Donnerstag, 21. September 2017 19:01 Uhr

TV-Kritik: Neue Serie „Bad Cop“ ist wirklich kriminell gut

Mit fünf neuen Drama-Serien will RTL beim Publikum punkten. Den Auftakt macht am Donnerstagabend „Bad Cop – kriminell gut“ mit einer wenig glaubwürdigen Geschichte. Doch die Serie kann was.

TV-Kritik: Neue Serie "Bad Cop" ist wirklich kriminell gut

Jan Starck hat seinen Zwillingsbruder Jesko (Doppelrolle: David Rott) im Kampf mit Tarek Rahmani verloren. Die Erinnerung an Jeskos Tod holt ihn ein. Foto: MG RTL D / Georges Pauly

Nur mit eigenen Inhalten in allen Genres bleiben Fernsehsender unverwechselbar. So sagte es RTL-Chef Frank Hoffmann bei der Vorstellung des Programms 2017/2018. Sein Credo: „Wer bei zunehmender Konkurrenz erfolgreich bleiben will, der muss auf Exklusivität und Kreativität setzen.“ Der Privatsender habe so viele neue Formate in Vorbereitung wie selten zuvor: Gleich fünf neue, eigenproduzierte Drama-Serien schicken die Kölner ins Rennen um die Zuschauergunst. Los geht es am Donnerstagabend (21.15 Uhr) mit „Bad Cop – kriminell gut“, einem Crime-Format mit David Rott.

Doppelrolle für David Rott

Der spielt darin eine Doppelrolle: Jan und Jesko Starck sind Zwillinge. Der eine kriminell, der andere Polizist. Bei einem Einsatz stirbt der Beamte. Jan schlüpft in die Rolle seines Bruders, um aus der brenzligen Situation entkommen zu können – und beginnt damit ein neues Leben. Dass das funktionieren kann, darauf muss sich der Zuschauer einlassen. Rott selbst findet die Geschichte „sehr plausibel“, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Rott, der als junger Udo Jürgens im mehrfach ausgezeichneten Fernseh-Zweiteiler „Der Mann mit dem Fagott“ zu sehen war, kann dank der Doppelrolle zwei Seiten zeigen: hier der verantwortungsbewusste Familienvater, da der draufgängerische Freigeist, der erwischt beim Sex mit einer Gangster-Geliebten schon mal splitterfasernackt über Hausdächer flüchtet. Die Charaktere sind zwar plump entgegengesetzt gezeichnet, aber Rott spielt sie mit viel Liebe und Charme.

TV-Kritik: Neue Serie "Bad Cop" ist wirklich kriminell gut

Foto: MG RTL D / Georges Pauly

Jede Folge mit neuer Geschichte

So hanebüchen die Handlung erscheint, drängt sie sich doch in den Vordergrund. Zwar hat jede der 45-minütigen Folgen einen eigenen Fall, um den es im Kern geht. Gleich im Anschluss an den Auftakt sendet RTL zum Beispiel den zweiten Teil – da geht es um ein explodiertes Auto bei einem Klassentreffen 20 Jahre nach dem Schulabschluss. Doch im Grunde kann der Zuschauer darauf lauern, wann Jans Schwindel auffliegt.

Der verhaspelt sich zum Beispiel beim Namen, wenn er sich vorstellt. Er weiß nicht, warum Jeskos Frau – die gleichzeitig dessen Chefin ist – seinen Bruder in die Garage umquartiert hat und auf Distanz geht. Bei den Hobbys der Töchter und denen, die er nun fortan in der Rolle seines Zwillingsbruders ausüben soll, muss er passen. Zuhause bricht er mangels Schlüssel kurzerhand gekonnt und mit dem nötigen Werkzeug ein. Und ein wichtiges Erkennungsmerkmal des verheirateten Jeskos hat er in der Eile an der Leiche vergessen, als er dessen Kleidung anzog.

TV-Kritik: Neue Serie "Bad Cop" ist wirklich kriminell gut

Luís (Daniel Rodic) stellt seine Schwester Theresa (Kristin Hunolt) zur Rede. Foto: MG RTL D / Georges Pauly

Lustige Missverständnisse

Die Missverständnisse und heiklen Momente können sehr lustig sein. Unterhaltsam ist auch, wie Jan als Polizist auftritt: Fälle löst er zwar mit dem Wissen eines Gauners. Aber er kennt weder alle Kollegen noch dienstliche Vorgaben. „Offiziell ist für Anfänger, Alter“, sagt er dem übereifrigen Kommissar-Anwärter Luis Pinto, gespielt von Daniel Rodic („Der Lehrer“), den er dauernd „Watson“ nennt. Überhaupt fällt Jans für einen Polizisten ziemlich schnoddrige Art auf: „Du stinkst nach ‚Fick mich‘ und nicht nach Russen verkloppen.“

RTL zeigt donnerstagabends nun eine Folge des Dauerbrenners „Alarm für Cobra 11“ und „Bad Cop“ gleich im Anschluss daran. Die Zeiten verlässlich guter Quoten sind angesichts etwa der „Topmodel“-Konkurrenz auf ProSieben, Angeboten der Öffentlich-Rechtlichen und Streamingdienste allerdings vorbei. In den vergangenen Jahren floppten immer wieder auch eigene Formate wie „Doc meets Dorf“ und „Die Sekretärinnen“.

TV-Kritik: Neue Serie "Bad Cop" ist wirklich kriminell gut

Foto: MG RTL D / Georges Pauly

Dass es nun mit „Bad Cop“ besser laufen sollte, könnte aus Sicht von Hauptdarsteller Rott am Mix liegen: „Das Format ist was Neues, weil es sich aus unterschiedlichen Genres bedient – im Krimi, im Action- und im Familienfilm und auch in der Gangster-Komödie – aber nicht ganz eines ist.“ Es sei im besten Sinne Entertainment, sagt er. „Und deshalb haben wir da ganz gute Chancen, glaube ich.“ (Marco Krefting, dpa)

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