Samstag, 1. August 2009 14:39 Uhr

Terry Gilliam: „Hollywood ist ein Dorf, das diktiert, was die Welt sehen soll“

Regisseur Terry Gilliam („Das Leben des Brian“, „12 Monkeys“, „Fear and Loathing in Las Vegas“) spricht über seine merkwürdige Beziehung zu Hollywood und die Arbeit mit Heath Ledger. Der Schauspieler war während der Arbeit an Gilliams Film „The Imaginarium of Dr. Parnassus“, der im Dezember in die deutschen Kinos kommt, überraschend gestorben.

Terry Gilliam startete seine Karriere als Cartoonist, lernte Anfang der 60er Jahre John Cleese kennen und wurde so Mitglied der berühmten Kult-Komiker-Truppe „Monty Python“. Hollywood wusste laut Gilliam nie so richtig was es mit ihm anfangen sollte.

 

Gilliam glaubt bis heute nicht, dass Hollywood-Produzenten Filme mögen und hat daher auch ein gespaltenes Verhältnis zu ihnen. „Da ist mehr Hass als Liebe im Spiel. Und Bedürftigkeit. Mein Verhältnis zu Hollywood besteht aus Hass und Bedürftigkeit. Ich brauche ihr Geld. Ich brauche Dinge, die sie mir geben können, aber ich mag das System nicht. Es ist zu reich und zu bürokratisch. Dort sind zu viele Leute, die zu viel Geld verdienen und keine interessanten Entscheidungen treffen. Eigentlich mögen sie keine  Filme. Sie mögen ihre Jobs und den Glamour ….Und noch etwas mag ich an Hollywood nicht: Es ist ein kleines Dorf, das dem Rest der Welt diktiert, was es im Kino zu sehen bekommt. Und das ist eine sehr  engstirnige Sicht der Welt. Sie machen nicht unbedingt schlechte  Filme, aber die Bandbreite der Dinge, um die es in diesen Filmen geht, ist sehr schmal. Und der Erfolg dieser Filme mindert die Erwartungen der Zuschauer. Wenn man andauernd mit Babynahrung  gefüttert wird, mag man das irgendwann.“

2007 begannen die Dreharbeiten für Gilliams neuesten Film „The Imaginarium of Dr. Parnassus“ mit Heath Ledger und Christopher Plummer in den Hauptrollen und Tom Waits (als der Teufel). In den Kinos sollte der Film Anfang 2009 zu sehen sein, doch durch Heath Ledgers überraschenden Tod im Januar 2008 musste die Produktion unterbrochen werden. Dann wurden die Dreharbeiten fortgesetzt, wobei Heath Ledgers Rolle in den Szenen, die in fantastischen Parallelwelten spielen, nun von Johnny Depp, Colin Farrell und Jude Law übernommen wurden. Gilliam erinnert sich an den Moment, als er vom Tod Heath Ledgers erfuhr und hält alle Spekulationen um die Ursache für völligen Unsinn:

„Nichts von dem, was geschrieben wurde, ist wahr. Sie haben ihn zum neuen James Dean stilisiert, haben aus ihm einen Drogensüchtigen und ein Opfer seiner Rolle als Joker gemacht. Das sind alles Lügengeschichten. Heath war einer der bodenständigsten Menschen, die ich je kennengelernt habe. Er hatte keine Neurosen, er war einfach außergewöhnlich – physisch stark und geistig brillant.“

Das komplette Interview ist am Sonntag, 2. August, um 19.45 Uhr in der Sendung „Sky Lounge“ auf Sky Cinema zu sehen.

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