26.12.2020 19:20 Uhr

Rohe Festtage! Pumper Rummelsnuff geht baden

"Der Käpt'n" Rummelsnuff arbeitete mal als Bodybuilding-Trainer, Berghain-Türsteher und erfreut eine steigende Fangemeinde seit über 30 Jahren mit seiner beschwingten Volksmusik auf elektronischer Basis. Was macht sich ein Musiker eigentlich an den Festtagen?

@ privat

Rummelsnuff kommt aus der Nähe von Dresden, seine Mutter sang im legendären Gerd-Michaelis-Pop-Chor und spielte bei Frank Schöbel, quasi der Helene Fischer der DDR, Keyboards und Violine. Der Vater hatte eine nicht minder bekannte Rockband. In der Schule gab’s Arbeiterlieder im Musikunterricht und Roger Baptist, wie er ursprünglich heißt, entwickelte daraus „Derbe Strommusik“. Man konnte es auch Elektropunk-Gassenhauer.

Zwischen Spreebaden und Gänsebraten gab Pumper Rummelsnuff klatsch-tratsch.de ein Interview. Bemerkenswert wie immer war, dass der Meister nicht zwingend den Fragen folgte (aber trotzdem erhellende Antworten gab) und über sich in der dritten Person zu plaudern pflegt. Das kann sehr lustig sein.

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@ privat

Wie ist die Bilanz des beschissenen Jahres 2020, Käpt’n?

Gut war, daß auch mal andere Gewerke ausprobiert werden konnten. So sind die besten Ereignisse aus Rummelsnuffsicht vielleicht zum ersten Filmarbeiten, bei denen er sich wieder schauspielerisch ausprobieren durfte. Weiterhin war auch Zeit für eigene Videodrehs und für’s Liedermachen. Weniger schön war, daß diese Zeit mit Entbehrungen wie Auftrittsverzicht erkauft werden mußte.

Die Fitnesstudios haben zu. Wie pusht der Käpt’n denn nun seine Muskelberge?

Der Käpt’n hat schon seit langem vorgesorgt, er hat ausreichend Eisen vor der Hütt’n. Trotzdem findet er es keine gute Lösung, daß der Breiten(kraft)sport völlig geopfert wurde.

Er hat gerade mit „Wolf und Enhorn“ ein Weihnachtslied herausgebracht.

Nun, ein Weihnachtslied ist es gerade nicht, aber es paßt dennoch in die weihnachtliche Zeit der Selbstbesinnung. Des Rummelkäpt’ns Erster Maat an Bord, Christian Asbach, wählte für seinen Text die Fabel als Ausdruckmittel für Reflektionen über sein eigenes Ich. Der graue Wolf, der vielleicht manchmal gern wie ein funkelndes Einhorn wäre …

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@ privat

Wie muss man sich die Festtage beim Käpt’n vorstellen?

Weihnachten, das sind Tage in der kühlen Zeit kurz vorm Jahreswechsel. Wenn ihm danach ist, geht er sich noch mehr in der Spree abkühlen, voraussichtlich macht er, wie immer, ein paar Übungen mit den Gewichten auf dem Hofe. Die Stille wird ihn vielleicht zu dem einen oder anderen neuen Liede inspirieren. Vielleicht hat er dann bis Frühjahr seine neue Liedersammlung endlich komplett und läßt sie als sein sechstes, reguläres Album erscheinen. Fast schon ein Comeback. Das letzte Album „Rummelsnuff & Asbach“ erschien 2016. Erwähnter Asbach, Maat Christian Asbach, wird auch wieder mit seiner großartigen stimmlichen Bandbreite in vielen der neuen Stücke zu hören sein.

Gibt’s dann fettreiche deutsche Küche? ’ne ganze Gans mit Bergen von Klößen? Wer kocht?

Rummelsnuff tut’s selbst. Pellkartoffeln und feinste Emdener Heringe stehen an. Davon hat er gerade ein Dreikilofäßchen. Wenn die Heringe alle sind, gibt’s vielleicht Quark und Leinöl zu den Kartoffeln. Auf jeden Fall immer was Schlichtes, immer was Gutes. Meist was Pumpergerechtes.

Die „Süddeutsche“ nannte Deine Musik mal „elektronischen Humpta-Polka-Pop, die mit dem Klischee des harten, ostdeutschen Hundes spielt“. 

Rummelsnuff ist einer, der begann Lieder zu verfassen und darzubringen und dem es gelang, eine Schar Anhänger aller Schichten und Couleur hinter sich zu vereinen. Was er macht kann wie Polka oder Punk klingen oder auch mal wie elektronische Tanzmusik, aber immer ist es unverkennbar Rummelsnuff.

Wie ist er eigentlich auf den Namen gekommen?

Rummelsnuff – der Name entstand durch Wortspielerei – der ursprüngliche Zweck, ein gemeinsames Unternehmen mit einem bildenden Künstler, ging im Nebel verloren. Der Name blieb bestehen. Inzwischen möchte der Käpt’n möglichst gar nicht mehr mit dem früheren Namen angesprochen werden.

Rohe Festtage! Pumper Rummelsnuff geht baden

@ Rummelsnuff

Wie kommt der Käpt’n auf die Texte seiner Arbeiterlieder?

Käpt’n Rummelsnuff hat die meiste Zeit seines Lebens versucht, sich mit verschiedensten Arbeiten über Wasser zu halten. Nur ein paar Beispiele: Türsteher, Fahrer, Gräber bei archäologischen Grabungen, Lagerarbeiter, Mechaniker (sein wenig erfolgreich abgeschlossener Lehrberuf). Und Arbeiterlieder nahmen auch den größten Teil vom DDR-Musikunterricht ein. Vielleicht bahnten diese prägenden Fakten den Weg für zahlreiche Liedtexte um die täglichen Verrichtungen der anderen. Ist dein Wagen wieder flott, danke nicht dem lieben Gott … und nicht nur Gerüstbauer sind Alltagshelden. Auf dem nächsten Album wird u.a. von Feuerwehrleuten und Zugführern berichtet.

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@ privat

Warum sucht Rummelsnuff nicht die große Bühne für seine musikalischem Botschaften?

Größe kommt nicht durch Menge. Größe findet tagtäglich, überall und immer wieder und auch im ganz Kleinen statt.

„Promi Big Brother“ wäre doch so eine Show, bei der er täglich und in 3 Wochen insgesamt 60 Millionen von seiner Kunst überzeugen könnte.

Gut möglich, daß mancher das gern mal sähe. Aber das haut nicht hin. Der Rummelsnuff möchte keinen größeren Bruder neben sich. Er ist überzeugt: eine massentaugliche Verwertung würde ihn und sein Werk nur noch verzerrt widergeben. Rummelsnuff ist weitgehend im Reinen mit sich. Es lebt sich gut, so wie es ist. Ob das hiernach immer noch so wäre?