„Rust“-Tragödie: Welche juristischen Konsequenzen drohen Alec Baldwin?

SpotOn NewsSpotOn News | 25.10.2021, 12:13 Uhr
Alec Baldwin bei einer Veranstaltung Anfang Oktober in New York. (ili/spot)
Alec Baldwin bei einer Veranstaltung Anfang Oktober in New York. (ili/spot)

imago/ZUMA Wire

Nach der Tragödie am Set des Westerns "Rust" sind viele Frage, wie die nach den juristischen Konsequenzen für Alec Baldwin, offen. Was droht ihm?

Die tödlichen Schüsse auf die Kamerafrau Halyna Hutchins (1979-2021) am Set des Westerns „Rust“ in New Mexico könnten nach Ansicht von Experten weitreichende rechtliche Folgen haben – nicht nur für die beteiligten Unternehmen, sondern auch für Einzelpersonen, darunter Star und Produzent des Films, Alec Baldwin (63).

Halyna Hutchins wurde durch eine Waffe getötet, die Baldwin während der Dreharbeiten am vergangenen Donnerstag (21. Oktober) abfeuerte. Regisseur Joel Souza (48) wurde dabei ebenfalls verletzt. In dem Fall, der von den Behörden in Santa Fe untersucht wird, wurde noch keine Strafanzeige erstattet, wie die „Los Angeles Times“ meldet.

Alec Baldwin sagte am Freitag, dass er bei den polizeilichen Ermittlungen zu dem Todesfall voll und ganz kooperiere. „Es gibt keine Worte, um meinen Schock und meine Trauer über den tragischen Unfall auszudrücken, bei dem Halyna Hutchins, eine Ehefrau, Mutter und von uns sehr geschätzte Kollegin, ums Leben kam“, schrieb er zudem in einer Reihe von Tweets.

Schadenersatz in Millionenhöhe?

Anwälte und Juraprofessoren erklärten, dass mehrere an der Produktion beteiligte Personen und Einrichtungen nach dem Todesfall zivilrechtlich haftbar gemacht werden könnten. „Jemand muss fahrlässig gehandelt haben“, sagte Gregory Keating, Professor an der USC Gould School of Law. „So etwas passiert nicht ohne Fahrlässigkeit. Es gibt Sicherheitsprotokolle, die befolgt werden müssen. Es ist wirklich nur die Frage, wer fahrlässig war und wie die Verantwortung verteilt wird. Alles andere ist unklar, weil die Fakten unklar sind.“

Solche Gerichtsverfahren können zu Schadenersatz in Millionenhöhe führen. Die Familie von Sarah Jones, die 2014 bei einem Zugunglück während der Dreharbeiten zu „Midnight Rider“ ums Leben kam, erhielt nach Einreichung einer Klage wegen widerrechtlicher Tötung 11,2 Millionen Dollar (umgerechnet etwa 9,6 Mio. Euro) zugesprochen.

Wer im Fall von „Rust“ zur Verantwortung gezogen wird, hängt davon ab, wie weit die angebliche Fahrlässigkeit reicht. Der Waffenmeister, die Person, die für die bei den Dreharbeiten verwendeten Waffenrequisiten verantwortlich ist, könnte verklagt werden, ebenso wie der Regieassistent, der Baldwin die Waffe ausgehändigt haben soll, so Keating. Die Associated Press hatte am Freitag unter Berufung auf Gerichtsakten berichtet, dass Baldwin die Waffe vom Regieassistenten Dave Halls ausgehändigt bekommen hatte und dass dieser dabei darauf hingewiesen hatte, dass sie in den Momenten, bevor der Schauspieler sie abfeuerte, sicher zu benutzen sei. Der Regieassistent wusste demnach nicht, dass die Requisitenpistole mit scharfer Munition geladen war, wie aus dem Dokument hervorgeht. Weder Dave Hall noch die Waffenmeisterin, Hannah Gutierrez Reed (24), äußerten sich bisher öffentlich.

Verantwortung der Produzenten des Low-Budget-Films

Den Rechtsexperten zufolge könnte die Produktionsfirma von „Rust“ bei einer Zivilklage mit erheblichen Schadensersatzforderungen konfrontiert werden, insbesondere wenn sich herausstellen sollte, dass die Produzenten des Low-Budget-Films an der falschen Stelle gespart und die üblichen Sicherheitsvorschriften umgangen haben. Und hier kommt auch Alec Baldwin ins Spiel. Er könnte ebenfalls wegen Fahrlässigkeit angeklagt werden, nicht weil er die Waffe in der Hand hielt, sondern weil er einer der Produzenten ist.

„Ich wäre schockiert, wenn es nicht zu einer Klage gegen die Produktionsfirma käme“, sagte Bryan Sullivan, Partner bei Early Sullivan Wright Gizer & McRae. „Letztendlich sind alle Angestellte der Produktionsfirma, und jegliche Haftung würde von der Firma und ihrer Versicherung übernommen werden.“

Mitglieder der „Rust“-Crew erzählten der „Times“, dass die Sicherheitsprotokolle, einschließlich der Waffeninspektionen, am Set nicht strikt eingehalten wurden. Einer der Kameraleute habe sich am vergangenen Wochenende bei einem Produktionsleiter über die Sicherheit der Waffen beschwert, heißt es.

Die Produktionsfirma Rust Movie Productions teilte am Freitag in einer Erklärung hingegen mit, dass ihr „keine offiziellen Beschwerden über die Sicherheit von Waffen oder Requisiten am Set“ bekannt seien. „Die Sicherheit unserer Darsteller und der Crew hat für Rust Productions und alle, die mit dem Unternehmen verbunden sind, oberste Priorität“, hieß es in der Erklärung. „Wir werden eine interne Überprüfung unserer Verfahren durchführen, während die Produktion unterbrochen ist. Wir werden weiterhin mit den Behörden von Santa Fe bei ihren Ermittlungen zusammenarbeiten und den Darstellern und der Crew während dieser tragischen Zeit psychologische Betreuung anbieten.“