03.06.2020 09:36 Uhr

Toni Kroos: „Weiß nicht, ob ich einem Aktiven raten würde, sich zu outen“

imago images / Alterphotos

Der 30-Jährige Toni Kroos wurde 2014 Weltmeister, spielt bei Real Madrid, hat insgesamt viermal die Champions League gewonnen und ist nach Titeln der erfolgreichste deutsche Fußballer aller Zeiten. Jetzt ist er Coverstar der deutschen Ausgabe des Magazins GQ. Begleitet wird das interview von neuen tollen Fotos.

Im Interview spricht Toni Kroos darüber, was ihn am Fußball-Business am meisten stört, ob die Pandemie den Fußball nachhaltig beeinflusst, über sein Karriere-Ende und Outing in der Fußballbranche.

Toni Kroos: "Ich weiß nicht, ob ich einem Aktiven raten würde, sich zu outen"

© Anne Wilk/Broadview TV für GQ Germany

Die Pandemie dürfte den Fußball nachhaltig beeinflussen, glaubt Toni Kroos, dazu sagte er: “So schnell nicht, glaube ich, dafür sind die Einbußen einfach zu groß. Es werden nicht sofort wieder so große Summen ausgegeben werden. Da müssen viele Clubs ein bisschen genauer schauen, wo sie künftig bleiben. Was Ablösen und Gehälter betrifft, wird noch ein bisschen mehr gefeilscht werden und aufgepasst, was man ausgeben kann. Aber es wird wieder der Punkt kommen, an dem der Fußball auf dem Stand von vor der Krise ist. Das ist dem Wettbewerb heutzutage geschuldet, da ist so viel Erfolgsdruck dahinter, auch wegen der Medien. Wenn es die Möglichkeit gibt, wieder so viel Geld auszugeben wie vor der Pandemie, wird das auch passieren.”

Toni Kroos: "Ich weiß nicht, ob ich einem Aktiven raten würde, sich zu outen"

© Anne Wilk/Broadview TV für GQ Germany

Später keine Lust mehr auf’s Reisen

Über Pläne für die Zeit nach seiner Karriere sagte Kroos: “Ich kann mir einen Job im Fußball vorstellen, aber als Cheftrainer auf hohem Niveau eigentlich nicht. Denn dann komme ich wieder in das rein, was mich am aktuellen Fußball am meisten stört: dieses Reisen, wochenlang nicht zu Hause zu sein. Das will ich nicht. Aber ich könnte mir vorstellen, etwas im Nachwuchsbereich zu machen, meine Erfahrung weiterzugeben. Wichtig ist mir, dass ich mein Leben, meinen Alltag komplett selbst bestimmen kann. Als Aktiver wird dir so viel vorgegeben: dass ich im Hotel schlafen soll, wann ich zu essen und wann ich zu trainieren habe. Ich freue mich auf die Unabhängigkeit danach.”

Toni Kroos: "Ich weiß nicht, ob ich einem Aktiven raten würde, sich zu outen"

© Anne Wilk/Broadview TV für GQ Germany

Kroos empfiehlt kein Outing

Auch zum Thema Homosexualität im Fußball hat der zweifache Familienvater eine Meinung. Sein „gesunder Menschenverstand“ sage ihm, dass das im 21. Jahrhundert jeder frei ausleben sollte.

„Ich weiß aber nicht, ob ich jemandem raten würde, sich als Aktiver zu outen. Auf dem Platz wird ja manchmal mit gewissen Wörtern um sich geworfen, und bei den Emotionen der Fans im Stadion könnte ich nicht dafür garantieren, dass derjenige nicht doch abgewertet und beschimpft wird. Das sollte nicht der Fall sein, und der Profi, der sich outet, hätte auch bestimmt viel Unterstützung von allen Seiten, ob das aber in einem Stadion voller gegnerischer Fans auch der Fall ist, bezweifle ich. Ob das alles für einen Spieler, der sich outet, eher Vor- oder Nachteil ist, muss man persönlich entscheiden. Aber ein durchgehender Vorteil wäre es, glaube ich, auch heute noch nicht.”

Toni Kroos: "Ich weiß nicht, ob ich einem Aktiven raten würde, sich zu outen"

© Anne Wilk/Broadview TV für GQ Germany