Totes Baby in Regensburg: Mordprozess gegen Mutter

Das Justizgebäude in Regensburg. Eine 25 Jahre alte Frau muss sich dort wegen der Tötung ihrer neugeborenen Tochter verantworten.
Das Justizgebäude in Regensburg. Eine 25 Jahre alte Frau muss sich dort wegen der Tötung ihrer neugeborenen Tochter verantworten.

Armin Weigel/dpa

23.08.2021 05:22 Uhr

Schreckliche Tat an Weihnachten: Eine Frau bringt ein Kind zur Welt und legt es in einer Mülltonne ab. Knapp ein Dreivierteljahr später muss sich die 25-Jährige in Regensburg vor Gericht verantworten.

Für den gewaltsamen Tod ihrer neugeborenen Tochter muss sich eine 25 Jahre alte Frau vor dem Landgericht Regensburg einem Prozess stellen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Mord vor. Es sind fünf Verhandlungstage geplant, Auftakt ist am Montag.

Die Leiche war am ersten Weihnachtsfeiertag 2020 in einem Müllcontainer in Regensburg entdeckt worden. Eine Obduktion des Leichnams ergab, dass das Baby bei der Geburt lebensfähig war und nicht eines natürlichen Todes starb.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Frau das Mädchen auf einer Toilette zur Welt brachte und ihm wenig später die Luftzufuhr abschnitt. Anschließend soll sie das bewusstlose oder bereits tote Baby in eine Plastiktüte, dann diese samt Restmüll in einen Beutel gepackt und in eine Mülltonne gelegt haben.

Todesursache war den Angaben nach die fehlende Luftzufuhr oder Unterkühlung oder eine Kombination aus beidem. Die tatverdächtige Mutter, eine deutsche Staatsangehörige, befand sich zum Zeitpunkt des Leichenfundes in einer Regensburger Klinik, wo sie festgenommen wurde. Die Ermittler gingen beim Motiv davon aus, dass das Kind der weiteren Lebensplanung der Frau im Weg stand.

Erst vor knapp drei Wochen wurde in Schweinfurt eine 27-Jährige wegen Totschlags an ihrem Neugeborenen zu acht Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Sie hatte das Baby nicht versorgt und sterben lassen. Gegen das Urteil legte die Verteidigung Revision ein.

Gesicherte Zahlen zu Tötungsdelikten an Neugeborenen – sogenannte Neonatizide – in Deutschland gibt es nicht. Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) geht von mindestens 20 bis 35 Fällen pro Jahr aus – und von einer „nicht ganz geringen“ Dunkelziffer.

Das Familienministerium, Kirchen, Sozialdienste und Kommunen bieten Beratung für Schwangere in Notlagen an, auch über Angebote wie Babyklappen, Adoption oder anonyme Geburt.