Freitag, 16. Februar 2018 21:09 Uhr

„Shape of Water“: Der hier steckt hinter der Alien-Kreatur!

„Shape Of Water“, das für 13 Oscars nominierte Fantasy-Epos von Guillermo Del Toro, läuft seit gestern auch in en deutschen Kinos. Doch wer steckt eigentlich in der Kostümierung der Kreatur?

"Shape of Water": Der hier steckt hinter der Alien-Kreatur!

Foto: Twentieth Century Fox

Das blaustichige Wesen, das auf der Grenze zwischen Mensch, Tier und Mythos existiert, wird von dem US-amerikanischen Schauspieler Doug Jones (57) verkörpert. Dank eines mit großer Sorgfalt entworfenen prosthetischen Kostüms und dank seines Talents für physische Expressivität gelingt es ihm, die Kreatur zum Leben zu erwecken.

Jones konnte sein besonderes Talent schon mehrfach in del Toros Schöpfungen zum Ausdruck bringen. Er verkörperte den unvergesslichen „Pale Man“ in „Pans Labyrinth“ (2006), Abe Sapien in der „Hellboy“-Reihe, und einen antiken Vampir in „The Strain“. Doch genau wie Hauptdarstellerin Sally Hawkins hätte er sich nie verstellen können, die Hauptfigur in einer Liebesgeschichte zu spielen.

Hawkins beschreibt Jones folgendermaßen: „Dougs Darstellung ist so aufrichtig und schön – und das musste sie auch sein, denn es geht um eine so fragile Beziehung. Wir sind Angehörige zweier verschiedener Spezies, die sich ineinander verlieben, und das musste sich ganz echt anfühlen, es musste stimmig wirken. Glücklicherweise blieb mir gar nichts anders übrig, als mich in Doug zu verlieben, so großartig war seine Darstellung.“

Er kann fantastische Kreatur und Charakterdarsteller

Del Toro empfand nie auch nur den Hauch eines Zweifels, dass Jones die richtige Wahl für die Kreatur war. „Wir arbeiten seit 20 Jahren zusammen, und er hat in einigen meiner Filme die Schlüsselrollen gespielt“, erinnert sich del Toro. „Er zählt zu den wenigen Darstellern, die sowohl als fantastische Kreatur wie auch als vollwertiger Charakterdarsteller bestehen können. Denn dies sind oft zwei gesonderte Talente, aber Doug kann beides. Er ist, mit und ohne Make-Up, ein fantastischer Schauspieler.“

"Shape of Waters": Der hier steckt hinter der Alien-Kreatur!

Foto: Twentieth Century Fox

Del Toro ergänzt: „Wenn nicht ein wahrhafter Schauspieler in Kostüm der Kreatur steckt, dann gibt es auch keinen Film – und Doug ist kein Schausteller, sondern ein Schauspieler. Ich denke da an Momente wie jene, in denen er ein Filmtheater betritt und man merkt, dass diese Kreatur noch nie zuvor einen Film gesehen hat. Dies sind große Schauspielermomente. Ich erinnere mich auch daran, dass Richard Jenkins vor seiner Badezimmer-Szene, in der er der Kreatur begegnen wird, Angst davor hatte, einfach nur einem Typ in einem Monsterkostüm zu begegnen. Danach kam Richard zu mir und sagte: ‘In dem Moment, in dem du ‚Action‘ gerufen hast, befand ich mich in Anwesenheit eines vorzeitlichen Wassergottes‘. Doug ließ ihn die ganze Qual und Verwirrung der Kreatur spüren.”

Wie spielt man einen Alien?

Beim sich Einfühlen in die Kreatur ließ sich Doug von seiner Fantasie und seinem Mitgefühl leiten, versuchte so tief wie möglich nachzuempfinden, wie das Leben für eine äußerst intelligente, amphibische Kreatur aussieht, die gejagt, aus ihrer Heimstätte verschleppt und von einer Alien-Spezies untersucht wird. „Er ist sehr, sehr einsam, weil er der letzte seiner Art ist“, beschreibt ihn Jones. „Er befand sich zudem nie außerhalb seines Flusses, und deshalb versteht er weder wo er ist, noch warum. Er wurde getestet und mit Biopsien getriezt, weil die Regierung glaubt, ‚dieses Ding könnte uns irgendwann nützlich sein’“.

"Shape of Water": Der hier steckt hinter der Alien-Kreatur!

Foto: Twentieth Century Fox

Doch die Kreatur ist soviel mehr als das, was die Regierungsagenten in ihr sehen. Jones erläutert das einzigartige Talent dieses mysteriösen Charakters – die Gabe, die tiefsten Sehnsüchte der Menschen, die ihm begegnen, widerzuspiegeln.

„Obwohl er eine Laune der Natur ist, hat er etwas Engelhaftes“, erklärt er. „Wenn er in das Leben menschlicher Wesen tritt, scheint er ihre verborgenen Sehnsüchte hervorzubringen und zu verstärken.“

Celebrities attend AARP The Magazine's Movies for Grownups Awards at Beverly Wilshire Hotel. Featuring: Doug Jones Where: Los Angeles, California, United States When: 06 Feb 2018 Credit: Brian To/WENN.com

Doug Jones. Brian To/WENN.com

Wie ein draufgängerischer Stierkämpfer

Und als er in Elisas Leben einsickert, werden in beiden Emotionen ausgelöst. „Ihre Kommunikation geschieht verständlicherweise ohne Worte, gänzlich mittels Sehen und Fühlen“, erklärt Jones. „Beide Charaktere befinden sich in der Welt, in die sie geboren wurden, außerhalb ihres Elements. Doch wenn sie zusammen sind, verschwindet dieses Außenseitergefühl.“

Um dies physisch und motorisch auszudrücken, benutzte Jones eine Vorstellung, die del Toro ihm nahegelegt hatte: „Er sagte, die Kreatur solle auftreten wie ein attraktiver, draufgängerischer Stierkämpfer – aber mit der Geschmeidigkeit des Silver Surfers.“

"Shape of Waters": Der hier steckt hinter der Alien-Kreatur!

Foto: Twentieth Century Fox

Einen Monat vor Drehbeginn und mit den ersten Proben zusammen mit Hawkins bewegten sich die Charaktere allmählich von der Theorie zur Praxis. „Es war einfach umwerfend, zusammen mit Sally auszuprobieren, wie viel man sich ohne verbalen Dialog sagen kann,“ erzählt Jones. „Und dann erlebt man, wie die Kraft ihrer Liebe Elisa dazu bringt, dem System zu trotzen, wie sie immer mutiger ihre sichere Komfortzone hinter sich lässt.“

„Wunderschön und berührend“

Und ihre Liebesszene brachte auch Jones dazu, seine Komfortzone weit hinter sich zu lassen. Er gesteht, dass er nie auch nur geahnt hätte, in einem Monster-Kostüm eine Sexszene drehen zu müssen, egal wie künstlerisch sie auch gestaltet wäre. Doch die Szene verschaffte ihm auch die Erfahrung purer physischer Kommunikation. „In dieser Szene bin ich ein Wesen, das nie zuvor Berührung oder Intimität erfahren hat. Elisa und er erfahren dies zum allerersten Mal, es ist also eine sehr besondere Art von Unschuld.“.

"Shape of Waters": Der hier steckt hinter der Alien-Kreatur!

Foto: Twentieth Century Fox

Jones genoss besonders das unerschütterliche Vertrauen in Hawkins „Wir spielen beide dermaßen unkonventionelle, nie zuvor gesehene Charaktere, dass dieser Umstand uns zusammengeschweißt hat,“ erklärt er. Als die Kamera lief, konnte man ihre Verbindung spüren. „Ich war so fasziniert davon, Sally zu beobachten, dass ich vergaß, was ich gerade tat. Sally hat etwas so Offenes und Authentisches, ich habe mich einfach in sie verguckt, genau wie die Kreatur.“

Octavia Spencer, die Elisas Freundin und Kollegin Zelda spielt, erinnert sich an ihre plötzliche Bewegtheit, als sie die ersten Bilder des Kontaktes zwischen Elisa und der Kreatur sah: „Es war wunderschön und berührend. Und ich hätte mir nie vorgestellt, dass ich mal so reagieren würde: ich musste beim Zusehen einfach schluchzen.“

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Foto: Twentieth Century Fox

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