26.09.2020 22:38 Uhr

„Stullendealer“: Wie man sich über die saudämliche Anglisierung lustig macht

Backshop, Barbershop, Stores und Retails: Deutschlands Straßen sind mit englischen Begriffen an Geschäften gespickt. Ein Berliner Laden zeigt mit seinem Namen, wie stulle (doof) man das finden kann.

Foto: Gregor Tholl/dpa-Zentralbild/dpa

Hauptsache englisch – ist diese grauenhafte Managerdeutsch-Marotte überhaupt noch cool? Bäckereien heißen „Backshop“, Friseursalons „Barbershop“, Berghotels plötzlich „Mountain Hideaway“, Schuhgeschäfte „Shoe City“, Kioske „24hours-Store“ oder Bahnhofstoiletten nennen sich „rail&fresh“. Die zum Teil peinliche Anglisierung schreitet fort – auch mit Daily Markets und Retails.

Bizarre Auswüchse bei Friseur-Salons

Früher waren grad bei Friseuren noch eher deutsche Wortspiele angesagt – zum Beispiel „Haarmonie“, „Sahaara“, „Vier Haareszeiten“ oder in Berlin auch „Haarspree“. Schließlich wurde es aber auch da englischer, etwa mit „Hairberge“ oder „Haardcore“.

Doch es kommt noch saudämlicher! Kostproben aus der „Wortspielhölle“ (Zitat „Spiegel“) gefällig, wo einem die Haare zu Berge stehen? Bitteschön: „Vorhair Nachhair“, „Kammbäck“, „Hairtie“ und „Haarley“. Oder „Chaarisma“, „Barberossa“, „Elementhaar“, „Haar zwei O“, „Haar-a-kiri“ und „Well-Kamm“ sowie „Haircules“, „Millionhair“, „RundHairRum“, „Schau Hair“ und „Wundhairschön“…

Burgersprache

Als ein Pommes- und Burger-Lokal in Berlin vor zehn Jahren noch „Frittiersalon“ hieß, hatten sogenannte Expats (Englisch sprechende Einwanderer aus Ländern wie den USA, Kanada, Neuseeland, Australien) noch nicht das Regiment in den Szenevierteln übernommen. Die Anspielung auf den Frisiersalon war vor allem für deutsche Muttersprachler amüsant. Heute heißt eine hippe Pizzeria mit englischsprachiger Bedienung in Berlin-Friedrichshain lieber „Salami Social Club“. Berlin kann aber auch aufwarten mit Läden wie „Burgeramt“ oder „Burgermeister“.

Die Stulle kommt zu neuen Ehren

Doch Witzigkeit bei Geschäftsnamen gibt es nach wie vor. Ironische Kombinationen aus Deutsch und Englisch scheinen als kleine Rebellion im Trend zu liegen. So trägt ein Laden mit Schnittchen und Mittagstischangebot in der Nähe des Kaufhaus des Westens in Berlin-Schöneberg den Namen „Stullendealer“ – eine Wortneuschöpfung aus dem besonders berlinerischen Wort für belegtes Brot und dem sonst nur für Drogenverkäufer üblichen Händlerbegriff. Darauf muss man erstmal kommen!

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