Sophia Thiel über ihren Burnout: In L.A. wurde es noch schlimmer

Sophia Thiel nach dem Burnout: In L.A.wurde es noch schlimmer (3)

© Sophia Thiel/Youtube

14.02.2021 10:30 Uhr

Fitness-Bloggerin Sophia Thiel ist zurück! In einem bewegenden Video verrät sie jetzt, warum sie so lange von der Bildfläche verschwunden war und was sie ganz allein in Los Angeles wollte. 

Nach einem völligen Zusammenbruch kurz vor der großen Fibo-Fitness-Messe im Jahr 2018 cancelte Sophia Thiel kurzerhand ihren dortigen Auftritt und zog sich für längere Zeit zurück.

In ihrem ersten, sehr bewegenden Videobeitrag seit 2019 erzählt sie: „Am nächsten Tag hab ich meinen unausgepackten Koffer genommen, ins Auto geschmissen und bin zurück nach München. Dann dachte ich  ‚Was mach ich jetzt? Ich hab diese Auszeit eingeleitet, aber was soll ich jetzt machen?‘ Ich war einfach nur lost. Ratlos.“

Sophia Thiel über ihren Burnout: In L.A.wurde es noch schlimmer

© IMAGO / Hartenfelser

Den Burnout ignoriert

Sie habe heute das Problem, den Zusammenbruch als Burnout zu bezeichnen. „Aber dann ist man ja eigentlich zu gar nichts mehr fähig. So hat es sich für mich aber nicht angefühlt, sondern wie so eine ganz krasse Leere und Taubheit, in einem drin, als ob ich mich irgendwie aufgelöst hätte. Ich hab mich ja auf nichts mehr gefreut, es standen mir ja theoretisch alle Türen offen, ich hätte die ganze Zeit was tun können. Aber ich wusste nicht was ich tun soll. Dann dachte ich mir, wie ich so schnell wie möglich in meine alte Trainings-und Ernährungsroutine zurückkommen kann. Was könnte ich tun, damit ich wieder funktioniere wie ein Maschine? Da dachte ich mir , es wäre gut, den Horizont ein wenig zu erweitern und dann habe ich mir ein Flugticket nach Los Angeles gebucht“.

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Sophia Thiel reist allein nach Los Angeles

Doch die Auszeit in den USA habe Sophia nicht die erwartete Erfahrung gebracht, die sie sich ursprünglich gewünscht hatte. Im Gegenteil, es sei alles ganz anders gekommen. „Es hätte auch jeder andere Ort sein können, aber ich dachte, dass ich da 2016 schon mal war und mir dieser Ort nicht komplett fremd ist. Und hallo? Strand und Sonne, wenn ich meine Motivation irgendwo finde, dann da. Und dann bin ich da mal ein bisschen und komme dann auch sofort wieder zurück.“

Am Anfang ihrer Auszeit habe sie bereits auf ein Ende hingearbeitet und habe auch gemerkt, dass  sie das doch sehr wenig genossen habe, „für die lange Zeit, die auch wirklich entstanden ist“.

Planlos in einer fremden Wohnung

Thiel fährt fort: „Ich habe auf der Fibo ja nicht mehr gewusst, was ich wirklich wollte, aber eins wusste ich: ich wollte alleine, ganz komplett alleine, so weit wie möglich weg. Das hatte ich noch nie in meinem Leben, war noch nie alleine irgendwo. Ich hatte immer jemanden, der irgendwie mit dabei war. Alleine nach LA wäre  für jemand anderen natürlich aufregend gewesen – ich hab gar nichts empfunden. Ich bin ins Flugzeug rein, als wäre es das Normalste der Welt. Ich hatte keine Vorfreude, keine Nervosität. Ich hatte gar nichts, und bin da hin, als wäre es ein nächster Termin von mir.“

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Neuanfang misslang

„Dann bin ich da angekommen in meinem Airbnb.“, schildert die 25-Jährige in ihrem bewegenden Video diese Situation im Rückblick. „Und dann dachte ich: ‚Was mach ich jetzt eigentlich? Kenn hier auch kaum ’ne Sau‘. Für mich auch eine absolut schlimme Situation“. Hinzu seien Gefühle des Versagens und des schlechten Gewissens gekommen.

Thiel sei überzeugt davon gewesen, sie habe Leute verärgert und enttäuscht. Also versuchte die Fitness-Influencerin in LA ihren eigenen Rhythmus zu finden, ihre Sorgen hinter sich zu lassen und neu anzufangen. Doch das misslang ihr…

Foto: imago images / Future Image

Die „dunkelste Zeit“ in ihrem Leben

„Ich habe mir gedacht: ‚Ok wenn du jetzt die ganze Zeit so enorm viele Probleme hattest – Aufgaben, tägliches Training, Diät halten, online sein vor der Kamera – dann lass das doch mal alles und schau ob es dir dann besser geht‘. Ich wollte mich selbst so ein bisschen auf die Probe stellen. Ich dachte mit dieser Flucht nach LA lass ich meine ganzen Probleme in Deutschland, dort ist alles easy peasy, komm wieder zurück, bin fertig. Leider nimmt man aber all seine Probleme überall hin mit und deswegen hatte ich auch meine schön mit im Gepäck dabei. Das Ergebnis: mir gings in LA noch viel schlimmer als in Deutschland, obwohl es eigentlich auch schön war und wertvoll von den Erfahrungen die ich gemacht habe – persönlich für mich aber die dunkelste Zeit.“

Sie hab gegessen worauf sie Lust hatte, so Thiel weiter: „Ich hab keinen Sport gemacht, bei Social Media hab ich mich überall abgemeldet und habe so in den Tag hineingelebt, habe mich aber gefühlt, als würde ich dahinvegetieren, auch so’n bisschen verfault“.

Den Urlaub genießen: Fehlanzeige!

„Wann war ich am glücklichsten?“

„Da bin ich an einem der schönsten Orte die es gibt, einem meiner Lieblingsorte und mir gehts noch viel viel schlechter! Nach längerem Überlegen hab ich mich dann selbst gefragt: ‚Wann warst du in deinem Leben eigentlich am glücklichsten?‘ Zu diesen Zeitpunkten hab ich mich  immer bewusst ernährt. Ich würde jetzt nicht sagen mit der krassen Diät oder wo ich so richtig heftig in Form war, da war ich nicht am glücklichsten. Wenn ich mich bewusst und gut ernährt habe, wenn ich Sport getrieben habe, jetzt auch nicht so Hardcore extrem, sondern halt regelmäßig und wenn ich mit geliebten Personen Zeit verbracht hab, dann war ich eigentlich am glücklichsten. Und aus diesem Wissen heraus habe ich gewusst, dass das was ich gemacht  habe, nicht falsch war . Das gehört zu mir und ich bin auch gut darin. Weil ich auch krass daran gezweifelt habe, ob ich das überhaupt weitermachen soll und weil ich dachte, dass ich vor versammelter Mannschaft versage und ich vielleicht für das Ganze nicht gemacht bin“.

Foto: imago images / Hartenfelser

Sophia Thiel musste wieder bei Null anfangen

Dann sei das einstige Fitnessvorbild tausender junger Mädchen aber zu einer anderen Einsicht gekommen. „Ich habe dann gemerkt, dass mir das Spaß macht und mir das Lebensqualität gibt und dass das auch ein Teil meiner Identität ist. Man muss dazu sagen: ich bin die krasseste Schwarz-Weiß-Denkerin, die es gibt. Entweder war es hundertprozentig krasses Training oder gar kein Training, entweder war es eine Extremdiät oder gar keine Diät. Immer nur schwarz weiß, das homogene Graue in der Mitte war für mich ein Fragezeichen“.

Trainingspausen habe es bei Sophia Thiel während ihrer stärksten Phasen nicht gegeben. In Los Angeles allerdings verzichtete sie zwei von drei Monaten auf Sporteinheiten. Aus diesem Grunde habe sie wieder bei Null anfangen müssen, als sie im letzten Monat wieder etwas tun wollte.  „Es war so eine Situation im Konsens, aus der ich mich richtig rauskämpfen musste, es war übelst hart. Da habe ich dann wieder versucht meine Fühler auszustrecken und auch wieder Kontakt mit Menschen aufzunehmen und hab ein paar Bekannte in LA getroffen. Das hat mir geholfen, mich wieder zu resozialisieren“.

Über ihre Erfahrungen nach der Zeit in den USA berichten wir in einem weiteren Artikel zu Sophia Thiel.