31.03.2020 23:59 Uhr

Ronald Schill: „Ich beobachte von oben, wie das Leben zum Stillstand gekommen ist“

© SAT.1/Richard Hübner

Ronald Schill ist einer der brillanten Hauptdarsteller im SAT.1-Dokudrama „Promis unter Palmen“. Er setzt seine Auftritte punktgenau und stiehlt damit mit messerscharfen Worten großen Darstellern wie Désirée Nick oder der unverwüstlichen Claudia Obert die (unterirdische) Show. Bevor wir mit Herrn Schill über das neue TV-Format schwadronierten, mussten wir von klatsch-tratsch.de ihn zum alles bestimmenden Thema unserer Zeit befragen…

Der 61-jährige „Richter Gnadenlos“ lebt bescheiden in einer schlichten Holzhütte ganz oben in einer der Favelas von Rio de Janeiro. Von dort telefonierte er mit uns.

Ronald Schill: "Ich beobachte von oben wie das Leben zum Stillstand gekommen ist"

imago images / Tinkeres

Wie kommen sie mit der Ausbreitung der Corona-Pandemie klar?
Ich sehe das als eine große Hysterie, bei der die Maßnahmen, die dagegen weltweit ergriffen werden, viel mehr Schaden anrichten werden als der Coronavirus selbst. Ich befürchte, dass durch diese Maßnahmen Millionen Menschen sterben werden und sich das Leben aller Menschen auf dem Kontinent, auch der Menschen in Deutschland, qualitativ deutlich verschlechtern werden, weil die Maßnahmen die Wirtschaft ruinieren.

Inwiefern hat der Virus ihre beruflichen Pläne durchkreuzt?
Meine beruflichen Pläne sind gar nicht durchkreuzt worden. Die Show ist ja bereits im November/ Dezember aufgezeichnet worden in Thailand. Das wäre jetzt sicherlich schwierig oder sogar ausgeschlossen. Im Moment habe ich keine neue Fernsehshow an der ich teilnehme oder sonst wo und deswegen genieße ich das Leben hier auf meinem Venushügel in Rio de Janeiro – hoch über der Stadt mit Blick auf den leeren Strand der Copacabana und auf den leeren Strand von Ipanema. Ich beobachte von oben, ich liege etwa 140 Meter hoch, wie das Leben da unten zum Stillstand gekommen ist.

Haben Sie bestimmte Vorkehrungen getroffen?
Nein, ich sehe das nicht so streng. Ich sehe das so, dass es sich nicht um eine gefährlichere Krankheit handelt als eine Grippe. Dabei ist eine Grippe natürlich auch nicht ungefährlich. An der Grippe sind vor drei Jahren allein in Deutschland 25.000 Menschen gestorben. Da wurde aber kein Aufhebens drum gemacht. Jetzt hat das Kind einen anderen Namen und es gibt zurzeit in Deutschland 200 Tote und die Leute reagieren, meines Erachtens tierisch mit Maßnahmen und ruinieren damit die Wirtschaft und das Leben ganz vieler Menschen.

Was raten Sie all den Depressiven und negativen Stimmungsmachern in dieser Krise?
Die Lage der Welt wird sich für die Menschen dramatisch verschlechtern, aber nicht wegen des Coronavirus, sondern wegen der Maßnahmen, die ergriffen werden.

Und wie machen Sie den Menschen Hoffnung?
Sie sollen sich am besten „Promis unter Palmen“ anschauen und sich auf andere Gedanken bringen.

Ronald Schill: "Ich beobachte von oben wie das Leben zum Stillstand gekommen ist"

© SAT.1/Richard Hübner

Wie würden Sie denn „Promis unter Palmen“ beschreiben?
Es ist ein ausgesprochen spektakuläres Format, an dem zehn Leute teilnehmen an einem traumhaften Ort direkt am thailändischen Strand in einer pompösen Villa mit Swimmingpool und Außenküche. Eben mit allem, was das Herz begehrt und diese zehn Leute werden in diesem psychologischen Feldexperiment, wie ich das jetzt Mal nenne, aufeinander losgelassen. Die kommen ganz diszipliniert an und wollen sich von ihrer Schokoladenseite zeigen und schon nach kurzer Zeit gelingt ihnen das nicht mehr und sie rasten aus und zeigen ihr hässliches, wahres Gesicht.

Ich habe gesagt, dieses Format ist geeignet, die schlechtesten Seiten der Teilnehmer zum Vorschein zu bringen und genauso ist es. Das ist das Faszinierende daran, mich, der ich mal Psychologie studiert habe und der sich zeitlebens für Psychologie begeistern kann, dass ich die Leute beobachte. Ich selbst befinde mich in der Rolle des amüsierten Beobachters, aber nicht nur. Ich versuche auch die Leute so zu steuern und so gegeneinander auszuspielen, dass es zu heftigen Streitereien kommt, die bis ins Handgreifliche gehen und sorge dort für Action. Ohne Action wäre es langweilig. Das ist das, was mir am meisten Spaß bringt. Nicht die Challenges in erster Linie, sondern das Spiel zwischen den Spielen mit den Teilnehmern.

Da hat doch die gerade ausgestrahlte Sendung schon einen kleinen Vorgeschmack gegeben. Desirée, eine von mir verehrte Cabaret-Künstlerin, ist da schon zur Höchstform aufgelaufen, glaubte man. Aber eigentlich befand sie sich da noch im Standby-Modus, denn sie hatte ja keinen Grund auf jemanden böse zu sein. Nach dieser Challenge hat sie jetzt aber vier Feinde, weswegen sie Grund hat böse zu sein. Deshalb bleibt abzuwarten, was jetzt abgeht, wie sie sich an diesen Leuten rächen wird. Denn dieses Mal hat sie noch eine Rechnung offen mit diesen vier Leuten, die ihr bei der Challenge übel mitgespielt haben. Deswegen bin ich in der Rolle des amüsierten Beobachters und wünsche den Zuschauern viel Spaß dabei.

Wer hat sie denn am meisten überrascht? 
Mich hat da keiner überrascht, weil ich ja schon seit 15 Jahren 10.000 Kilometer entfernt von Deutschland lebe und die Leute gar nicht kannte. Die einzige, die ich kannte war Desirée Nick und die hat mich überrascht, weil sie noch besser war als ich erwartet habe.

Ronald Schill: "Ich beobachte von oben wie das Leben zum Stillstand gekommen ist"

© SAT.1/Richard Hübner

Was hat Rio eigentlich, was Deutschland nicht hat?
Rio hat erstens ein tolles Klima, tolles Wetter, Wärme und zwar das ganze Jahr hindurch. Nicht zu warm, es regnet auch mal, aber das macht es für jemanden, der hier wohnt und nicht nur Urlaub macht, noch angenehm. Es ist alles schön grün. Die Temperatur sinkt hier nie unter 15 Grad und dementsprechend fröhlich sind die Menschen. Die Menschen hier genießen die Gegenwart in vollen Zügen. Wohingegen die Deutschen ja gedanklich in der Zukunft leben und sich ständig über die Zukunft Gedanken und Sorgen machen. So wie jetzt über Corona und vor zwei Monaten übers Klima und vor einiger Zeit noch übers Baumsterben und über Umweltverschmutzung und dergleichen.

Die Deutschen sind ja ständig besorgt über die Zukunft und auch über die eigene Zukunft. Die Gabe die Gegenwart zu genießen fehlt ihnen so ein bisschen. Die Faszination des Augenblicks zu genießen, das können die Brasilianer! Deshalb sind die Brasilianer tendenziell viel besser gelaunt als die Deutschen und was ich ebenfalls schätze ist die spektakuläre Landschaft.

Ich liebe das Meer. Mein Vater war Seefahrer. Ich bin als Kind des Öfteren mit ihm auf dem Schiff unterwegs gewesen und mein Traum war es eigentlich immer, die letzten Jahre meines Lebens ein Segelschiff zu steuern. Ich bin ja passionierter Segler. Mit dem Segelschiff um die Welt zu segeln, das ist es! Doch da das Leben auf dem Land zurzeit noch abwechslungsreich und pralle ist, habe ich das erstmal zurückgestellt, will aber zumindest am Meer leben. Das tue ich ja schon hier oben und genieße jeden Tag den Ausblick. Rio fasziniert mich in der Hinsicht mit der Metropole von über 10 Millionen Menschen und gleichzeitig dieser Natur. Rio ist die schönst gelegene Stadt der Welt, nicht von der Architektur am schönsten, das ist nach meinem Geschmack Wien und Paris, aber von der Lage her die schönste Stadt der Welt. Und zwar mit Abstand.