Freitag, 30. März 2018 17:48 Uhr

TV-Kritik „Das Joshua-Profil“ von Sebastian Fitzek: Irrwitzig und unlogisch

Thriller sind ja wirklich kein einfaches TV-Genre. Der konventionelle Krimi funktioniert vergleichsweise gut beim Publikum, aber Nervenkitzel via Pantoffelkino ist oft schwer vermittelbar. RTL versucht sich jetzt mit dem Fitzek-Stoff „Das Joshua-Profil“. Ob das gut geht? Soviel vorweg: Nein, geht es nicht.

TV-Kritik "Das Joshua-Profil" von Sebastian Fitzek: Irrwitzig und unlogisch

Kim (Franziska Weisz, l.) und Max (Torben Liebrecht) finden ihre Pflegetochter Jola (Lina Hesker) leblos in der gemeinsamen Wohnung. Foto: MG RTL D / Boris Laewen

Menschen, deren Handeln im digitalen Zeitalter von skrupellosen Raubrittern mit schier unendlicher Macht bestimmt wird, bilden einen guten Thrillerstoff. Das hat auch Sebastian Fitzek erkannt. Mit seinem Roman „Das Joshua-Profil“ landete der 46-Jährige einen Publikumshit. RTL entging das nicht. Der Kölner Sender erwarb die Rechte daran und verfilmte den Stoff in gut 100 Minuten Länge.

Das Ergebnis muss sich heute um 20.15 Uhr gegen starke Konkurrenz wie den ZDF-Film „Matula – Der Schatten des Berges“ durchsetzen.

Mit der Umsetzung hapert’s

Ein wirtschaftlich starkes Unternehmen wie der private TV-Marktführer RTL und die Routiniers der Produktionsfirma Ufa Fiction müssten eigentlich Garanten für eine gelungene filmische Umsetzung eines erfolgreichen Buchstoffes sein. Doch mit der Umsetzung hapert es: Warum lässt sich der Vater einer Tochter zu Beginn des Films von einem anonymen Anrufer zu einem finsteren Ort im Hafen locken, wenn die fiese Stimme ihm gleichzeitig droht, seine Tochter (die im Obergeschoss seelenruhig schläft) sei in extremer Gefahr?

TV-Kritik "Das Joshua-Profil" von Sebastian Fitzek: Irrwitzig und unlogisch

Max (Torben Liebrecht) versucht verzweifelt seiner Frau Kim (Franziska Weisz) von „Joshua“ zu erzählen. Foto: MG RTL D / Boris Laewen

Statt die Polizei einzuschalten, macht sich der mäßig erfolgreiche Berliner Schriftsteller Vater Max (Torben Liebrecht) gleich auf in den Westhafen, dort explodiert vor seiner Nase ein Auto, er fährt nach Hause zurück, findet seine Pflegetochter Jola (Lina Hüesker) traumatisiert in ihrem Bett. Die muss sofort ins Krankenhaus, turnt aber schon wenige Tage später durch die Gegend, als sei nichts gewesen.

Die superschlampige Polizei ermittelt sogleich gegen Max, weil sie in seinen Schubladen Hinweise auf ihn als Täter findet, ohne aber Einbruchsspuren sicherzustellen. Der Brüller!

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Jola (Lina Hesker), die Pflegetochter von Max und Kim, wird in einem verlassenen Schwimmbad gefangen gehalten. Foto: MG RTL D / Boris Laewen

Irrwitzige Logik

Max, das weiß jeder Zuschauer sofort, ist natürlich nicht Täter, sondern zufällig gewähltes Opfer einer üblen Pseudofirma, die versucht, ihren Kunden weiszumachen, das sich das Handeln von Menschen dank digitaler Technik voraussagen lasse. Um das in die Praxis umzusetzen, muss aber ein wenig nachgeholfen werden – Max werden daher eben diese falschen Beweisstücke untergejubelt, auf die die Polizei reinfällt. Leider rückt auch seine Frau Kim (Franziska Weisz) von ihm ab.

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Max (Torben Liebrecht) hat einen Hinweis bekommen und sucht den Wissenschaftler Professor Braunschweig (N.N.) auf. Foto: MG RTL D / Boris Laewen

Damit sich die Schlinge um Max noch enger zuzieht, entführt die Verbrecherriege Jola und zwingt den verzweifelten Vater nicht nur, den Kampf gegen alle aufzunehmen, sondern auch die Spur seiner Tochter. Zum Glück hat er Verbündete in seinem rücksichtslosen Anwalt (stark: Armin Rohde), in seinem mit ihm schicksalhaft verbundenen Bruder Cosmo (Max Hopp) und in Frida (Inez Bjørg David), die er zunächst wegen ihres Autos entführt hat und die schon nach kurzer Zeit – schwuppdiwupp – auf seiner Seite ist – so viel zum Thema Irrwitz und Logik. Dann entdeckt Max noch die Tochter des gemeinen Chefgangsters, entführt sie (das gekidnappte Kind schläft praktischerweise die ganze Zeit), und schon kommt es zum Duell.

TV-Kritik "Das Joshua-Profil" von Sebastian Fitzek: Irrwitzig und unlogisch

Nach seinem Krankenhausaufenthalt flüchtet Max (Torben Liebrecht, r.) zu seinem Bruder Cosmo (Max Hopp), der ihm bereitwillig helfen will. Foto: MG RTL D / Boris Laewen

Im Schweinsgalopp durch die Handlung

Ob Fitzek-Fans die filmische Adaption seines Stoffes begeistern wird? Die Klärung dieser Frage muss mit Skepsis angegangen werden. Dem Thriller hätte mehr Tiefe, mehr Präzision, mehr Erklärung und deutlich weniger Schweinsgalopp im Stil von Kommissar Micky Maus mit Tempo 100 auf der Verfolgung von Supergauner Kater Karlo gut getan.

Der richtige Weg wäre vermutlich eine präzis erzählende Miniserie gewesen, in vier oder sechs Teilen.

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Toffi (Armin Rohde, r.) stellt Max (Torben Liebrecht, M.) den Inhaber der Buchhandlung (Sebastian Fitzek, l.) vor. Foto: MG RTL D / Boris Laewen

Doch RTL beließ es beim grob gestrickten „Eventfilm“, unter anderem mit dem Verweis darauf, dass der „Eventfilm“ 2017 zu Ostern, „Duell der Brüder – Die Geschichte von Adidas und Puma“ mit fast fünf Millionen Zuschauern ja auch gut gelaufen sei.

Ach ja: Fitzek spielt auch mit: Ist in einem Cameo-Auftritt als Buchhändler zu sehen. Ungeachtet der Resonanz auf „Das Joshua-Profil“ steht der nächste Fitzek-Roman im April bereits zum Dreh für RTL an: Auch „Passagier 23“ wird ein Einzelstück werden. (Carsten Rave, dpa mit KT)

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