„The Place Beyond The Pines“: Ryan Gosling als Witzfigur vom Rummel

12.06.2013 12:35 Uhr

Am Donnerstag startet „The Place Beyond The Pines“ in den deutschen Kinos.

Mit „Handsome Luke“ wird Schnuckelchen Ryan Gosling als Jahrmarktsensation angekündigt, drei Motorradfahrer in einer Eisenkäfigkugel geben Gas und fahren Runde um Runde…

Bei den anschließenden Autogrammwünschen von ein paar Kindern krakelt er dann tatsächlich auch „Handsome Luke“, viel mehr schreibt dieser Mann nicht in seinem Leben.

Man könnte meinen, eine Witzfigur steht da herum, übersät mit einem Sammelsurium an dämlichen Tattoos, z.B. eine Handgranate auf dem Bizeps, eine Pluderhose mit Totenköpfen, zerschlissene T-Shirts, deren Aufdrucke zu lesen einem erspart bleiben, weil die durchweg auf links getragen werden, die Haare extrem schlecht blondiert – einfach alles wirkt billig.

Und doch – es ist ja immerhin Ryan Gosling, der diesen Mann spielt – durchtrainiert, mit einer echten Motorradobsession. Es gibt Widerhaken, die nicht in das Klischee Blödi vom Rummel passen. Jede Woche eine andere Stadt, der Amüsierbetrieb zieht weiter nach jährlichem Plan, Luke wird wie ein Seemann in jedem Städtchen seinen Aufriss machen, an Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht.

Romina ist so eine Eroberung am Rande, Eva Mendes (Goslings Freundin im wahren Leben) spielt diese mit dem Pathos einer griechischen Tragödie, so schöne Stirnfalten, um das Ausweglose in ihrem Leben und keinen Text dazu zu haben, das ist grandios.

Die Frage, ob das Liebe ist zwischen den beiden, stellt sich gar nicht.

Der Film nimmt Fahrt auf, ein Jahr später ist Luke wieder in der Stadt, er erfährt, dass Romina einen Jungen geboren hat, seinen Jungen. Romina hat einen Vater für den Kleinen, Kofi (Mahershala Ali) ist die Joseph-Figur, nur cooler.

Handsome Luke beschließt also sein Leben zu ändern, streicht das Handsome aus seinem Namen, wird wieder zu Luke Glanton, wird sesshaft und versucht zum Unterhalt der Familie beizutragen: nur mit was? Er kann Motorrad fahren und landet in einer Werkstatt mit Mindestlohn und einem Besitzer mit Kleinkrimellenenergie (exzellent: Ben Mendelsohn!): hier und da eine Bank ausnehmen und schnell weg. Darauf lässt Luke sich ein, ein Überfall geht schief, der Polizist Avery Cross (Bradley Cooper) stellt und erschießt ihn.

„The place beyond the pines“ schlägt ein neues Kapitel auf, wie in einem Reigen werden insgesamt gleich drei Geschichten erzählt. Die Schwierigkeiten des Polizisten Cross sind anderer Natur, er hat Luke erschossen, wird als Held von allen gefeiert, der Titel „Hero“ verfolgt ihn geradezu, und korrupte Kollegen zwingen ihn zum Handeln, allen voran der wunderbare Ray Liotta als Deluca – eine Fingerübung für ihn, das Böse im Menschen durchschimmern zu lassen. Der Polizist macht Karriere, wechselt erfolgreich in die Politik, der Mensch aber scheitert. Die Ehe mit Jennifer (Rose Byrne) zerbricht, als Vater kümmert er sich überhaupt nicht, er schiebt die Arbeit vor.

Hier zeigt der Film eine der stärksten Motive: beide Männer haben Söhne im selben Alter, diese Parallele zieht sich omnipräsent durch den Film bis sich die Teenager Jason (Dane DeHaan) und Bill (Emory Cohen) selbst über den Weg laufen und das dritte Kapitel beginnt. Wieder geht es um verkorkste Leben (hier wohl eher verkokst, haha), wieder geht es um Schuld, um Selbstfindung und Schmerz.

„The Place Beyond The Pines“ ist ein „Coming of Age“- Film der ganz besonderen Art: jede Figur hat ihren Durchbruch in einen anderen Lebensabschnitt und sicher ist nun mal: das letzte Abenteuer heißt Stille und Tod. (KW)

Fotos: Studiocanal