20.10.2020 18:15 Uhr

Problemorgan Blase? So lässt sich Blasenschwäche vermeiden

Ein Glas Wasser getrunken - und schon meldet sich die Blase? Autorin Birgit Bulla gibt Tipps rund um die Blasengesundheit.

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Wer im Kino lieber außen sitzt, da es sein könnte, dass sich die Blase meldet oder in der Arbeit stündlich zur Toilette geht, für den ist die Blase ein lästiger Störenfried. Vor allem Frauen kennen das – „nur logisch“, erklärt Birgit Bulla, Autorin von „Noch ganz dicht? Alles Wissenswerte über die Blase“. „Die weibliche Blase kann etwa 350 bis 550 Milliliter speichern, die männliche 550 bis 750“, weiß sie. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news beschreibt Bulla, wie die Blase funktioniert.

Wieso Frauen häufiger auf die Toilette müssen als Männer

Das erste Mal würden wir merken, dass wir auf die Toilette müssen, wenn die Blase etwa zur Hälfte gefüllt ist, sagt Bulla. „Der typische Pinkeldrang ist bei etwa 70 Prozent Füllung spürbar.“ Obwohl die Blase eigentlich bei allen Menschen gleich funktioniert, gibt es manche, die öfter und dringender den stillen Ort aufsuchen müssen als andere. Laut Bulla könne das mehrere Ursachen haben. „Zum einen kommt es natürlich darauf an, wie viel wir getrunken haben und was. Getränke wie Kaffee oder Cola lassen uns häufiger zur Toilette rennen“, erklärt die Autorin.

Außerdem müssten Frauen häufiger auf die Toilette als Männer, da ihre Blase kleiner sei, „es passt also einfach nicht so viel rein“. Weiter berichtet Bulla: „Die Blase hat kleine Rezeptoren an ihrer Wand sitzen, die den Füllstand messen und diesen über die Nerven an unser Gehirn weiterleiten. Sind diese Rezeptoren nun zu aktiv, müssen wir natürlich auch öfter auf die Toilette.“ Richtig dringend werde es, sobald die Blase zu 90 Prozent gefüllt sei.

Wie die Blase standhafter wird

Trainieren können wir unsere Blase „nicht wirklich“, sagt Bulla. „Die Blase wird vom vegetativen Nervensystem gesteuert, über das wir keine Kontrolle haben. Wir können uns also nicht aussuchen, wann wir auf die Toilette müssen.“ Was jedoch passieren könne, sei, „dass wir uns mit der Zeit angewöhnen, zu bestimmten Zeiten oder Momenten auf die Toilette zu gehen“. Bulla erklärt, dass das Problem in diesem Fall nicht anatomisch, sondern sensorisch sei: „Obwohl die Blase noch nicht voll ist und wir noch genug Zeit hätten, haben wir das Gefühl, uns gleich in die Hose zu machen. Dadurch, dass wir immer sofort gehen, wenn die Blase die erste Pinkelmeldung macht, gewöhnen wir sie quasi daran.“

Dafür hat die Expertin einen Tipp: „Dieses Verhalten können wir abtrainieren, indem wir eben nicht immer sofort direkt auf die Toilette sprinten, wenn die Blase nach dem ersten Kaffee Meldung macht.“

Wie die Blase gesund bleibt

Wichtig, um die Blase gesund zu halten, sei „trinken, trinken, trinken.“ „Am besten stilles Wasser“, empfiehlt Bulla. „Die Blase muss immer gut durchgespült werden. Passiert das nicht, können Bakterien sehr leicht an die Blasenwand andocken und dort eine Entzündung in Gang setzen.“ Gerade Frauen sollten darauf achten, vor allem, wenn sie öfter unter einer Blasenentzündung leiden, rät Bulla.

Wer Sex hat, sollte besonders auf ausreichend Wasserzufuhr achten. Die Expertin sagt: „Damit die Bakterien, die dabei in den Genitalbereich und die Blasenregion kommen, schnell wieder ausgeschieden werden, ist es sinnvoll, vor und nach dem Sex ein großes Glas Wasser zu trinken.“ Ebenfalls wichtig sei, den Genitalbereich nach dem Geschlechtsverkehr zu duschen und zu säubern – „aber bitte nicht zu aggressive und parfümierte Duschgels benutzen“. Ansonsten könnte der PH-Wert aus dem Gleichgewicht geraten.

Weiter empfiehlt Bulla: „Da die meisten Blasenentzündungen durch E-Kolibakterien verursacht werden, ist es auch ganz wichtig, immer von vorne nach hinten zu wischen. Sonst ziehen wir die Bakterien bei jedem Toilettengang mit nach vorne in die Harnröhrengegend.“ Für das Wasserlassen an sich hat die Autorin auch einen Rat: „Damit unser Blasenapparat gesund bleibt, ist es wichtig, wie wir auf die Toilette gehen. Nicht drücken oder verkrampfen. Locker hinsetzen und alles laufen lassen.“

Birgit Bulla hatte seit ihrem 27. Lebensjahr eine Reizblase. Nach einigen Therapien beschloss die freie Redakteurin, die neuesten Studien und Forschungsergebnisse rund um das Organ zusammenzutragen. In „Noch ganz dicht? Alles Wissenswerte über die Blase“ klärt sie unter anderem über Untersuchungen und Therapiemöglichkeiten des empfindlichen Organs auf.

(sob/spot)