Sebastian Bezzel: So hat Joseph Vilsmaier „Pfiati“ gesagt

"Der Boandlkramer und die ewige Liebe": Michael Bully Herbig als Boandlkramer eilt mit Heiratsschwindler Max Gumberger (Sebastian Bezzel, vorne) zu einer Hochzeit. (ili/spot)
"Der Boandlkramer und die ewige Liebe": Michael Bully Herbig als Boandlkramer eilt mit Heiratsschwindler Max Gumberger (Sebastian Bezzel, vorne) zu einer Hochzeit. (ili/spot)

LEONINE Studios

14.05.2021 21:00 Uhr

Die Dreharbeiten zu Joseph "Sepp" Vilsmaiers letztem Film "Der Boandlkramer und die ewige Liebe" waren besonders. Sebastian Bezzel erzählt im Interview von der Stimmung am Set.

Der mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnete Streifen „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ startet am Freitag (14. Mai) exklusiv bei Amazon Prime Video. Es ist der letzte Film von Kultregisseur Joseph Vilsmaier (1939-2020, „Comedian Harmonists“), der für viele überraschend am 11. Februar 2020 gestorben ist. Schauspieler Sebastian Bezzel (49) ist Teil des großartigen Casts um Michael Bully Herbig (53) als Boandlkramer, Hannah Herzsprung (39) als dessen Angebetete und Hape Kerkeling (56) als der Teufel.

Wie diese letzten Dreharbeiten mit Joseph „Sepp“ Vilsmaier waren, erzählt Sebastian Bezzel im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news. Dabei erklärt er auch, warum „die lustigste und liebevollste Figur“ in dieser Geschichte ausgerechnet der Tod ist.

Was verbindet Sie mit dem „Brandner Kaspar“ und warum haben Sie bei „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“, dem letzten Film von Joseph Vilsmaier, mitgemacht?

Sebastian Bezzel: Ich habe schon beim ersten Film „Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ [2008, Red.] von Joseph Vilsmaier mitgespielt. Und vor vielen Jahren hatte ich eine Rolle im Theaterstück „Der Brandner Kaspar“ am Residenztheater in München. Deswegen bin ich mit dem Stoff sehr vertraut. Außerdem habe ich gewusst, was der Sepp machen will und dann noch diese fabelhafte Besetzung. Er hat wirklich nochmal sehr viele zusammengetrommelt. Es war toll. Und es war eigentlich auch klar, dass das eine schöne Sache wird, zumal es ja auch sein großer Traum war, diesen Film in seinem Leben noch zu machen.

Wussten Sie, dass es der letzte Film von Joseph Vilsmaier sein wird?

Bezzel: Ich wusste es nicht, dass der Sepp so krank war. Aber im Nachhinein sind mir viele Dinge klar geworden. Die offizielle Lesart war, dass er ein Rückenproblem hat und deswegen Medikamente nehmen muss. Das Rückenproblem hatte er durch einen Unfall vor einigen Jahren wirklich. Mehr wusste ich nicht.

Was ist Ihnen im Nachhinein klargeworden, können Sie ein Beispiel erzählen?

Bezzel: Vor allem war es sein Umgang mit uns. Am letzten Drehtag wollte er beispielsweise nicht, dass ich gleich zum Flughafen fahre. „Hock ma uns noch auf a Halbe Bier oder a Stück Kuchen zam“, hat er gesagt. Ich denke, damit hat er einem auf seine Weise „Pfiati“ gesagt.

Gibt es noch etwas, dass Sie von Joseph Vilsmaier nicht vergessen werden?

Bezzel: Das ist allein schon die Tatsache, wie ich zu dem Film gekommen bin. Als Simon Schwarz und ich vor zwei Jahren gerade „Die Grenzgänger“ gedreht haben, bekam ich in der Mittagspause einen Anruf von einer unbekannten Nummer. Als ich rangegangen bin, war ein ziemlich euphorischer Sepp dran und hat gesagt: „Sebastian, da is der Sepp. Im Herbst drah man an neuen ‚Boandlkramer‘-Fuim und du bist dabei. Des wead super. Da Bully is dabei und du bist a dabei, du muasst dabei sei. Also, i schick da’s Buach und na sehma uns im Herbst.“ Dann hat er mehr oder weniger eigentlich auch schon aufgelegt.

Vermutlich hätte er ein „Nein“ nicht akzeptiert. Für mich war es dann terminlich ein bisschen schwierig, weil ich in der Zeit auch den nächsten Eberhoferkrimi „Kaiserschmarrndrama“ gedreht habe. Aber es war einfach ein Traum mit Joseph Vilsmaier zu telefonieren, weil das einfach noch oldschool war, da zählte ein Wort, ein Handschlag, und genau das hat sich auch durch die Dreharbeiten gezogen. Es hat wirklich einen Riesenspaß gemacht. Und meine Rolle war auch wirklich toll.

Wie haben Sie dann die Dreharbeiten mit Vilsmaier erlebt?

Bezzel: Es ist immer ein Traum gewesen, mit ihm zu arbeiten, weil er einfach so ein toller Typ war und sich so um seine Leute gekümmert hat. Er konnte schon auch grantig werden und richtig schimpfen. Aber das war nie verletzend oder böse, es war halt der Sepp.

Konnte Joseph Vilsmaier den ganzen Film drehen oder musste ein Kollege irgendwann einspringen?

Bezzel: Sepp hat alles gedreht und geschnitten. Wir hatten sogar danach noch einen Extradrehtag. Zwei Monate nach Drehschluss hat mich der Sepp nochmal angerufen und wir haben eine zusätzliche Szene gedreht, in der ich, also meine Rolle, meinem Nebenbuhler [Helmfried von Lüttichau, 64], den ich zu Lebzeiten zusammengeschlagen habe, nochmal in die Arme laufe. Durch diese Szene kommt noch mehr Spannung in den Film. Und für mich war das natürlich auch ein Riesengeschenk, weil meine Rolle durch diesen Verweis auf ihr früheres Leben noch mehr Gewicht bekommen hat. Den Nachsynchronisationstermin habe ich dann aber nur mit Bully gemacht.

Wie ging es Ihnen, als Sie von Joseph Vilsmaiers Tod im Februar 2020 erfahren haben?

Bezzel: Ich war wahnsinnig traurig, als ich das erfahren habe und bin auch zur Trauerfeier nach München gefahren. Das war noch eines der letzten Dinge, die man machen konnte. Kurz danach begann der erste Lockdown. Und es ist mir wirklich eine Ehre, dass ich da dabei sein durfte.

In „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ ist der Tod (Boandlkramer) sehr liebenswert dargestellt. Versöhnte Joseph Vilsmaier sich so mit dem Tod, kann man das hineininterpretieren?

Bezzel: Das ist schon der Trick im Original, in der Novelle von Franz von Kobell, die 1871 veröffentlicht wurde. Oder in dem Stück von Kurt Wilhelm, und in den Verfilmungen, die es ja schon früher gab, zum Beispiel mit Paul Hörbiger. Oder die Fernsehaufzeichnungen mit Toni Berger oder der erste Vilsmaier-Film mit Bully …

Die lustigste und liebevollste Figur in dieser Geschichte ist der Tod. Das ist auch das Großartige an dem Stoff, dass diese Figur nicht als finsterer und böser Geselle dargestellt wird, sondern als eine arme Sau, die nirgendwo hingehört. Auf der Erde wollen sie ihn nicht, im Paradies war er noch nie und in der Hölle auch noch nicht. Er ist der Mittler zwischen den Welten, aber nirgendwo willkommen. Die Geschichte fußt natürlich auf einem sehr katholischen Weltbild, für ein Märchen oder eine Volkslegende ist es aber eine tolle Idee.

Wie war es hinter den Kulissen? War es besonders lustig, wenn so viele Comedy-Größen am Set sind? Oder ist es auch nicht anders gewesen als beispielsweise bei einem „Tatort“-Dreh?

Bezzel: Es ist insofern anders gewesen als ein „Tatort“-Dreh, weil es ein Kinofilm ist. Da wird aufwendiger gearbeitet, mit einer anderen Technik, anderen Einstellungen. Von der Stimmung her ist es nicht so, dass ein andauerndes Witzefeuerwerk hinter den Kulissen stattfindet, wenn Komiker und Comedians miteinander drehen. Das könnte ich jetzt wirklich nicht behaupten – das ist auch bei den Eberhoferkrimis nicht so.

Die Stimmung am Set war aber wahnsinnig freundlich und sehr angenehm, auch weil so Menschen wie Bully und Rick Kavanian einfach in diesem Stil arbeiten. Es klingt vielleicht abgedroschen, aber das sind einfach sehr nette Menschen. Für mich persönlich war es außerdem sehr schön, so viele Kollegen nach längerer Zeit wiederzusehen.

In wenigen Tagen gibt es einen weiteren Anlass zur Freude: Am 18. Mai feiern Sie ihren 50. Geburtstag. Wie werden Sie feiern und was bedeutet die Zahl für Sie?

Bezzel: Feiern werde ich nicht groß, ob der bekannten Gründe. Vergangenes Jahr ist meine Frau [Schauspielerin Johanna Christine Gehlen] 50 geworden, da konnten wir auch schon nicht feiern. Irgendwann werden wir das mit einer großen Party nachholen, wenn es wieder erlaubt ist. Ansonsten, mei, des ist halt so. Aber ich habe mit dem Simon [Schwarz] schon darüber reden können, der ist ja im Januar 50 geworden.

Und, hat er Ihnen einen Tipp gegeben?

Bezzel: Nein. Einfach akzeptieren, hat er gemeint (lacht).