Montag, 2. März 2009 18:44 Uhr

„Slumdog Millionär“: Wurden die Kinderdarsteller nur ausgebeutet?

Er muss es wissen: ‚Slumdog Millionär‘-Regisseur Danny Boyle betont, die Kinder aus den indischen Slums bräuchten kein Geld, sondern eine gesicherte Schulausbildung. Mit dieser Feststellung wehrt sich der Macher des Oscar-Abräumers gegen Vorwürfe, er habe den jungen Schauspielern und Schauspielerinnen – wie dem 10-jährigen Azharuddin Ismail und der 9-jährigen Rubina Ali – aus den Slums von Mumbai nicht genug für ihre Filmauftritte bezahlt. „Wir haben lange darüber gesprochen, wie wir am besten ihr Leben verändern könnten“, erzählt Boyle, und beschreibt das Problem normaler Bezahlung in armen Ländern: „Obwohl wir sie gut bezahlt haben, ist das Geld schnell verschwunden.“ Deswegen entschieden sich die Filmleute, einen anderen Weg zu gehen. Boyle beschreibt eine Lösung, bei der das Geld an schulische Leistungen geknüpft ist: „Wir haben uns für einen langfristigen Ausbildungsplan entschieden. Vorausgesetzt, sie beenden ihre schulische Ausbildung, erhalten sie eine beträchtliche Summe Geld. Sie werden zusätzlich neu untergebracht.“


Das Wichtigste für die Straßenkinder sei und bleibe aber die Schule, betont Boyle, und erklärt seine Einstellung so: „Der Unterschied, den ein Schulbesuch für sie machen wird, ist unglaublich. Es ist jetzt schon ein phänomenaler Unterschied zu erkennen, weil sie Englisch sprechen können.“ Eine Fremdsprache in Indien zu beherrschen ist Gold wert, weiß der Regisseur, und verdeutlicht: „Wenn du in Mumbai Englisch sprechen kannst, steigen deine Chance auf eine Festanstellung um das Hundertfache.“ Durch seinen Film, der einen detaillierten Blick auf die Ärmsten der Armen in Indien wirft, wurde Boyle über Nacht weltberühmt. Der Engländer will sich trotz seines Oscars als Bester Regisseur nicht vom Erfolg blenden lassen. Er ist in seine Heimatstadt Radcliffe zurückgekehrt, um seinem Vater Frank Boyle seine Goldstatue zu zeigen.
„Es ist sehr leicht, im Glamour des Ganzen verloren zu gehen“, sinniert der 52-Jährige, und erklärt: „Wenn manche Menschen das wollen, ist das in Ordnung – daran ist nichts falsch. Ich allerdings wollte immer nur Filme machen, die die Leute aus Radcliffe gerne sehen.“ (BangMedia, Foto: Darren Decker / ©A.M.P.A.S.)

OK

Hinweis: Durch Nutzung von klatsch-tratsch.de stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu. Mehr erfahren