18.09.2020 10:18 Uhr

Spitzenverdiener oder brotlose Kunst? Die Gehälter im Überblick

"Was sind Ihre Gehaltsvorstellungen?" - diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, zumal Corona einige feste Größen auch im Jobleben durcheinander gebracht hat. Abhilfe, um sich garantiert nicht unter Wert zu verkaufen, gibt es hier.

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Wie viel ist meine Arbeit wert? Diese Frage stellt sich jede und jeder Angestellte früher oder später – meist früher. Ob die Summe, die letztendlich auf der Lohnabrechnung steht, nun aber Grund zur Freude bietet oder ernüchternd ausfällt, hängt von vielen Faktoren ab. In welcher Branche ist man tätig, in welchem Land beziehungsweise Bundesland lebt man und wie viel Berufserfahrung ist vorhanden? Und ja, auch das Geschlecht kann in manchen Berufsfeldern noch immer teils massive Auswirkung auf das Gehalt haben.

Um nun Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern einen Überblick zu geben, mit welchen Jobs das meiste Geld winkt, werden im Folgenden die prominentesten Branchen miteinander verglichen – auf Grundlage von Job- oder Branchenportalen. Alle Angaben sind dabei brutto, das heißt Sozialabgaben und Steuern werden noch davon abgezogen. Und: Wo nicht gesondert unterschieden wird, gelten die Werte trotz der männlichen Formulierung für weibliche und männliche Arbeitnehmer gleichermaßen.

Etwas erschaffen – Handwerk

Als Bauarbeiter ohne Spezialisierung ist in Deutschland laut des Handwerks-Gehaltsindexes, aufgelistet von Jungheinrich Profishop, ein Lohn zwischen 18.500 Euro (Berlin) und 28.600 Euro (Stuttgart, Karlsruhe) zu erwarten. Sobald es jedoch in Richtung Metallarbeit geht, kann das Gehalt auf bis zu 40.000 Euro (München) pro Jahr steigen. Dies deckt sich mit den Angaben von „Gehalt.de“, bei denen Metallbauer 3.047 Euro, Metallbaumeister 4.016 Euro Gehalt im Monat bekommen.

Ebenfalls mit rund 3.000 bis 3.100 Euro pro Monat können Maurer, Installateure, Zimmerer und Kfz-Mechantroniker rechnen. Elektriker bekommen im Schnitt 300 Euro mehr, Metzger und Maler 300 Euro weniger Lohn. Der ebenfalls zu den Handwerksberufen gehörende Job als Friseure fällt dagegen deutlich ab – lediglich ein Gehalt von 2.127 Euro ist hier im Monat zu erwarten.

Lehren, schützen, regieren – Beamte

Das „Diener“ in Staatsdiener mag dem einen oder anderen despektierlich erscheinen, in der Tat sind in diesem Berufsfeld aber zuweilen hohe Löhne zu erzielen. Bundestagsabgeordnete können laut „Focus Online“ auf ein Gehalt von rund 9.500 Euro kommen, das sich durch diverse Aufwandspauschalen auf knapp 14.000 Euro im Monat erhöhen kann. Das durchschnittliche Einkommen von Polizeibeamten im gehobenen Dienst liegt in Deutschland laut „Gehaltsvergleich.com“ bei im Schnitt 4.084 Euro pro Monat.

Bei Lehrkräften hängt das Gehalt von vielen Faktoren ab – etwa, wo man unterrichtet, ob man verbeamtet oder tarifangestellt ist oder an einer Grund-, Haupt- oder Realschule (Besoldungsgruppe A 12) beziehungsweise an einem Gymnasium (Besoldungsstufe A 13) arbeitet. Spitzenreiter in beiden Kategorien ist Bayern, wo Lehrer mit A 12 laut des Infoportals für den Öffentlichen Dienst ein Einstiegsgehalt von 3.924 Euro im Schnitt winkt, Lehrer mit A 13 gar 4.579 Euro. Als verbeamteter Lehrer ist speziell der Blick auf das Nettogehalt eine Freude – denn sie müssen keine Sozialabgaben leisten und kommen so gut und gerne auf 500 Euro mehr im Monat als Angestellte.

Werbung und Kreativität – Medien

Als Texter oder Redakteur hängt das zu erwartende Gehalt stark vom Themengebiet ab. Als technische(r) Redakteur, etwa im Bereich Maschinenbau oder Luftfahrt, ist ein monatliches Gehalt von über 5.000 Euro leicht zu erzielen. Texter ohne Führungsaufgaben landen laut „Gehalt.de“ derweil bei etwas über 3.000 Euro im Monat, ein einfacher Redakteur kommt demnach im Mittel auf 3.350 Euro.

PR-Berater haben im Schnitt 3.760 Euro im Monat auf dem Gehaltszetteln stehen. Im Bereich Marketing hängt das Einstiegsgehalt laut „Absolventa.de“ stark von der Art des BWL-Abschlusses ab. Als Bachelor startet man ins Online-Marketing demnach mit 36.000 Euro Jahresgehalt, mit Masterabschluss sind es 41.000 Euro. Am meisten Geld gibt es hier als Brand Manager – 43.000 Euro (Bachelor) bzw. 47.000 Euro (Master). Gigantisch kann hier der Unterschied zwischen Männern und Frauen sein. Ein ausführlicher Gehaltsreport von Stepstone zeigt, dass männliche PR/Marketing-Angestellte auf bis zu 67.000 Euro kommen können, bei Frauen sind es lediglich rund 54.000 Euro. Im Vertrieb kann das Ungleichgewicht sogar über 16.000 Euro jährlich ausmachen.

Ein großer Vorteil für alle Schaffenden in diesem Berufsfeld: Mehr als in jeder anderen Branche ist sie in Zeiten der Corona-Pandemie dank der Homeoffice-Möglichkeiten fast ohne Einschränkungen durchführbar.

Kaufen und Verkaufen – Handelswesen

Die einen handeln mit Lebensmitteln, die anderen mit Aktien. Wer als Filialleiter bei einer Supermarktkette tätig ist, kommt im Monat laut „Glassdoor.de“ auf 57.850 Euro Gehalt im Jahr, Verkaufsleiter gar auf 80.400 Euro. Kununu listete hingegen unlängst eine „Verkaufskraft im Einzelhandel“ mit durchschnittlich lediglich 24.000 Euro pro Jahr auf, das sind gerade mal 2.000 Euro im Monat.

Wer sein Geld hingegen mit Geld verdient, gehört in Deutschland zu den Topverdienern. Erneut der Gehaltsreport von Stepstone zeigt, dass das Bankenwesen mit einem Durchschnittsgehalt von 69.700 Euro auf Platz eins aller Branchen thront, dicht gefolgt von der Pharmaindustrie (69.500 Euro) und dem Fahrzeugbau (68.800 Euro). Auch beim Bereich Banking, Finanzwesen und Versicherungen fällt auf, wie stark sich das durchschnittliche Gehalt bei Frauen und Männern unterscheidet. 57.300 Euro Jahresgehalt bei weiblichen Angestellten stehen 73.800 Euro Jahresgehalt bei männlichen Angestellten gegenüber.

Leben retten und Würde schenken – Gesundheitsbranche

Jobs im Gesundheitswesen schwanken sowohl im Ansehen als auch in der Vergütung massiv. Als „Halbgötter in Weiß“ können Ärztinnen und Ärzte laut Stepstone mit Abstand die höchsten Durchschnittsgehälter erwarten – 92.316 Euro werden hier aufgelistet.

Als Pflegekraft, etwa in einem Altenheim, kann man von solchen Verdiensten bekanntlich nur träumen. Als monatliches Gehalt führt „Pfegestudium.de“ gerade einmal 1.700 bis 2.600 Euro für Pflegehelfer auf, bei Pflegekräften mit Berufserfahrung sind es 2.150 bis 3.100 Euro. Erst mit abgeschlossenem Bachelor- (2.600 bis 4.900 Euro) oder Masterstudium (3.500 bis 5.900 Euro) sind hier höhere Gehälter zu erwarten.

Von A nach B – Personen- und Gütertransport

Ob man fliegt oder fährt, macht einen riesigen Unterschied beim Gehalt. „Gehalt.de“ und „Gehaltsvergleich.com“ nach kann ein Flugkapitän mit einem Einstiegsgehalt von 4.000 bis 5.000 Euro pro Monat rechnen, das sich auf über 10.000 Euro im Laufe der Karriere steigern kann. Busfahrer haben dagegen haben ein Gehalt von 1.900 bis 2.500 zu erwarten, U-Bahn-Fahrer liegen bei 2.000 bis 2.740 Euro. Erwartungsgemäß stark kann der Verdienst von Taxi-Fahrer schwanken – 1.740 bis 3.450 Euro im Monat sind hier angegeben.

Wer nicht Personen, sondern Güter per Lastkraftwagen transportiert, kann je nach Bundesland laut Gehaltsindex zwischen rund 26.800 Euro und 36.700 Euro Jahresgehalt vorweisen.

(stk/spot)

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