Donnerstag, 13. Juni 2019 22:05 Uhr

„Tagesschau“-Legende Wilhelm Wieben (†): So war das mit dem Outing damals

Wilhelm Wieben mit seiner Ex-Kollegin Dagmar Berghoff 2018. Foto: Becher/WENN.com

Der verstorbene Tagesschau-Sprecher Wilhelm Wieben war und ist beileibe nicht der einzige schwule Nachrichtensprecher im deutschen Fernsehen. Sein Outing erfolgte allerdings ziemlich unfreiwillig.

Wilhelm Wieben mit seiner Ex-Kollegin Dagmar Berghoff 2018. Foto: Becher/WENN.com

Von 1973 bis 1998 hatte Wieben Deutschlands bekannteste Nachrichtensendung als Sprecher vor der Kamera präsentiert. Zuvor war der letzte große Gentleman alter Schule im deutschen Fernsehen an der Max-Reinhardt-Schule in Berlin ausgebildete Schauspieler am Theater aufgetreten und als Hörfunk-Sprecher sowie Ansager im Fernsehen im Einsatz. Der „Tagesschau“-Redaktion gehörte er schon einige Jahre als Off-Sprecher an, bevor er zu einem ihrer prominentesten Gesichter wurde. Seine Stimme war schließlich unverkennbar.

Von Inge Meysel geoutet

Für Schlagzeilen um ihn sorgte die Schauspielerin Inge Meysel (1910-2004), als sie 1995 in einem „Stern“-Interview öffentlich Wiebens Homosexualität ansprach: „Eigentlich habe ich nur schwule Freunde. Ich verreise zum Beispiel gerne mit Wilhelm Wieben“, sagte Meysel.

Die Reaktionen danach seien einhellig positiv gewesen, erzählte Wieben später und erklärte: „Inzwischen habe ich eigentlich kein Verständnis dafür, wenn jemand aus seiner Homosexualität ein Geheimnis macht.“

Sein ehemaliger „Tagessschau“-Kollege Jo Brauner (81) bezeichnete Wieben nach dem Bekanntwerden der Nachricht seines Todes als „distanziert-herzlich“. „Er war distanziert in jeder Beziehung“, sagte Brauner der Deutschen Presse-Agentur. Das sei für seinen Beruf auch von Vorteil gewesen. „Ich mochte seine Korrektheit.“ Außerdem sei Wieben hoch kultiviert gewesen. „Wir haben uns oft auf Theaterpremieren getroffen.“

Bei gemeinsamen Treffen mit den anderen „Tagesschau“-Sprechern habe Wieben aber auch lustig sein können.

Tagesschau-Legende Wilhelm Wieben (†): So war das mit dem Outing damals

Wilhelm Wieben 2018. Foto: Becher/WENN.com

Der gebürtige Dithmarscher, der später in Hamburg lebte, war auch Autor und Herausgeber verschiedener Bücher auf Plattdeutsch, er gab Lesungen und nahm Hörbücher auf. Nach seiner letzten „Tagesschau“ blieb Wieben konsequent: „Es war für mich eine wunderschöne Berufszeit. Aber wenn es vorbei ist, ist es vorbei“, sagte er einmal.

„Er ist vor uns gegangen“

Da hatten ihn Musiker wie Falco („Jeanny“), Udo Lindenberg („Mein Ding“) und die Band Fettes Brot („Können diese Augen lügen“) bereits in Songs verewigt. Lindenberg selbst erklärte zum Tod Wiebens: „Wilhelm Wieben ist nicht von uns gegangen, er ist nur vor uns gegangen. Mein lieber Freund und geheimster Geheimrat. RIP – dein Udo.“ (dpa/KT)

 

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