25.08.2020 20:30 Uhr

Strenge Corona-Auflagen: Wie ist es um die Zukunft des Kinos bestellt?

Hat das Kino in Zeiten von Corona überhaupt noch eine Chance? Im Interview gibt der Hauptverband Deutscher Filmtheater e.V. Auskunft.

Dean Drobot/Shutterstock.com

Die Kinobranche kämpft. Fast ein halbes Jahr ist es nun her, dass „James Bond: Keine Zeit zu sterben“ den Auftakt machte und als erster Blockbuster wegen der Corona-Pandemie verschoben wurde. Zunächst zaghaft folgten andere Filme, ehe Kinos gar ihre Pforten schließen mussten und die Branche gänzlich brach lag. Einer dieser Filme war Disneys „Mulan“, der nur wenige Tage vor dem geplanten Kinostart am 26. März verlegt wurde – und nach mehreren gescheiterten Nachholterminen schließlich ab September exklusiv über den hauseigenen Streamingservice Disney+ zu sehen sein wird.

Kinos dürfen inzwischen zwar unter strengen Auflagen wieder öffnen, rentabel scheint dies aufgrund der vorgegebenen Sicherheitsabstände aber nicht. Leidenschaftlichen Cineasten stellt sich angesichts dieser Entwicklungen immer vehementer die Frage, ob das Kino in dieser Form überhaupt noch eine Zukunft haben kann. Die Nachrichtenagentur spot on news hat beim Hauptverband Deutscher Filmtheater e.V. (HDF) diesbezüglich nachgefragt. Die Vorstandsvorsitzende Christine Berg beruhigt besorgte Filmfans, plädiert für eine Verringerung des vorgeschriebenen Mindestabstands und hofft auf anstehende Zugpferde wie „Tenet“.

Zuletzt hat Disney mit der Entscheidung für Aufsehen gesorgt, „Mulan“ nicht ins Kino zu bringen. Wie gefährdet ist die Zukunft des Kinos, sollten noch mehr Filmstudios diesem Beispiel folgen?

Christine Berg: Wir gehen nicht davon aus, dass weitere Studios flächendeckend dieser Praxis folgen und auch Disney hat sich dahingehend geäußert, dass dies ein einmaliger Fall ist. Kino ist der Ort, der einen großen und teuren Film erst so veredelt, dass er auch in der nachfolgenden Auswertungskaskade erfolgreich ist. Dies ist nach wie vor Konsens in der Branche.

Sind derartige Blockbuster nicht entscheidend für die Kinobetreiber?

Berg: Sie sind für die gesamte Branche wichtig, da sie einer der Motoren sind. Aber sie allein machen nicht die Kinolandschaft aus, gerade bei uns schätzt der Kinobesucher die angebotene Vielfalt. Und da zeigt Kino immer wieder, dass es Kultur für alle ist.

Nun macht auch die Meldung die Runde, dass Netflix gezielt Kinofilme akquirieren will. Wie stehen Sie zu diesen Überlegungen?

Berg: Es freut uns, dass die Marke Kino weiterhin so stark ist, dass alle sich drum reißen. Aber allen ist klar, dass ohne ein Auswertungsfenster – welches übrigens jede Art von Auswertung hat, auch die Streamingdienste – eine Veredelung des Films nicht möglich ist. Es käme zu einer Verwässerung, die der gesamten Branche schaden würde.

Galerie

Sehen Sie diesbezüglich auch die Politik in der Pflicht?

Berg: Die Branche muss hier miteinander in den Dialog gehen und Vereinbarungen treffen. Zurzeit scheint es hier keine Regeln zu geben. Die Politik ist dabei ein wichtiger Partner für uns, da das Filmförderungsgesetz für geförderte deutsche Filme bereits eine Sperre vorsieht, allerdings nicht für die internationalen Filme. Da sollte die Politik – wie in Frankreich – Mechanismen erarbeiten, die uns die Chance gibt zu verhandeln.

In den einzelnen Bundesländern herrschen zuweilen unterschiedliche Sicherheits- und Hygiene-Vorschriften. Könnte eine einheitlichere Marschroute den Kinos zuträglich sein?

Berg: Ja, natürlich würde uns eine einheitliche Regelung sehr helfen. Wir plädieren für die Verringerung des Mindestabstands auf einen Meter. Die von uns in Auftrag gegebene Studie des HRI hat gezeigt, wie sicher Kino auch in den jetzigen Zeiten ist. Eine größere Auslastungsmöglichkeit würde den Start weiterer wichtiger Filme sicherlich beschleunigen.

Können Sie Auskunft darüber geben, wie die derzeitige Auslastung der Kinos in Deutschland ist?

Berg: Wir haben im Vergleich zum Vorjahr immer noch einen Umsatzverlust von 80 Prozent. Jetzt kommen neue Filme wie „Tenet“ ins Kino und auch mit vielen Ideen – mehrere Säle für einen Film – werden wir immer wieder bei 20 Prozent Auslastung gestoppt. Daher ist es elementar, dass diese vergrößert wird.

(stk/spot)

Das könnte Euch auch interessieren