Sabine Heinrich: So tickt die neue Quizshow-Moderatorin

Sabine Heinrich moderiert "Das große Deutschland-Quiz" im ZDF. (ili/spot)
Sabine Heinrich moderiert "Das große Deutschland-Quiz" im ZDF. (ili/spot)

ZDF / Kai Oberhäuser

10.07.2021 13:31 Uhr

Mit Sabine Heinrich steigt nun eine Moderatorin ins Quizshow-Business ein. Wie sich das anfühlt, verrät sie im Interview.

Günther Jauch (RTL) sowie Alexander Bommes, Jörg Pilawa, Kai Pflaume, Johannes B. Kerner oder Eckart von Hirschhausen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern – die großen TV-Quizshows werden von Männern moderiert. Mit Sabine Heinrich (44) steigt nun eine beliebte und erfahrene Radio- und Fernsehmoderatorin ins Quiz-Business ein. Ab dem heutigen Samstag (10. Juli) moderiert sie „Das große Deutschland-Quiz“ im ZDF. Die Wissens- und Spielshow wird an vier aufeinanderfolgenden Samstagen ab 19:25 Uhr im Vorabendprogramm zu sehen sein. Danach, am 7. August und 25. September, unterhält Sabine Heinrich mit ihrer Show in der Primetime (ab 20:15 Uhr).

Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählt Sabine Heinrich, wie sie Moderatorin wurde. Sie erklärt außerdem, was für das Gelingen einer Show „essentiell wichtig“ ist und verrät, wie sie mit dem „einschneidenden Tag“ in ihrem beruflichen Leben umgeht.

Sie starten mit dem „Großen Deutschland-Quiz“ im Vorabendprogramm und gehen dann über in die Primetime. Was verändert sich für Sie mit dem neuen Job?

Sabine Heinrich: Vor allem sind es deutlich mehr Zuschauerinnen und Zuschauer. Samstagabend um 20:15 Uhr ist für mich nach wie vor die ganz große Fernsehbühne und ich freue mich wirklich sehr auf diese Aufgabe.

Die bekanntesten Quizshows im Fernsehen werden von Männern moderiert. Sie sind die neue Quizmasterin im ZDF. Was bedeutet das für Sie?

Heinrich: Das stimmt, daran sieht man aber auch das Entwicklungspotential. Ich bin seit langem die erste Frau, die bei den Öffentlich-rechtlichen am Samstagabend auf so großer Bühne eine Quizshow moderieren wird. Ich glaube aber, dass da generell Bewegung reinkommen wird und mehr Frauen auf solchen Sendeplätzen zu sehen sein werden.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie beruflich in Richtung Moderation gehen wollen?

Heinrich: Es war nie mein primäres Ziel, auf einer Showbühne zu stehen. Das hat sich mit der Zeit entwickelt. Und am Ende ist es dann auch eine Frage von Chancen und Angeboten. Mit 15 Jahren habe ich angefangen, bei einer Zeitung zu schreiben. Dann habe ich ein Volontariat beim Radio gemacht. Bis heute betrachte ich mich daher auch als Journalistin. Und auf diesem journalistischen Fundament baue ich alles auf. Egal ob ich auf der Bühne, im Radio oder beim Fernsehen arbeite, zuerst bedeutet es immer schreiben und das ist das Handwerk, das ich gelernt habe. Über welchen Kanal es dann gespielt wird, macht für mich keinen großen Unterschied – in der Präsentation dann natürlich schon.

Was würden Sie jemandem raten, der Moderatorin oder Moderator werden will? Machen Theatergruppe oder Schauspielkurs Sinn?

Heinrich: Viele denken: „Das sieht so toll aus. Sie hat Spaß bei der Arbeit auf der Bühne. Das kann doch nicht so schwierig sein.“ Das ist aber etwas zu kurz gedacht. Es steckt schon viel mehr dahinter. Ob Theatergruppe oder Schauspielkurs für den Beruf besonders hilfreich sind, weiß ich nicht. Wir Moderatoren schauspielern auf der Bühne ja nicht. Wir spielen keine Rolle, sondern sind wir selbst. Für das Gelingen einer Show ist es sogar essentiell wichtig, dass ich keine Rolle spiele.

Wie trainieren Sie den Umgang mit viel Publikum?

Heinrich: Ich denke nicht darüber nach, wie viele Menschen mir zuhören. Und ich denke auch nicht darüber nach, wie viele Menschen mir zusehen werden. Ich stelle mir immer den einzelnen Menschen vor, dann fühlt es sich für mich näher an. Natürlich habe ich auch genug Zeit gehabt und konnte viel Erfahrung sammeln. Ich habe auch schon am Brandenburger Tor vor Tausenden von Menschen moderiert, und auch da hatte ich keine Angst, weil wir einfach zusammen eine gute Zeit haben wollten. Es ist also auch eine Frage des Mindsets.

Unvergessen ist auch Ihre Moderation bei der tragischen „Loveparade“ am 24. Juli 2010 in Duisburg. Inwiefern hat das Ihre Karriere beeinflusst?

Heinrich: Das ist komplex und auch gar nicht so einfach zu beantworten. Das war ein einschneidender Tag für mich, der bis heute nachwirkt. Seit diesem Tag gehe ich nochmal anders in solche Aufgaben. Morgens habe ich damals ja noch gedacht, dass wir heute eine gute Party haben werden. Und plötzlich kam alles anders. Dann habe ich meine Aufgabe als Berichtende gemacht und nur das gesagt, was ich wirklich gesehen habe, keine Vermutungen. Die Zuschauer waren ja auf mich angewiesen. Meine journalistische Ausbildung hat mir da sehr geholfen. Es hat danach noch eine Zeit lange gedauert, bis ich einordnen konnte, was passiert ist.

Wer oder was hat Ihnen dabei geholfen?

Heinrich: Ich hatte große Unterstützung von meinen Kolleginnen und Kollegen im WDR. Auch von älteren Kolleginnen und Kollegen, die Ähnliches erlebt haben. Diese Gespräche waren sehr hilfreich. Sie haben mir auch gesagt, dass es einen jedes Jahr rund um den Jahrestag wieder einholt. Und das ist auch so. Das ist eine Erfahrung, um die ich nicht gebeten habe. Ich werde sie aber immer auf der Haben-Seite haben. Noch in der Nacht habe ich aber beschlossen, dass ich darüber in der Öffentlichkeit nicht ausführlich sprechen werde, weil für mich das Leid der Menschen, die da einfach nur feiern wollten, das Leid der Angehörigen, im Vordergrund steht.

Dann kommen wir nochmal zurück zum „Deutschland-Quiz“. Moderation ist nicht nur in Extremsituationen ein geistig und körperlich herausfordernder Job. Wie halten Sie sich fit? Und wie haben Sie sich auf die neue Sendung vorbereitet?

Heinrich: Ich bin Läuferin und laufe gerne lange Strecken durchs Gelände. Am liebsten habe ich es, wenn ich danach ganz schmutzig bin. In Vorbereitung auf die Sendungen habe ich außerdem Stabilitäts- und Konzentrationsübungen gemacht. Ich habe Respekt davor, 150 Minuten eine Sendung zu leiten, bei der viele Menschen zuschauen und in der es um viel Geld geht, und würde nur ungern orientierungslos werden, weil ich die Konzentration nicht halten kann.

Mode spielt im Fernsehen ja eine größere Rolle als beim Radio. Haben Sie sich schon überlegt, was Sie bei „Das große Deutschland-Quiz“ anziehen werden?

Heinrich: Wenn Sie exakt diese Frage dem Herrn Kerner, dem Herrn Hirschhausen, dem Herrn Bommes, dem Herrn Pflaume und dem Herrn Pilawa stellen, dann beantworte ich sie auch sehr gern. Vielleicht leihe ich mit von Herrn Kerner ja ein Jackett? Spaß beiseite, es ist natürlich ein Unterschied zwischen Fernsehen und Radio. Ich weiß noch nicht genau, was ich anziehen werde. Es wird aber sicher etwas sein, womit ich sehr gut klarkomme…