Vorwürfe in Netflix-DokuPrinz Harry behauptet: „Die Institution sah den Fehler bei Meghan“

Prinz Harry und Herzogin Meghan packen in einer Netflix-Doku aus. (hub/spot)
Prinz Harry und Herzogin Meghan packen in einer Netflix-Doku aus. (hub/spot)

imago/i Images

SpotOn NewsSpotOn News | 15.12.2022, 12:03 Uhr

Wie erwartet, machen Prinz Harry und Herzogin Meghan in Teil zwei ihrer Netflix-Doku dem Palast schwere Vorwürfe. Die Herzogin von Sussex spricht über ihre schlimmste Zeit.

Der zweite Teil der Netflix-Doku "Harry & Meghan" ist da. Und wie erwartet greifen Prinz Harry (38) und Herzogin Meghan (41) darin nicht nur weiter die Boulevardpresse an, sondern auch das Königshaus. Meghan schwärmt zu Beginn noch über ihre royale Hochzeit im Mai 2018 auf Schloss Windsor und über die Familie ihres Mannes: "Harrys Dad ist sehr charmant", sagt sie unter anderem und erinnert sich an den ersten offiziellen Termin mit Queen Elizabeth II. (1926-2022) nach der Hochzeit zurück: "Es war wirklich toll mit ihr." Als sie zwischen den Terminen ins Auto gestiegen seien, "legte sie mir eine Decke über die Knie und als wir da im Auto mit dieser Decke saßen, dachte ich: 'Ich sehe und respektiere, dass sie die Queen ist, aber jetzt gerade bin ich einfach so dankbar für diese Großmutterfigur."

Wurde Meghan zu beliebt?

Ein Wendepunkt sei dann mit dem großen Erfolg ihrer Australien-Tour im Herbst 2018 gekommen. Prinz Harry erklärt in der Doku: "Das Problem ist, wenn man einheiratet, sollte man eigentlich nur eine Nebenrolle spielen. Wenn man das Rampenlicht stiehlt oder den Job besser macht als die, die dafür geboren wurden, nervt das die Leute und verschiebt die Balance." Denn es werde einem eingeredet, "dass deine Wohltätigkeitsaktivitäten nur Erfolg haben und dein Ruf nur wachsen oder sich verbessern kann, wenn du auf den Titelseiten dieser Zeitungen bist. Aber die Medien entscheiden, wer es auf die Titelseite schafft." Der Groschen sei bei ihm erstmals gefallen, erzählt Harry, als Meghan und er nach einer Veranstaltung, bei der alle Royals, auch die Queen, waren, im Buckingham Palast übernachteten. Am Morgen habe es Frühstück in der Residenz für sie beide gegeben und da sahen sie, dass vorne auf dem "Telegraph" Meghan war. "Ich dachte: Oh Gott!", erinnert sich Meghan an ihren Schock darüber. Harry fügte hinzu: "Sie sagte: 'Ich kann nichts dafür'. So ging es meiner Mutter auch."

Anschließend habe es negative Schlagzeilen in der Boulevardpresse gegeben, in denen Meghan für Sachen kritisiert worden sei, für die ihre Schwägerin Prinzessin Kate (40) gefeiert wurde. Es seien etwa 25 Beispiele gewesen, behauptet Harry, "die gleiche Sache in der gleichen Zeitung ". Er fügt hinzu: "Wer diesen Unterschied nicht sieht und nicht versteht, warum so berichtet wird, dem kann ich auch nicht helfen." Es habe in Artikeln über seine Frau "sogar Klischees und Assoziationen zu Drogen oder Terrorismus" gegeben.

"Genug mit den Schmerzen"

Zudem sagt Prinz Harry in der Netflix-Serie: "Die Lügen sind das eine. Daran gewöhnt man sich, wenn man in dieser Familie lebt. Aber als ich sah, was sie ihr angetan haben, welche Auswirkungen das auf sie hatte, dachte ich: Genug mit den Schmerzen. Genug mit dem Leid. Niemand sieht, was hinter verschlossenen Türen passiert. Früher saß meine Mutter auf dem Weg zu Terminen weinend auf dem Rücksitz. Und mein Dad sagte: 'Wir sind fast da.' 30 Sekunden zum Tränen wegwischen, Make-up auftragen und wenn die Tür aufgeht, heißt es: Lächeln."

Die Herzogin von Sussex berichtet dann in "Harry & Meghan" über ihre schweren mentalen Probleme: "Ich dachte, es hört auf, wenn ich nicht mehr da bin. Das Erschreckende war, wie klar diese Gedanken waren." Harry sei mit den Problemen seiner Frau "nicht sehr gut umgegangen", sagt er selbst. "Eher als der Harry der Institution, nicht als Harry, der Ehemann." Er sei dazu erzogen worden, "mich mehr darüber zu sorgen, was die Leute sagen, wenn wir nicht zu einer Veranstaltung gehen oder zu spät kommen. Wenn ich heute darauf zurückblicke, hasse ich mich dafür. Sie brauchte viel mehr als ich ihr geben konnte".

"Manches wird bewusst verbreitet"

Zudem erneuert Meghan Vorwürfe, die sie schon im Oprah-Interview von 2021 vorgebracht hatte: "Ich wollte mir Hilfe holen, aber ich durfte nicht. Denn wie würde das aussehen für die Institution?" Harry fügt in der Doku hinzu: "Sie wussten, wie schlimm es war. Sie dachten: Warum kommt sie nicht selbst damit klar. Alle anderen sind damit fertig geworden, warum nicht sie? Aber das war was ganz anderes. Und selbst wenn man sagen würde, okay, es war genau das gleiche: Sollte sie wirklich alles runterschlucken wie die anderen Familienmitglieder auch? Oder ist es vielleicht an der Zeit, damit aufzuhören? Aber niemand sagte den Medien: Es reicht! Mein Dad sagte, du kannst es nicht mit den Medien aufnehmen, die sind, wie sie sind." Das sehe er anders, so Harry.

Er wisse, wie "dieses System" funktioniere: "Manches wird bewusst verbreitet", behauptet der Sohn von König Charles III. (74). "Wenn das Kommunikationsteam eine Negativstory über dich loswerden will, bietet es zum Tausch eine Story über den Royal eines anderen Teams an. So arbeiten die verschiedenen Büros gegeneinander." Als sein Bruder Prinz William (40) und er gesehen hätten, was im Büro ihres Vaters passierte, "haben wir einander versprochen, dass wir so etwas nie zulassen würden". Nun zu sehen, wie das Büro seines Bruders "genau das tat, was wir uns versprochen hatten, niemals zu tun, zerriss mir das Herz".

Als die Sussexes mit ihrem damals vier Monate alten Baby Archie im Herbst 2019 eine offizielle Tour nach Südafrika machten, öffnete Meghan in einer Doku über den Trip ihr Herz. Mit Tränen in den Augen offenbarte Meghan in dem Interview, wie schwer sie sich mit dem Leben im Rampenlicht tue und dass der Stress Auswirkung auf ihre mentale Gesundheit gehabt habe. Die Netflix-Doku präsentiert dazu unterstützende Reaktionen aus den sozialen Medien, aber auch erneut viele negative Schlagzeilen in den Boulevardmedien.

Und aus dem Palast gab es dem Paar zufolge erneut keine Unterstützung. Harry erklärt: "Die Institution sah den Fehler bei Meghan und nicht in ihrer Umgebung oder dem System." Sie hätten auf "Unterstützung aus dem innersten Kreis" gehofft, so der Herzog von Sussex weiter, "und bekamen das Gegenteil". Meghan fügt hinzu: "Wenn man seine Belastungsgrenze erreicht hat, denkt man: Irgendwas muss sich ändern. Es war ein großer Wendepunkt. Daraufhin begannen wir schwierige Gespräche darüber zu führen, was für uns passieren muss, damit wir weitermachen können."