Dienstag, 26. Januar 2010 09:26 Uhr

Sibel Kekilli: „Ehrenmorde passieren, weil jahrelang weggeschaut wurde“

Schauspielerin Sibel Kekilli (29) kritisiert den Umgang der Medien mit dem Thema „Ehrenmord“: „Das  Bild in der Presse beherrscht die Kopftuchtürkin neben dem  Dönerladen“, so Kekilli in der aktuellen Ausgabe des Magazins  ‚Brigitte‘. „Ab und an wird eine Ehrenmord-Geschichte als Sensation ausgeschlachtet, damit alle empört sagen können: Dass das immer noch passiert! Aber warum passiert es  denn? Weil wir jahrelang weggeschaut haben und immer noch  wegschauen.“

Das Problem beginne lange, bevor tatsächlich ein Mord passiert: „Ich habe mitbekommen, dass sich manche türkische Mädchen in der Schule umgezogen und geschminkt haben, dass sie lügen mussten, um ihren Freund zu treffen und nicht erwischt zu werden. Es ist ein ständiges Katz-und-Maus-Spiel, man ist immer auf der Flucht. Und zu Hause trägt man meistens eine Maske, weil keiner wissen darf, wie es  einem wirklich geht.“

In ihrem neuen Film „Die Fremde“ (Favorit für die Berlinale-Auswahl, Kinostart am 11. März) spielt Kekilli eine junge Türkin, die versucht, sich aus den Zwängen ihrer traditionell lebenden Familie zu befreien. Das Thema des Films habe sie bewegt, weil sie es aus ihrem eigenen Leben kenne: „Wenn ich von dem Thema keine Ahnung hätte, hätte ich diesen Film nicht so spielen können. Es ist leichter, oberflächlich zu leben und sich keine Fragen zu stellen als zu sagen: Das möchte ich, das bin ich!“
Der Film zeige die innere Zerrissenheit der Familien. „Ich wünsche mir, dass Deutsche versuchen zu begreifen, anstatt nur zu  verurteilen, und dass Türken versuchen, die Position der Töchter zu verstehen. Alle müssen sich bewegen. Die Türken kapseln sich ab, weil sie denken, die Deutschen wollen ihnen ihr Leben aufzwingen, und die  Deutschen sagen, die Türken sind reaktionär.“ (Brigitte)

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