Sprachforscher: Sprechen Hannoveraner reines Hochdeutsch?

dpadpa | 09.01.2022, 17:25 Uhr
François Conrad, Sprachwissenschaftler und Leiter vom Forschungsprojekt «Die Stadtsprache Hannovers» der Leibniz Universität Hannover.
François Conrad, Sprachwissenschaftler und Leiter vom Forschungsprojekt «Die Stadtsprache Hannovers» der Leibniz Universität Hannover.

Moritz Frankenberg/dpa

Wo wird das beste Hochdeutsch gesprochen? Tatsächlich in Hannover? Ein junges Forscherteam will die Frage klären.

Reines Hochdeutsch wird selbst in Hannover entgegen landläufiger Vermutung nicht gesprochen. Das haben die vorläufigen Ergebnisse eines Forscherteams der Leibniz Universität ergeben.

In der Studie „Die Stadtsprache Hannovers“ geht es um Sprachexperimente mit insgesamt 108 teilnehmenden Hannoveranern und Hannoveranerinnen. Die Auswertung der Daten soll zeigen, ob der weit verbreitete Mythos stimmt, wonach in Hannover bundesweit das beste und reinste Hochdeutsch gesprochen wird.

So ein Käse: „Keese“ statt „Käse“

„Es gibt auf der Welt kaum Menschen, die tatsächlich reines Hochdeutsch sprechen. Jeder ist irgendwie geprägt von seiner Region, seiner Stadt, manchmal seinem Dorf“, sagte der Leiter des Forschungsprojekts, François Conrad.

Die bisherigen Auswertungen zeigten, dass auch in der Sprache der Hannoveraner Abweichungen vom Hochdeutschen vorlägen. Viele sprächen beispielsweise das Wort „Käse“ wie „Keese“ aus, sagt Hana Ikenaga, Doktorandin am Deutschen Seminar und Teil des Forschungsteams. Die „Werbung“ werde bei vielen zur „Werbunk“, ohne dass sie sich dieser Abweichung vom Hochdeutschen bewusst seien.

Wo wird das beste Hochdeutsch gesprochen?

In einer bundesweiten Forsa-Umfrage, die das Forschungsteam 2020 in Auftrag gegeben hatte, beantworteten mehr als 2000 Menschen die Frage, in welcher Stadt oder Region ihrer Ansicht nach das beste Hochdeutsch gesprochen werde. 24 Prozent der Befragten nannten den Raum oder die Stadt Hannover an erster Stelle. Dahinter folgten Niedersachsen (14 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (6 Prozent). Warum nun ausgerechnet Hannover? „Wir gehen davon aus, dass in Braunschweig und Göttingen ein sehr sehr ähnliches Hochdeutsch gesprochen wird“, sagte Conrad. Vermutlich sei es Zufall, dass Hochdeutsch vor allem mit Hannover verbunden werde. Hannover sei Residenzstadt gewesen – und die größte Stadt Niedersachsens.

Die Sprachexperimente dauern noch bis zum Frühjahr an. Das Forschungsteam rechnet im Laufe des Jahres mit Ergebnissen.