28.12.2020 18:08 Uhr

Tom Schilling über seine Rolle im Aufreger-Epos „Werk ohne Autor“

imago images / Christian Schroedter

Schauspieler Tom Schilling spielt den Maler Kurt Benert in dem dreistündigen Film „Werk ohne Autor“ (2018), der am 28. Dezember seine abendliche TV-Premiere in der ARD hat.

Angelehnt an die Geschichte des deutschen „Jahrhundert-Malers Gerhard Richter“ („Bild“-Zeitung) zeigt der Film von Regisseur Henckel von Donnersmarck eine Reise durch drei Epochen deutscher Geschichte.

Tom Schilling über seine Rolle im Aufreger-Epos "Werk ohne Autor"

© ARD Degeto/Wiedemann & Berg/Nadja Klier

Gemischte Kritiken

Während die Presse den Film einerseits bejubelte, gab es eine andererseits eine gemischte Resonanz. So gebe es zwar „luxuriöse Kinomomente“, der Filme wolle viel, aber nur „manchmal klappt es“, resümierte Dietmar Dath in der „FAZ“. Damit stand er nicht allein.

Unter der Überschrift „Schwer genießbare Kunst-Schmonzette“ urteilt das „Monopol-Magazin“ zwei Jahre nach der Premiere: „Herausgekommen sind zähe Stunden voller Kunst-Klischees“ und: „Donnersmarck, der auch das Drehbuch schrieb, verdichtet die in ihren Grundzügen wahre Geschichte zur schwer genießbaren Schmonzette um einen Hochbegabten, den Fleiß und Leidensfähigkeit zum Erfolg führen.“

„Werk ohne Autor“: Oscar-Nominierung, aber nur 200.000 Zuschauer

„Der Funke sprang sofort über“

Tom Schilling (28) spielt Kurt Barnet. Im ARD-Pressematerial erzählt der vielbeschäftigte Schauspieler über seine Rolle in dem Film, Co-Star Paula Beer und den kontrollsüchtigen Regisseur  Florian Henckel von Donnersmarck. Hier ein Auszug.

Worum geht es also in „Werk ohne Autor“?

Um einen jungen Künstler, der im Nationalsozialismus aufwächst, durch die Kriegsjahre stark traumatisiert wird und danach in der DDR den Entschluss fasst, Künstler zu werden und dort studiert. Schnell stellt er fest, dass er mit dem künstlerischen Dogma des sozialistischen Realismus auf Dauer nicht glücklich wird. Deshalb fasst er den Entschluss, in die BRD zu fliehen und dort zu versuchen, seine Kunst zu entwickeln, sich selbst zu finden als Künstler.

Wie kamen Sie zu „Werk ohne Autor“?

Das Drehbuch hat mich sofort total überzeugt. Es ist wunderbar ausgeklügelt und extrem schlüssig. Die einzelnen Puzzleteile greifen perfekt ineinander und ergeben am Ende ein großes Bild, das mehr ist als nur die Summe seiner Einzelteile. Maßgeblich interessant für einen Schauspieler ist natürlich auch, wer Regie führt. Auf die Arbeit mit Florian von Henckel von Donnersmarck, ein absoluter Könner und Meister, habe ich mich sehr gefreut. Gleich beim Lesen dachte ich, dass es eine Rolle für mich ist. Es geht mir nicht oft so, dass ich sage: „Da bin ich der Richtige, das muss ich spielen.“ In diesem Fall sprang der Funke sofort über. Es gab aber auch eine persönliche Komponente, die wichtig
war: Ich wollte eigentlich nie Schauspieler werden, sondern hatte eigentlich davon geträumt, eines Tages einmal Maler zu werden. Insofern konnte ich mir jetzt einen lang gehegten Wunschtraum erfüllen.

Tom Schilling über seine Rolle im Aufreger-Epos "Werk ohne Autor"

V.l.n.r.:S. Koch, P. Beer, T.Schilling, F. Henckel von Donnersmarck.
© ARD Degeto, Wiedemann & Berg Film, Nadja Klier

Warum sind Sie dann zur Schauspielerei gewechselt?
Das lag nur daran, dass ich auf dieser Ebene viel schneller Zuspruch erfahren habe. Meine Kunstlehrerin in der Schule hatte bei mir ein überdurchschnittlich hohes zeichnerisches Talent festgestellt. Sie hat mich gefördert, ich besuchte Volkshochschulkurse. Gleichzeitig habe ich aber auch schon sehr früh angefangen, in Filmen mitzuspielen, zunächst eher noch widerwillig. Da kam dann aber eins zum anderen und
die Leute mochten sehr, was ich gemacht habe, während ich mit meiner Kunst nicht so viele Menschen erreicht habe.

Wie sah die Arbeit mit Paula Beer aus?

Wir hatten zuvor schon einmal an einem Film gearbeitet, bei dem wir allerdings keine gemeinsamen Szenen hatten. Insofern habe ich Paula beim Casting kennengelernt. Ich war beeindruckt, aber auch eingeschüchtert. Sie bringt eine Perfektion mit, die einen umhaut, sie strahlt eine wahnsinnige Selbstsicherheit aus, eine Klarheit und Gradlinigkeit. Da muss man erst einmal schlucken. Bis man dann anfängt,
mit ihr eine Szene zu spielen. Ich habe mit ihr schnell eine ganz große Vertrautheit verspürt, wie ich das bisher selten mit einer Schauspielerin hatte.

Tom Schilling über seine Rolle im Aufreger-Epos "Werk ohne Autor"

© ARD Degeto/Wiedemann & Berg/Nadja Klier

Wie war die Arbeit mit Florian Henckel von Donnersmarck?

Er ist ein absoluter Kontrollfreak. Und das sage ich mit dem größten Respekt und großer Bewunderung. Total. Er weiß
ganz genau, was er will. Das geht bis zum letzten kleinen Wort im Drehbuch. Bei jedem kleinen „noch“ oder „die“ oder „zu“. Es muss genau so gesprochen werden wie im Text. Immer hat er eine klare Wortmelodie, wie es klingen soll. Das betrifft nur mich als Schauspieler, aber im Prinzip
setzt sich das in alle Abteilungen fort. Das macht es nicht immer ganz einfach, aber man wird es dem Film ansehen. Und dieser Perfektionismus ist der Grund, warum seine Filme so besonders sind. Er selbst schenkt sich auch nichts.

Tom Schilling über seine Rolle im Aufreger-Epos "Werk ohne Autor"

© ARD Degeto/Wiedemann & Berg/Nadja Klier

Das ist „Kurt Barnert“

In Dresden wächst Kurt während des Nationalsozialismus auf. Eine seiner engsten Bezugspersonen ist seine exzentrische Tante Elisabeth, die ihn zu Ausstellungen mitnimmt und seine Begeisterung für die Kunst weckt. Seine Kindheit wird durch den Verlust seiner Tante geprägt, die ihm vor seinen Augen entrissen und in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert wird.

Was Kurt zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen kann: Elisabeth wird auf Befehl seines späteren Schwiegervaters, Carl Seeband, Opfer der nationalsozialistischen Zwangseuthanasie. Nach Ende des Kriegs findet Kurt eine Anstellung als Maler, sein herausragendes Talent als Künstler bleibt dabei nicht lange unentdeckt. Auf Empfehlung beginnt er ein Studium an der Dresdner Kunstakademie und trifft dort auf Professor van Verten – der ihn herausfordert und ihn anregt, seiner Kunst eine Sprache zu verleihen. Noch während des Studiums lernt Kurt seine große Liebe Ellie kennen. Die beiden heiraten gegen den Willen von Ellies strengem Vater und fliehen bald in die neue BRD, um ihr Glück zu finden. Doch
dem familiären Einfluss entkommen sie dadurch nicht: Carl Seeband lehnt seinen Schwiegersohn vehement ab, ist er in seinen Augen schwach und unintelligent. Er mischt sich in das Leben der beiden ein, ohne zurückzuschrecken und ohne zu ahnen, dass Kurt mit seiner Kunst sein dunkles Geheimnis aufzudecken vermag.