23.10.2020 11:30 Uhr

„Tatort: Krank“: So wird der neue Wien-Krimi

Im "Tatort: Krank" geraten Eisner und Fellner in einen Krieg zwischen Schulmedizin und alternativen Heilmethoden. Lohnt sich das Einschalten beim neuen Krimi aus Wien?

ARD Degeto/ORF/Lotus Film/Anjeza Cikopano

Der „Tatort: Krank“ (25.10., 20:15 Uhr, das Erste) führt wieder einmal in die österreichische Hauptstadt Wien. Diesmal geraten die Kommissare Moritz Eisner (Harald Krassnitzer, 60) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser, 61) in einen erbitterten Kampf, den sich Vertreter von Schuldmedizin und alternativen Heilmethoden liefern. Freunde des Austrokrimis dürfen sich auf Witz, Spannung und einen nervenaufreibenden Showdown freuen.

Darum geht’s im „Tatort“

Ein kleines Mädchen wird mit alternativen Heilungsmethoden behandelt und stirbt. Der Vater des Mädchens, Peter Simon (Christian Schiesser, 47), ist ein bekannter Vertreter der Alternativmedizin und Gründer von der Klinik „Medicina Lenia“. Der Fall wird daraufhin hitzig in der Öffentlichkeit diskutiert. Hätte das Mädchen mit einer anderen Behandlung gerettet werden können? Hat Simon sich schuldig gemacht? In einem Gerichtsverfahren wird er freigesprochen, unmittelbar danach allerdings ermordet.

Die beiden Kommissare Bibi Fellner und Moritz Eisner werden zum Tatort gerufen. Bei den Ermittlungen stößt das Wiener Duo auf Heilpropheten, radikale Familienmitglieder und skrupellose Machenschaften. Sie geraten in einen Glaubenskrieg zwischen Vertretern der Allgemeinmedizin und alternativen Heilpraktiken, die mit aller Härte vorgehen und moralische Grenzen überschreiten.

Lohnt sich das Einschalten?

Auf jeden Fall! Selten legt ein „Tatort“ einen derart fulminanten Start hin. Der Einstieg ist unkonventionell, rasant und sorgt in den ersten Minuten bereits für Schweißperlen auf der Stirn. Die dadurch erzeugte Spannung hält bis zum Ende an, was unter anderem der flotten Erzählweise zu verdanken ist. Im Mittelpunkt des Krimis steht ein gesellschaftsrelevantes Thema, welches gerade in Corona-Zeiten nicht aktueller sein könnte: die Gesundheit.

Drehbuchautor und Regisseur Rupert Henning (52) versteht es, das Duell zwischen Schul- und Alternativmedizin grandios aufzuarbeiten. Es wird hinter die Kulissen der Gesundheitsbranche geblickt, wo Unternehmen um Umsätze und Marktanteile kämpfen. Dabei wird die Moral mehr als einmal über Bord geworfen. Daneben steht die Frage im Raum, ob es mehr gesetzliche Vorgaben für Eltern bei der Wahl der medizinischen Behandlungsform für ihre Kinder geben sollte. Die gut ausgewählte exemplarische Geschichte wird durch tolle Dialoge und wunderbare Schauspieler realitätsnah zum Leben erweckt.

Die gewohnt humorvollen Kommentare von Eisner und Fellner lockern das ernste Thema auf. Fans des Austrokrimis dürfen sich auf jede Menge Sticheleien und trockenen Humor freuen, den sich Eisner selbst in gefährlichen Situationen nicht verkneifen kann. Alles in allem ist der „Tatort: Krank“ ein gelungener Sonntagskrimi, der definitiv auch zum Nachdenken anregt.

(amw/spot)