‚Raabig‘ (Nachfragen bei den Spielen).“

„RP Online“ zieht auch Bilanz: „Erst spät stand der Sieger fest. Trotzdem konnte Steffen Henssler nur selten zeigen, dass er auch abseits der Herdplatte das Zeug zum Entertainer hat. Dafür forderte ihn sein Gegner zu wenig.“

Die „Bild“-Zeitung findet, „Wettkampfstimmung kam jedenfalls keine auf, Kommunikation herrschte nur zwischen Elton und Henssler, doch auch das konnte die Sendung nicht wirklich ausfüllen. (…) Alles in allem war nach 300 Minuten klar: Steffen Henssler ist kein Stefan Raab, aber auch kein unwürdiger Nachfolger.“

OK

Hinweis: Durch Nutzung von klatsch-tratsch.de stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu. Mehr erfahren