Mittwoch, 17. Juni 2020 20:26 Uhr

Radiolegende Lord Knud ist tot

imago images / BRIGANI-ART

Die Berliner Radiolegende Lord Knud ist tot. Von 1968 bis 1985 moderierte er im Sender Rias die beliebten "Schlager der Woche" - eine Institution in der deutschen Radiolandschaft.

Radiomoderator Knud Kuntze alias Lord Knud verstarb im Alter von 76 Jahren, berichtete zuerst der „Tagesspiegel“ unter Berufung auf sein Umfeld.

Seine Karriere begann Lord Knud als 18-jähriger Bassist bei der Band „The Lords“, die in den 1960er Jahren auch als „deutsche Beatles“ gefeiert wurden. 1964 wurden The Lords nach einem westdeutschen Wettbewerb zu Deutschlands „Beatband Nr. 1“ gekürt.

Als Teenager wurde ihm Bein amputiert

Nach einem Busunfall während einer Tournee 1964 musste ihm das rechte Bein amputiert werden. Er stieg bei der Band aus und begann eine Karriere als DJ und Radiomoderator, lange bevor Thomas Gottschalk eine ähnliche ruhmreiche Karriere als Radio-DJ mit ähnlich großer Klappe bei Bayern 3 machte.

„Die Schlager der Woche“ waren in Ost -und Westberlin Kult. Markenzeichen waren Knuds äußerst schnoddriger und rotzfrecher Moderationsstil und in den letzten Jahren ein bizarres Ranking, bei dem zumeist Udo Jürgens als einziger Schlagersänger zwischen internationalen, englischsprachigen Hits auftauchte. Udo Jürgens war ein alter Freund, der hatte ihm eine High-Tech-Beinprothese spendiert – angeblich mit eingebautem DAT-Rekorder … Schon das Opening der Show war Kult! Hier das Original:

Immer wieder Witze über Honecker

Von 1968 bis 1983 moderierte er außerdem immer samstags die Radioshow „Evergreens à Go-Go (Der Sonnabendmorgen mit Lord Knud)“ mit Oldies. Die hatte teilweise extrem hohe Einschaltquoten, der SFB ermittelte Mitte der 1970er Jahre 71 Prozent. Oft äußerte der bekennende Kiffer Witze auf Kosten von DDR-Staats- und Parteichef Honecker und anderen linientreuen DDR-Genossen. So wurde Lord Knud schnell zum Feind der DDR-Führung beim Kampf um den Einfluss auf die Jugend. Und die nahm seine Show fleissig mit dem Kassettenrekorder auf…

Im Nachruf des „Tagesspiegel“ heißt es: „Lord Knud war ein Audio-Star, so wie Nero Brandenburg, Olaf Leitner oder Gregor Rottschalk. Er gehörte zu Radiopersönlichkeiten, die es heute im Format-Radio leider kaum noch gibt, hatte offensichtlich alle Freiheiten. Bis er Witze unter der Gürtellinie machte. Dann war für Knud auch im Radio Schluss.“