Donnerstag, 28. Mai 2020 21:04 Uhr

Sexuelle Belästigung auch am Set von „Criminal Minds“

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Ein Kameramann belästigte jahrelang seine Kollegen am Set von „Criminal Minds“. Die Verantwortlichen hinter den Kulissen müssen nun für ihr vermutetes Mitwissen und Nichtstun vor Gericht geradestehen!

Opfer erhielten Kündigung

Am Set von „Criminal Minds“ belästigte der Kameramann Gregory St. Johns jahrelang die männlichen Mitarbeiter. Er wurde schon im Juli 2019 dafür verurteilt. Aber es kommt noch pikanter! Diejenigen Männer, die den Mut fanden, sich bei ihren Vorgesetzten zu beschweren, erhielten kein Gehör, sondern eine Kündigung.

Deswegen erhebt das kalifornische Ministerium für faire Beschäftigung und Wohnen nun auch Anklage gegen die Produktionsfirmen hinter der Serie. Genauer gesagt gegen das Walt Disney-Unternehmen sowie die Sender ABC und CBS.

In der Anklageschrift heißt es: „Mithilfe der Angeklagten schuf St. Johns ein einschüchterndes und feindliches Arbeitsklima am Set von Criminal Minds. Geschützt durch das ausführende Produktionsteam – einschließlich der Showrunnerin Erica Messer, dem ausführenden Produzenten Harry Bring und John Breen Frazier, dem Regisseur Glenn Kershaw und der Produktionsleiterin Stacey Beneville –  setzte St. Johns sein rechtswidriges Verhalten jahrelang fort. Die Angeklagten verfügte nicht nur über konkrete Kenntnisse zu dem missbräuchlichen Verhalten von St. Johns, sie duldete es auch. Es wurden keinerlei Schritte vorgenommen, um die sexuelle Belästigungen und Diskriminierungen zu verhindern. Es wurden keine angemessenen Korrekturmaßnahmen ergriffen. Stattdessen entließen die Führungskräfte jeden, der sich widersetzte oder sich stillschweigend den Misshandlungen von St. Johns entzogen hatte.“

Sexuelle Belästigung auch am Set von "Criminal Minds"

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Jahrelanges Schweigen und Unterdrücken

Harter Tobak! Die Anklage bedeute aber auch einen gewaltigen Schritt nach vorne. Denn anstatt es bei der Verurteilung von St. Johns zu belassen, sollen darüberhinaus die Strukturen, die seine Untaten erst ermöglichten, aufgezeigt und bestraft werden.
Das jahrelange Schweigen und Unterdrücken am Set von „Criminal Minds“ beweist einmalmehr, dass sexuelle Gewalt am Arbeitsplatz oftmals auch ein strukturelles Problem birgt. Die Täter werden aufgrund ihres höheren Status geschützt. Die Opfer werden bestraft. In den allermeisten Fällen handelt es sich bei den Opfern um Frauen. Selbstverständlich können aber auch Männer betroffen, wie eben in dieser Konstellation.

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