19.08.2020 20:08 Uhr

Sammy B.: Eltern des getöteten Influencers greifen die Polizei an

Es ist der Alptraum aller Eltern: Das eigene Kind stirbt. Justine S.K. und Kai B. haben nicht nur ihren Sohn verloren. Mit gerade einmal 23 Jahren wurde Fitness-Influencer Sammy B. von der niederländischen Polizei erschossen. Die genauen Umstände sind noch unklar. Seine Eltern fordern lückenlose Aufklärung.

Instagram/sammy_bkr

Jetzt haben sich Justine S.K. und Kai B. zum ersten Mal gemeinsam öffentlich zum Tod ihres Sohnes Samuel, besser bekannt als Sammy B., geäußert. In einer Pressemitteilung üben die Eltern des 23-jährigen Fitness-Influencers, scharfe Kritik an der Amsterdamer Polizei. Sie fordern die lückenlose Aufklärung des Vorfalls, bei dem ihr Sohn am letzten Donnerstag durch drei Schüsse ums Leben gekommen ist. Wörtlich heißt es in der Mitteilung: „Exzessive Gewalt durch Polizeikräfte ist ein global vielgestaltig präsentes Problem, welches nicht übergangen oder ignoriert werden darf.“

Sammy wirkte wesensverändert, verwirrt und psychotisch

Das Schreiben wurde am Mittwochnachmittag über den Anwalt der Familie an verschiedene Medien verschickt. Justine S.K. und Kai B. schreiben darin unter anderem: „Fassungslos und erfüllt von tiefer Trauer im Angesicht dieses Unglücks können wir nicht begreifen, was geschehen ist. Die Umstände, die zur Erschießung unseres Sohnes geführt haben, sind zum jetzigen Zeitpunkt noch weitgehend ungeklärt.“ Zuvor hatte bereits Sammys Vater mehrfach schwere Vorwürfe gegen die Amsterdamer Polizei erhoben. Sogar von Mord war die Rede.

Samuel sei am Montag mit Freunden nach Amsterdam gefahren, um dort seinen 23. Geburtstag zu feiern. Seit Mittwoch zeigte er „ein für ihn sehr untypisches Melde- und Antwort-/Zeit-Verhalten“, das den Eltern zunehmend große Sorgen bereitete. Was war mit ihrem Sohn passiert?

Justine S.K. und Kai B.  können es sich bis heute nicht erklären. „In seinen wenigen Botschaften an diesem Tag erschien er temporär wesensverändert, verwirrt und psychotisch, aber auch zeitweise hilfesuchend. Ein Zustand, der ganz und gar untypisch für seinen Charakter war.“

Die Eltern wandten sich fast krank vor Sorge umgehend und lange vor dem tragischen Ereignis hilfesuchend an die Amsterdamer Polizei. „Insbesondere betonten wir dabei, dass unser Sohn aufgrund seines unerklärlichen und plötzlichen Verschwindens und seiner Wesensveränderung medizinische Hilfe und Betreuung benötige. Zwar bestanden vielversprechende Möglichkeiten, Samuel aufzufinden und in Sicherheit zu bringen, diese vereitelte die Amsterdamer Polizei allerdings durch ihr wiederholt unbedachtes Vorgehen.“

Nie durch Gewalttaten auffällig geworden

Und so nahm die Tragödie ihren Lauf. Zwei Tage nach der Kontaktaufnahme durch die Eltern entdecken Polizisten Sammy in einem Hinterhof im Amsterdamer Stadtteil Nieuw-West – halb nackt, verwirrt und angeblich mit einem 30 Zentimeter langen Messer in der Hand. Er soll gedroht haben, sich die Kehle durchzuschneiden. Die insgesamt sechs Beamten bemühen sich fast 20 Minuten, Sammy zu beruhigen und zum Aufgeben zu bewegen. Vergeblich. Als er ihnen den Rücken zudreht, versucht ein Beamter mit Hund, den Fitness-Influencer zu überwältigen. Die Attacke scheitert und die Situation eskaliert. Sammy B. liegt schreiend am Boden, doch drei Schüsse später ist es plötzlich still.

Trotz sofortiger Wiederbelebungsmaßnahmen, stirbt der 23-Jährige wenig später. Für seine Eltern ein unfassbarer Schock und Skandal zugleich: „Es ist für uns in Anbetracht aller bislang bekannten Umstände unerklärlich und unverzeihlich, wie die Amsterdamer Polizei die Situation in solch einer Art und Weise eskalieren lassen konnte. Die Polizisten wussten, dass Samuel sich in einem psychischen Ausnahmezustand befand und ärztliche Hilfe benötigte, ebenso war ihnen bekannt, dass Samuel zuvor nie durch Gewalttaten auffällig geworden war.“

Tödliche Schüsse auf einen Wehrlosen

Woher  Justine S.K. und Kai B. wissen, was unmittelbar vor der Tat passierte, ist unklar. Eventuell liegt ihnen weiteres Videomaterial vor. In ihrer Pressemitteilung schreiben sie jedenfalls: „In den Momenten, die Samuels Tod unmittelbar vorausgingen, richtete er das Messer ausschließlich gegen sich selbst. Er griff weder die Polizisten an, noch gefährdete er Dritte. Die Polizisten waren ihm zahlenmäßig weit überlegen. Nach unserer Überzeugung muss es geschulten Sicherheitskräften möglich sein, eine solche Situation durch eine gezielte Entwaffnung aufzulösen. Stattdessen näherte man sich unserem Sohn aggressiv und gab aus kürzester Distanz drei tödliche Schüsse auf einem am Boden liegenden, hilfsbedürftigen Menschen ab. Wir empfinden tiefe Abscheu und sind schockiert über dieses brutale Vorgehen. Es ist uns unmöglich, hier eine verhältnismäßige Maßnahme zu erkennen. Hätte die Polizei nur ein wenig umsichtiger und behutsamer agiert, wäre unser Sohn noch am Leben.“

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Eltern glauben nicht an Drogen-Missbrauch

Obwohl die Eltern in den Tagen vor Samuel Tod seine Wesensveränderung deutlich wahrgenommen haben, können sie sich die Ursache für sein Verhalten nicht erklären: „Samuel erfreute sich sein gesamtes Leben über bester psychischer Gesundheit, fiel auf als ein kontrollierter, ruhiger und vernünftiger junger Mann. Sowohl privat als auch bei seinen öffentlichen Auftritten stellten die körperliche und geistige Gesundheit, das natürliche Bewusstsein für den eigenen Körper, gesunde Ernährung sowie eine optimistische und zielstrebige Mentalität die tragenden Säulen in seinem Leben dar. Der Konsum von Drogen widerspricht allem, wofür unser Sohn in seinem Leben stand. Es ist uns deshalb unmöglich, Samuels Zustand kurz vor seinem Tod zu verstehen oder gar zu erklären.“

Sammy war stets liebevoll, offen und dem Leben zugewandt

Auch Freunde und Mitmenschen sind fassungslos über den Vorfall und haben keinerlei Erklärung für Sammys Verhalten. Laut seinen Eltern war ihr Sohn stets liebevoll, offen und dem Leben zugewandt. Er wollte andere Menschen inspirieren und liebte es, sich selbst inspirieren zu lassen. „Einen solchen wunderbaren Menschen zu verlieren, verursacht einen unbeschreiblichen Schmerz.“

Aus diesem Grund bitten Sammys Eltern am Schluß der Erklärung, „dass das Leben, der Tod und das Andenken unseres Sohnes mit Respekt behandelt wird, dass uns – der Familie und den Freunden Samuels – angemessener Raum und die nötige Ruhe zum Trauern und zum Verarbeiten dieses schrecklichen Unglücks eingeräumt wird.“ Aber sie kündigen auch an, dass sie nicht schweigen werden, bis der Vorfall lückenlos aufgeklärt ist.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an What do you believe in? Ein Beitrag geteilt von S ? M M Y | BAKER ? (@sammy_bkr) am Jun 26, 2020 um 9:23 PDT

Polizeigewalt darf nicht ignoriert werden!

„Gleichwohl ist es uns – gerade in Anbetracht jüngster Ereignisse und Debatten – ein dringendes Anliegen, dass Schicksale wie das unseres Sohnes nicht unbemerkt in der täglichen Informationsflut untergehen. Exzessive Gewalt durch Polizeikräfte ist ein global vielgestaltig präsentes Problem, welches nicht übergangen oder ignoriert werden darf.
Wir fordern die lückenlose Aufklärung der Umstände und Ereignisse, welche zur Erschießung unseres Sohnes führten.“

Außerdem haben die Eltern ein Spendenkonto eröffnet, um Gerechtigkeit für Sammy zu bekommen und weiteren Opfern von Polizeigewalt sowie deren Angehörigen bei der Aufklärung und Bewältigung ihrer Fälle behilflich sein zu können. Des weiteren planen Sammys Freunde unter dem Titel „Justice for Sammy“ am Samstag in Wetzlar eine Demo gegen Polizeigewalt.