19.09.2018 19:20 Uhr

TV-Kritik „Der große Rudolph“: Köstliche TV-Satire über Moshammer

In den 80er Jahren hatte die Münchner Schickeria ihre Hochphase. Prominente, Adlige und Paradiesvögel tummelten sich auf den vielen Partys. Mittendrin der Modemacher Rudolph Moshammer. Das Erste entführt nun in diese Zeit voller Glanz und Glamour.

Foto: WDR

Pelze, Kaschmir, Seide – bei Rudolph Moshammer musste es schon vom Feinsten sein. Prominente wie Arnold Schwarzenegger, der Startenor José Carreras oder Thomas Gottschalk ließen sich in seiner Münchner Edelboutique in der luxuriösen Maximilianstraße einkleiden. Der Stil: extravagant, elegant und gerne auch mal schrill, so wie der Modemacher selbst. Mit seinem Rolls Royce kurvte er durch die Stadt, besuchte angesagte Nobellokale und die Partys der Schickeria, oft mit seiner Yorkshire-Hündin Daisy. Was für ein Schock, als der berühmte Modezar 2005 in seiner Villa im noblen Grünwald ermordet wurde, von einem Mann aus dem Strichermilieu.

Ein Film zeichnet nun einen Ausschnitt aus Moshammers Leben nach. „Der große Rudolph“ nennt sich die Gesellschaftssatire von Alexander Adolph, die heute um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen ist.

Foto: BR/Dominik Elstner

Ein tolles Drehbuch

Mit großer Hingabe spielt Thomas Schmauser den schillernden Münchner, der seit den 60er Jahren Mode entwarf. Wichtig auch die Rolle von Moshammers Mutter Else, der ihr Sohn mit dem Buch „Mama und ich“ ein literarisches Denkmal setzte. Hannelore Elsner glänzt in der Rolle der Grande Dame, die im Hintergrund die Fäden zieht und sehr genau weiß, was ihr geliebter Sohn tun und lassen sollte. Die Schauspielerin erinnert sich aus ihrer Münchner Zeit an die Auftritte Moshammers und seiner Mutter.

„Ich weiß, dass sie damals in allen Gazetten waren. Ich fand das sehr skurril, aber es hat mich nicht sonderlich interessiert“, sagte Elsner der Deutschen Presse-Agentur in München. Die Rolle als Else fand sie aber spannend. „Das war ein tolles Drehbuch. Und dann dieses g’scherte Münchnerisch, das so fein ordinär daherkommt, ich fand das hinreißend. Das hat einfach Spaß gemacht.“

Foto: BR/Christian Baudissin

In der Tat ist der Film sehr amüsant, auch weil Schmauser und Elsner ein wunderbares Paar abgeben. Er, der Sohn mit hochfliegenden Träumen, der auch gerne mal wie ein barocker Fürst über den roten Teppich läuft und mit seiner schwarzen Haarpracht an den legendären Märchenkönig Ludwig II. erinnert. An seiner Seite Elsner als die Mutter, die ihn beständig antreibt und damit trotz aller Liebe auch mal nervt. Dazu die herrlich karikierten Kunden der Luxusboutique, etwa das Ehepaar Toni (Hanns Zischler) und Gerdi (Sunnyi Melles), das im Geld schwimmt und dem lieben Rudolph finanziell unter die Arme greift, damit sein Laden so richtig in Schwung kommt. Und damit er die richtigen Kunden anlockt, etwa die höchst blaublütigen und ziemlich affektierten Grafen von Antzenberg, als Doppelrolle gespielt von Robert Stadlober.

Ein Herz für die Bedürftigen

Schön ist, dass die Produktion des Bayerischen Rundfunks (BR), des WDR und des österreichischen ORF hinter die Fassade des strahlenden Modezaren blickt, der am 27. September 1940 geboren wurde. Denn bei aller Liebe zu Glanz und Ruhm hatte er auch ein Herz für die Ausgestoßenen und Armen. Er verteilte warme Decken und Essen an Obdachlose und war in Wirklichkeit oft sehr unsicher und auf der Suche nach wahrer Anerkennung.

Schade ist nur, dass Adolph sich in seinem Film nicht auf Moshammer beschränkt. Den Rahmen bildet die Geschichte der Fußpflegerin Evi (Lena Urzendowsky), einem verhuschten jungen Mädchen aus Augsburg, das der Modemacher mehr oder weniger auf der Straße aufliest und als Assistentin anstellt. Er will aus Evi eine begehrenswerte Schönheit machen. Ein netter Einfall, der jedoch vom Kern der Geschichte ablenkt. Das prallbunte Leben Moshammers hätte genug Stoff geboten. Doch „Der große Rudolph“ zeigt nur einen Ausschnitt. Themen wie etwa seine sorgsam verheimlichte Homosexualität werden nur angedeutet, sein brutaler Tod im Jahr 2005 bleibt ausgespart. Stattdessen gibt es lockere Sprüche und unterhaltsame Einblicke in die Münchner Schickeria mit jeder Menge Taktierereien, Intrigen und Eitelkeiten.

Ein vergnüglicher Fernsehabend ist garantiert, auch wenn am Ende einige Fragen offen bleiben. (Cordula Dieckmann, dpa)

Übrigens: Wer gestern Abend nicht die TV-Doku „Rudolph Moshammer – was vom Traum geblieben ist“ gesehen hat, kann das hier im Video oben nachholen!