Timur Ülker: Seine Tochter kam fast blind auf die Welt

Timur Ülker: Seine Tochter kam fast blind auf die Welt
Timur Ülker: Seine Tochter kam fast blind auf die Welt

© IMAGO / eventfoto54

03.05.2021 13:15 Uhr

Es sind sehr persönliche Einblicke, die GZSZ-Star Timur Ülker in seinem Buch "Schattenboxen – warum Aufgeben keine Option ist" (echtEMF) gewährt. Darin verarbeitet er unter anderem einen schweren Schicksalsschlag.

Seine Tochter Ileya kommt fast blind zur Welt. Die behandelnden Ärzte machen nahezu keine Hoffnung auf Genesung. Ein großer Schock für die frisch gebackenen Eltern. Doch für Timur Ülker und Freundin Caro ist klar: Wir geben nicht auf!

Nächtelang recherchiert Timur im Netz, liest Dissertationen über Augenkrankheiten und nimmt schließlich Kontakt zu einem der renommiertesten Augenärzte Deutschlands auf. Es folgt eine Untersuchung an der Berliner Charité sowie ein Jahr später eine OP, bei der Ileya eine Spenderhornhaut transplantiert wird. Heute ist sie gesund – und das Familienglück zu viert perfekt.

Timur Ülker: Seine Tochter kam fast blind auf die Welt

© Chryssanthi Kavazi

Dieses Lebensmotto zu kämpfen und sich durchzuboxen – aller Widrigkeiten zum Trotz – spiegelt auch der Titel des Buchs wider. In enger Zusammenarbeit mit der Autorin Saskia Hirschberg ist „Schattenboxen“ entstanden, mehrere hundert Telefonstunden, viele vertrauliche Gespräche und unzählige Schreibstunden sind in dieses Herzensprojekt geflossen.

Im Interview sprach Timur Ülker über sein erstes Buch.

Wieso trägt dein Buch den Titel „Schattenboxen“?
„Zu meinen Zeiten als Boxer fing jedes Training mit dem Schattenboxen an. Also nur mit mir und meinen Gedanken. Wir alle haben Gegner, die das Leben uns zuteilt. Nicht immer können wir uns unsere Gegner auswählen, wie wir mit ihnen umgehen hängt jedoch von uns selbst ab. Diesen Gedanken fand ich so stark, dass der Titel letztendlich „Schattenboxen“ wurde.“

Du erzählst in deinem Buch, welch schweren Start deine Tochter Ileya ins Leben hatte: Sie kam fast blind zur Welt. Wie habt ihr, du und deine Freundin Caro, diese schwere Diagnose verarbeitet? Wie geht es deiner Tochter heute?
„Als die Ärzte zu uns sagten “Ihre Tochter wird niemals sehen können”, war das das schlimmste Gefühl, das ich jemals erlebt habe. Heute läuft unsere Tochter ganz normal durch das Haus und kann genau das, was viele Ärzte dementierten – nämlich sehen. Rückblickend bin ich so dankbar, dass Caro und ich niemals aufgehört und aufgegeben haben, für sie zu kämpfen.“

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Du hast schon in jungen Jahren mit dem Boxen angefangen: Was bedeutet Boxen für dich und was hast du durchs Boxen gelernt?

„Beim Boxen lernte ich so viel über das Leben und über mich selbst wie niemals zuvor. Im Ring war ich alleine. Es gab nur noch meinen Mut und meine Willensstärke. Viel wichtiger als der Sieg jedoch, war der Umgang mit einer Niederlage. Immer wenn ich beim Training eins auf die Nase bekam, trainierte ich noch härter. Diese Eigenschaft eignete ich mir mit der Zeit an und machte sie mir in verschiedenen Lebenssituationen zunutze.“

Du musstest dich schon früh „durchboxen“, v.a. gegen die Erwartungshaltung anderer, Vorurteile aber auch Selbstzweifel: Wie hat dich das geprägt?
„Meine Mutter war mir immer das Vorbild für Kampfgeist, von ihr und meiner Großmutter habe ich meine Willensstärke geerbt. Gleichzeitig stand Mama auch immer hinter mir und hat mir bei allem unter die Arme gegriffen – gerade in den ganz harten Zeiten, als ich arbeitslos war, wir kein Geld mehr hatten. Sie hat nie zugelassen, dass ich aufgebe – genauso wenig wie meine Freundin Caro. Wir haben uns immer gegenseitig motiviert. Das ist auch mein Credo: Einfach niemals aufgeben! Und: Dinge anpacken! Einfach mal machen!“

Im Buch erzählst du von deinem GZSZ-Casting: Wie war es für dich, das erste Mal am Set von GZSZ zu sein? Gibt es etwas, dass dir besonders von deinem Casting in Erinnerung geblieben ist?
„Zwei Dinge werde ich niemals vergessen: Zum einen, die Aufregung während des Castings. Obwohl ich bis auf die Knochen vorbereitet war und eine Woche vorher gefühlt nichts anderes gemacht habe, als immer und immer wieder die Szenen durchzugehen, zitterten mit die Knie so sehr, dass ich Schwierigkeiten hatte auf den Beinen zu bleiben.
Und zum anderen werde ich niemals den Moment vergessen, als ich meiner Mutter erzählte, dass ich die Rolle bekommen habe. Ihre Tränen und ihr Blick, als sie hörte, dass ihr Kind es endlich geschafft hat, sind für mich unvergesslich. Ich habe sogar noch ein Video davon.“

Timur Ülker: Seine Tochter kam fast blind auf die Welt

©TVNOW/Florian Reick

Was begeistert dich an der Schauspielerei?
„Beim Schauspiel bekomme ich die Möglichkeit, mich immer wieder aufs Neue zu erfinden und kennenzulernen. Ich entdecke immer wieder Seiten an mir, die mich überraschen. Es gibt fast nichts Schöneres, als Momente zum Leben zu erwecken.“

Was war deine schwierigste Szene als Nihat am Set?

„Puh, da gibt es so einige unangenehme Situationen. Nacktszenen, mit nur einer Socke über dem besten Stück geschnürt, ist definitiv weit vorne auf der Liste.“

In deinem Buch berichtest du auch von den Schattenseiten des Berühmtseins und wie schwer es sein kann, Familie und den öffentlichen Beruf des Schauspielers unter einen Hut zu bringen. Wie ist es heute für dich, in der Öffentlichkeit zu stehen?
„Grundsätzlich finde ich es immer toll, wenn Menschen auf mich zukommen und mich nach Fotos oder Autogrammen fragen. Klar gibt es Situationen, die manchmal ungünstig sind, wie zum Beispiel in einer Notaufnahme. Aber das ist meistens die Ausnahme. Ich glaube, ich habe bisher nur dreimal Nein zu einem Foto gesagt, was an der Situation lag.“

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Was hat sich für dich persönlich verändert, seit du Vater bist?
„Ich habe ein größeres Verantwortungsgefühl entwickelt und eine Form der Liebe entdeckt, die ich noch nie zuvor gespürt habe. Vater zu sein, ist das Schönste und manchmal eben auch das Anstrengendste auf der Welt. Ich glaube, noch anstrengender als Papa zu sein, ist es, eine Mama zu sein.“

Du scheinst bei dir angekommen und sowohl beruflich als auch familiär sehr glücklich. Was kommt als Nächstes für dich: Welche Ziele, Träume, Wünsche hast du?

„Ein Traum geht gerade in Erfüllung. Ich werde mit meinem GZSZ-Charakter eine Hauptrolle in einer speziell von UFA Serial Drama für mich entwickelten Serie spielen: „Nihat – Alles auf Anfang“. Diese Event-Serie ist ein GZSZ-Spin-Off. Nihat wird viele neue spannende und packende Abenteuer erleben. Die Serie wird im Herbst bei RTL und TVNOW laufen. Die Dreharbeiten beginnen am 3. Mai. Und ich möchte meiner Familie und mit gerne ein Haus mit Pool bauen.“

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© EchtEMF