21.08.2020 06:39 Uhr

Prinzessin Margaret: Das wilde Leben der Schwester von Queen Elizabeth

Prinzessin Margaret hätte am 21. August ihren 90. Geburtstag gefeiert. Ein Rückblick auf ihr wildes Leben, das von einer verbotenen Liebe und einer unglücklichen Ehe geprägt war.

imago images/Mary Evans

Sie nannte sich Mrs. Brown, wenn sie mal wieder inkognito unterwegs war. Auf der Piste würde man heute sagen. Dann sollten so wenige wie nur irgendwie möglich erfahren, wer da in den Londoner Clubs auf den Putz haute und die Nacht zum Tag machte. Denn die gute Mrs. Brown war in Wahrheit eine Royal Highness: Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Margaret of York (1930-2002), die jüngere Schwester von Queen Elizabeth II. (94) von England.

Am 21. August wäre sie 90 Jahre alt geworden. Leider hat Margaret allzu oft die lebenshungrige Mrs. Brown gegeben. Es waren einfach zu viele Whiskys, zu viele Zigaretten, zu viel Herzenskummer. So war ihr ein würdevolles Altern wie ihrer großen Schwester Elizabeth, die im Frühjahr 94 wurde, nicht vergönnt: Margaret starb bereits 2002 im Alter von nur 71 Jahren.

Dennoch erinnern sich Millionen von Briten gerade an ihrem Geburtstag am 21. August gern an die beliebte und temperamentvolle Prinzessin, die – im Gegensatz zu anderen Windsors – ihre Gefühle öffentlich auslebte und deswegen von ihrem Publikum noch heute verehrt wird.

„In Amerika wurde sie Königin“

Diese Erinnerung wurde vor einigen Monaten von der viel beachteten Netflix-Serie „The Crown“ aufgefrischt. Die einzelnen Episoden zeigen eine authentische Margaret, die raucht und trinkt, während die junge Elizabeth nur gelegentlich am Wasserglas nippt.

Die Serie zeigt unter anderem auch den triumphalen Erfolg der Prinzessin, die 1965 mit ihrem Mann, dem Fotografen Antony Armstrong-Jones (1930-2017), die USA besuchte und das Weiße Haus samt US-Präsident Lyndon B. Johnson (1908-1973) im Sturm eroberte. Im Dezember 1965 berichtete der „Spiegel“: „Daheim ist Margaret nur Prinzessin. In Amerika wurde sie Königin. „

Laut „Spiegel“ huldigte in Hollywood neuer und alter Filmadel dem blaublütigen Paar aus dem alten Erdteil. „Spaßmacher Danny Kaye, Show-Mann Fred Astaire und Choreograph Gene Kelly, baten um ein Tänzchen und fanden Gehör. Margaret raffte den Rock zum Cha-Cha-Cha.“

Dann bat Präsident Johnson ins Weiße Haus. „Sanft legte der 190 Zentimeter große Staatstexaner seine Hände zum Tanz um die kleine Britin. […] Johnson feierte seinen 31. Hochzeitstag. Er klärte Margarets Gemahl auf, wie man seine Frau glücklich macht: ‚Erstens soll sie glauben, dass sie ihren Willen durchsetzt, und zum zweiten soll sie ihn auch haben.'“

Als das Paar seine 70 Koffer gepackt hatte und zurück nach London flog, schwärmte die Wochenzeitschrift „New Statesman“: „Nach Beatles und Scotch Whisky ist die königliche Familie Britanniens ergötzlichster Export in die USA.“

Die bessere Königin?

Dieser Erfolg muss Margaret wieder mal in dem Glauben bestärkt haben, dass sie als Königin eigentlich die bessere Wahl gewesen wäre. Gewiss, sie liebt Lilibeth, wie Elizabeth innerhalb der Königsfamilie genannt wird, doch sie hält sich selbst für die begabtere Monarchin, weil sie nun mal intelligenter, charmanter, sensibler und einnehmender sei.

Schon Prinzgemahl Philip (99) soll seine Frau, die Königin, über die mentalen Unterschiede zwischen den beiden Schwestern aufgeklärt haben. Es gäbe nun mal seit Queen Victoria (1837-1901) in der Dynastie der Windsors die Langweiligen und die Brillanten, die Verlässlichen und die Paradiesvögel. Das sei auch bei ihr, Elizabeth, und bei Margaret so. Der brillanten Margaret, die alle und alles mitreißt, stehe die vorsichtige, aber auch ein bisschen langweilig wirkende Elizabeth gegenüber, pflichtbewusst wie es einer wahren Königin gebühre.

Diese Frau, die alle guten Eigenschaften eines Entertainers hat, sieht sich im Schatten ihrer großen Schwester. Ihr Freund, der Autor John Julius Norwich (1929-2018), sagt laut „Adelswelt“: „Ich habe noch nie eine unglücklichere Frau gesehen.“

Ihren Liebeskummer ertränkt sie in Alkohol

Der Grund ihres exzessiven Whisky- und Weinkonsums und ihrer 60 Chesterfield-Zigaretten täglich ist offensichtlich eine unglückliche Liebe. Margaret wollte bereits in den 50er-Jahren den 16 Jahre älteren, ehemaligen Oberst und Hofstallmeister Peter Townsend (1914-1995) heiraten. Diese Ehe musste ihr Königin Elizabeth II. verbieten, weil es nach den damaligen Gesetzen Mitgliedern des britischen Königshauses untersagt war, einen geschiedenen Partner zu heiraten. 1955 verkündete eine todtraurige Margaret unter Tränen das offizielle Ende der Beziehung zu Townsend.

1957 lernt sie auf einer Party den bekannten Fotografen Antony Armstrong-Jones kennen. „Ich genoss seine Gesellschaft, nahm aber nicht viel Notiz von ihm, weil ich ihn für schwul hielt“, erzählt die Prinzessin später ihrem Biografen Christopher Warwick (71). Drei Jahre später heiratet sie den Mann, den die Königin in den Adelsstand zum Earl of Snowdon erhebt.

Das Paar führt eine turbulente On-Off-Beziehung. Margarets Mann ist ein berüchtigter Schwerenöter. Die Journalistin Anne de Courcy schreibt: „Die Mädchen kamen weiter in sein Studio, auch seine Langzeitfreundin Jacqui Chan. Außerdem hatte er noch eine Affäre mit der schönen Schauspielerin Gina Ward.“

Margaret und ihre Affären

Auch Margaret lässt nichts anbrennen. Ihr werden Liebschaften mit dem Pianisten Robin Douglas-Home (1932-1968) und mit den Kinostars David Niven (1910-1983) und Peter Sellers (1925-1980) nachgesagt. Auf ihrem Besitz auf der Karibikinsel Mustique, ein Hochzeitsgeschenk von Margarets Jugendfreund Colin Tennant, soll sie eine Affäre mit Mick Jagger (77) gepflegt haben. Auf Mustique hat sich auch ihr letztes Verhältnis, der Landschaftsarchitekt Baron Roddy Llewellyn (72), dauerhaft eingerichtet.

In der Margaret-Biografie „Ma’am Darling“ schreibt der Autor Craig Brown, dass Margaret ein „royal Tourette“-Syndrom gepflegt habe: die Fähigkeit, in jeder Situation das Unpassendste und Verletzendste zu sagen. Dann hatte sie ihren „ersten Stützwodka“ („Welt“) Punkt 12.30 Uhr bereits hinter sich.

1978 wird die Ehe mit Antony Armstrong-Jones geschieden. Allmählich beginnt sich ihr Alkohol- und Zigarettenkonsum gesundheitlich auszuwirken. Sie erkrankt an Lungenkrebs, der linke Lungenflügel wird entfernt, danach raucht sie im Rollstuhl unverdrossen weiter. Nach mehreren Schlaganfällen stirbt Margaret am 9. Februar 2002 in einem Londoner Krankenhaus.

Vierfache Großmutter

Sie hinterlässt zwei Kinder (mit Armstrong-Jones): Ihr Sohn David Armstrong-Jones, 2. Earl of Snowdon (58) ist ein bekannter Möbeldesigner (unter dem Namen David Linley) und Chairman des Aktionshauses Christie’s in London. Die Tochter Lady Sarah (56) hat 1994 den Schauspieler und Künstler Daniel Chatto St. George Sproule (63) geheiratet. Beide Kinder haben ihrerseits Kinder, Prinzessin Margaret wäre jetzt vierfache Großmutter.

Die „Times“ glaubt, dass „die Zeit und das Leben Prinzessin Margaret nicht gut behandelt“ haben. Hätte man ihr erlaubt, „die Liebe ihres Lebens zu heiraten, wäre sie eine glücklichere und vielleicht eine gesündere Frau gewesen.“

Da ist der deutsche Royal-Watcher Alexander Graf von Schönburg-Glauchau anderer Meinung. In der „Welt“ schreibt er: „Princess Margaret hatte das Ass gezogen im Vergleich zu ihrer Schwester. […] Sie genoss alle Privilegien als Royal minus der Verpflichtungen ihrer Schwester und ließ sich in einer Sänfte durch die Welt tragen. Sie konnte ihr Leben im Windschatten der Königin genießen. Eine Traumposition, die sie auch ausgekostet hat, wobei die Königin immer ihre schützende Hand über sie gehalten hat. Wo sie hinkam, wurde ihr der Hof gemacht, sie durfte sich praktisch alles erlauben und ihr Rock’n’Roll- und Glamourleben führen.“

(ln/spot)