Sonntag, 18. August 2019 22:10 Uhr

Schwesta Ewa packt aus – auf über 200 Seiten

Foto: Riva Verlag

Rotlicht. Rampenlicht. Knast. Das sind die ungewöhnlichen Koordinaten, die das Leben von Deutschlands berühmtester Ex-Nutte bestimmen. Eigentlich hatte Ewa Malanda, besser bekannt als Schwesta Ewa, den Absprung aus der Prostitution schon geschafft und sich als Rapperin eine vielbeachtete Karriere in der Musikindustrie aufgebaut. Doch mit der Prominenz endeten die Probleme nicht. Ewa rutschte in die Kriminalität ab, 2017 stand sie vor Gericht und muss für Jahre in den Knast.

„Enthüllungen – Das Leben fickt am härtesten“

Und nun erzählt Schwesta Ewa selbst die ungeschönte Wahrheit über ihr Leben. Von ihrer traumatischen Kindheit, ihrer Vergewaltigung und dem Abdriften in das Rotlichtmilieu. In ihrem Buch „Enthüllungen: Das Leben fickt am härtesten“ (Riva-Verlag), das am 21. August veröffentlicht wird, wirft sie auch einen schonungslosen Blick auf die Abgründe unserer Gesellschaft und erzählt Geschichten, die die Fassaden des Bürgertums bröckeln lassen sollen

Schwesta Ewa packt aus - auf über 200 Seiten

Ewa im Juni 2017 vor Gericht. Foto: imago images / Jan Huebner

Ewa Malanda, geboren 1984 in Koszalin, Polen, zog im Kindesalter mit ihrer alleinerziehenden Mutter nach Deutschland. Schon früh erlebte sie Rassismus und Ausgrenzung und kam als Jugendliche mit dem Rotlichtmilieu in Kontakt. Sie arbeitete jahrelang als Prostituierte, bis sie 2014 eine Rapkarriere startete. Als Schwesta Ewa gehört sie zu den erfolgreichsten weiblichen Rappern, die es in Deutschland je gab.

Dann die Verhaftung: Die Anklage hatte ihr u.a. vorgeworfen, von November 2015 bis September 2016 Frauen zwischen 17 und 19 Jahren zur Prostitution gezwungen zu haben. Malanda bestritt, als Zuhälterin tätig gewesen zu sein.

Hier ein Auszug aus dem Buch, in dem die 34-Jährige über ihre Verhaftung im Jahr 2016 berichtet.

Um 5 Uhr klopfte es an die Tür

Zum ersten Mal schaute ich positiv in die Zukunft. Ich hatte das Gefühl, dass alles auf einem guten Weg war. Ich hatte einen Freund. Ich hatte ein laufendes Business. Ich hatte Zukunftspläne. Eine Perspektive. Etwas, wonach ich mein Leben lang gesucht habe. Und ich wollte diese positive Grundstimmung auf meinem neuen Album einfangen. Wir hatten noch nicht wirklich mit den Arbeiten begonnen. Es gab ein paar Skizzen, ein paar Beats. Aber der Großteil der Arbeit lag noch vor uns. Ich war erst am Vorabend angekommen und den haben wir genutzt, um mit ein paar Freunden auf dem riesigen Grundstück zu grillen. Wir haben bis spät in die Nacht hinein eine große Party gefeiert. Haben getrunken, gekifft und laute Musik gehört.

Es waren die letzten Tage eines heißen Sommers. Das Wetter war noch immer verdammt gut und ich kam spät ins Bett. Zu spät. Es war eine verdammt kurze Nacht. Ich lag also im Gästezimmer von Micha, als ich von einem lauten, einem dumpfen Schlag geweckt wurde. Zuerst dachte ich, ich bilde mir das ein. Aber es hörte nicht auf. Verdammt. Ich schaute auf den Wecker. 5 Uhr.

Schwesta Ewa packt aus - auf über 200 Seiten

Foto: Riva Verlag

Was zum Teufel ist das für ein Geräusch? Waren das etwa die Bauarbeiter? Mike erwähnte sowas. Irgendwas sollte in seinem Flur umgebaut werden, aber meine Güte, müssen die das um 5 Uhr morgens machen? Richtig unnötig. Ich dachte für einen kurzen Moment darüber nach, rauszugehen und den Jungs eine Ansage zu machen. Aber der Restalkohol hielt mich davon ab. Ich drehte mich um und zog mir das Kissen über den Kopf. Aber das Geräusch hörte nicht auf. Und es wurde immer lauter. PCHH, PCHH, PCHH.

„Ich dachte, ich wäre im falschen Film“

Ich schloss die Augen und versuchte wieder einzuschlafen. Versuchte mich auf etwas anderes zu konzentrieren. PCHH, PCHH, PCHHH.

Dachte an das Album, das bald kommen würde, an die Beats, an … PCHHHHH! Ein lauter Knall. Ich schreckte hoch. Und dann standen plötzlich zwölf maskierte und uniformierte Typen in meinem Zimmer. „Runter, runter, runter!“, schrien sie mich an. „Auf den Bauch legen, Hände hinter den Kopf!“ Ich war auf einen Schlag hellwach, der Restalkohol komplett verflogen. Was ist los?“, fragte ich. „Was geht ab?“

Die Kerle hatten Maschinenpistolen in der Hand, dunkelblaue Uniformen und Schutzwesten. Fuck, dachte ich. Das sind gar keine Bauarbeiter. Das sind Kripos. Ein Sondereinsatzkommando. Die Kerle hatten ein Flutlicht dabei, mit dem sie mir in die Augen leuchteten. „Baaah, Mann! Mach das aus!“, schrie ich sie an. „Ich werde ja blind.“

Noch während ich das sagte, kam einer der SEK-Typen an mein Bett gelaufen und drückte meinen Kopf in die Kissen. „Alter, bist du behindert?“, schrie ich. Ich dachte, ich wäre im falschen Film. Ein zweiter Kerl sprang von hinten auf mich drauf und legte mir Handschellen an. „Wollt ihr mich verarschen?“, schrie ich. „Ich bin doch keine Terroristin!“ Aber die Typen antworteten nicht. Schrien nur irgendwelche Begriffe in den Raum. „Alles gesichert!“ „C43 alles klar!“ (…)

Von Stalkerin verraten?

„Seid ihr nicht ganz dicht“, schrie ich sie an. „Hier liegt eine nackte, mit Handschellen fixierte Nutte auf dem Bett – was haltet ihr mir eure Waffen ins Gesicht. Was soll ich denn machen?“ Aber statt mir zu antworten, rissen sie mich nur hoch. „Jungs, kann ich mir vielleicht irgendwas anziehen? Bitte!“ Als sie sich vergewissert hatten, dass ich nirgendwo irgendwelche Tretminen oder Sprengfallen angebracht hatte, dass der Raum also wirklich, ganz wirklich, absolut sicher war, schmissen sie mir einen Bademantel über und führten mich ab. Keiner sprach mit mir. Ich hatte noch immer keine Ahnung was los war.

Als wir durch den großen, langen Flur liefen, kam uns Mike entgegen. „Ewa, was hast du gemacht?“ „Wie, was habe ich gemacht? Ich werde hier gerade abgeführt, Kollege. Was hast du gemacht?“

Ich war mir komplett sicher, dass das Ganze nur ein Missverständnis sein konnte. Dass die Typen mich verwechselten. Oder dass ich nur ein
zufälliges Opfer war. Dass es eigentlich um Mike ging. Was könnte er nur angestellt haben? Hatte er vielleicht Drogen in seiner Riesenvilla gebunkert oder hatte er … oh. In dem Moment fiel mir etwas ein. Janina. Verdammt. Die Sache. Ich hatte sie schon ganz vergessen. Janina war eine Stalkerin. Janina war psychisch krank und bettelte seit Monaten um meine Aufmerksamkeit. Als ich sie ihr irgendwann entzog, ist sie ausgerastet und zur Polizei gegangen, wo sie erzählte, dass ich sie verprügelt hätte. Das war natürlich nicht wahr. Aber mir war klar, dass die Polizei irgendwann gegen mich ermitteln könnte, wegen der Sache. Aber das rechtfertigte doch keinen gottverdammten SEK-Einsatz. Oder etwa doch? (…)

Quelle: instagram.com

Post auf Insta

Am 16. August postete die Musikerin auf Insta ein Bild mit ihrer Tochter. Dazu schrieb sie: „Sie ist der Grund warum mir zurzeit alles egal ist.. warum ich jedes Interview ablehne… Auftritte absage … mein Album schleifen lasse… mein Buch nicht promote… Dieses Schwesta Ewa Ding mich einfach null interessiert – ich weiss ihr wartet – und ich bekomme sicher bald meinen Arsch wieder hoch.. aber ich genieße wirklich jeden Tag mit meinem Schatz, den ich weiß immernoch nicht wann es ins Mutter Kind Gefängnis geht.. Ich bitte um euer Verständnis“

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