Sonntag, 25. Februar 2018 18:29 Uhr

TV-Kritik „Tatort“: Borowski und das Land zwischen den Meeren

Stürmische Nordsee, kauzige Inselbewohner und mehrere Morde: „Tatort“-Kommissar Borowski alias Axel Milberg ermittelt erstmals wieder ohne Assistentin Sarah Brandt (Sibel Kekilli). Dafür umgarnt ihn Christiane Paul als geheimnisvolle Femme fatale.

TV-Kritik "Tatort": Borowski und das Land zwischen den Meeren

Foto: NDR/Christine Schroeder

In aufgewühlten Nordseefluten schwimmt bei wolkenverhangenem Himmel im Neoprenanzug Famke Oejen und geht an Land. Dazu spannende Musik und im Flüsterton rätselhafte Sätze über die Erinnerung, so beginnt es. Die geheimnisvolle Schöne, intensiv und facettenreich gespielt von Emmy-Award-Gewinnerin Christiane Paul („Unterm Radar“), wird zur Hauptfigur des „Tatort“-Krimis „Borowski und das Land zwischen den Meeren“, den das Erste am Sonntag (25. Februar) um 20.15 Uhr.

Rückblenden und verwirrende Szenen

Mit dem Titel ist nicht nur das im Caspar-David-Friedrich-Stil düster gefilmte Schleswig-Holstein gemeint, sondern auch die sich in der Natur widerspiegelnde Seelenlandschaft. Sie wird immer wieder neu vermessen zwischen Realität und Traumwelten – Mystery im Norden!

Die Handlung ist komplex inszeniert mit Rückblenden und Szenen, in denen offen bleibt, ob Borowski sie geträumt oder erlebt hat. Und das Autorenteam Peter Bender, Ben Braeunlich und Regisseur Sven Bohse hat den Krimi angelehnt an die Rungholt-Sage, die auch Theodor Storm (1817-1888) in seiner Novelle „Eine Halligfahrt“ erwähnt. Rungholt soll als Gottesstrafe im 14. Jahrhundert in der Nordsee untergegangen sein, weil Bauern ein Schwein mit Alkohol abfüllten und einen Pfarrer zwangen, dem Tier die heiligen Sakramente zu geben.

Borowski muß erstmals alleine ran

Es geht also um Ausschweifungen und Frevel. Der Film greift das Thema auf seine Art auf. Famke findet ihren Freund Oliver Teuber (Beat Marti) tot in der Badewanne. Kommissar Borowski (Axel Milberg) reist nach Suunholt, eine fiktive Nordseeinsel, um den Tod aufzuklären. Es ist der erste Fall, den Borowski nach 14 Episoden mit Sarah Brandt (Sibel Kekilli) wieder allein lösen muss.

TV-Kritik "Tatort": Borowski und das Land zwischen den Meeren

Foto: NDR/Christine Schroeder

Der Kommissar stößt auf Inselbewohner, wie sie derber und kauziger kaum sein könnten: Einen wortkargen Schweinebauern, der sich in eine Prostituierte verliebte und am Ende von seinen Schweinen gefressen wird. Einen geilen Bäcker, bei dem Famke aushalf und auch mit ihm Sex hatte. Dazu eine religiöse Eiferin, die das Lotterleben der Inselbewohner anprangert und deren Sohn Borowski mit einem Beil töten will. Ach ja, zwei aus Kiel auf die Insel angereiste Männer aus dem Rotlichtmilieu, kommen noch ums Leben.

„Es war einer von euch“

Im Mittelpunkt steht aber der Mord an Oliver Teuber. „Es war einer von euch, und ich werde herausfinden, wer’s war“, schreit Famke im Dorfkrug den Männern der Insel zu, schüttet dem Bäcker dabei ein Bier ins Gesicht. Borowski befragt Famke, die sich daran, was vor dem Auffinden ihres toten Freundes passierte, nicht mehr genau erinnern kann. Die Gerichtsmedizinerin sagt als Obduktionsergebnis, dass Teuber mit sehr viel Kraft, also von einem Mann, in der Wanne unter Wasser gedrückt worden sein müsse.

TV-Kritik "Tatort": Borowski und das Land zwischen den Meeren

Foto: NDR/Christine Schroeder

Famke lebte mit Teuber eine Liebe, die ohne Vergangenheit auskam und keine Zukunft hatte. Über ihren Freund, den sie am Straßenrand auf der Insel im Auto fand, sagte sie: „Er ist vom Himmel gefallen.“ Und: „Wir wollten einfach nur zusammen sein, alles andere war egal.“ Die Inselbewohner hätten ihr das Glück geneidet. Borowski lässt Famke in einer Notsituation bei sich im Hotelzimmer übernachten. Der rationale Ermittler droht die Distanz zu ihr zu verlieren.

 Liebeserklärung an die Nachsaison

Teuber war, was Borowski wusste, vor Jahren die Schlüsselfigur in einem Kieler Korruptionsskandal und dann spurlos verschwunden. Er galt als Opfer eines Mordfalls, in dem der Tote nie gefunden wurde. Die Auflösung des Krimis am Ende verblüfft dann etwas. „Wir gestatten uns einmal, ins Mythische vorzudringen, ohne dabei ein bis ins Detail logisches Konstrukt zu schaffen“, so Regisseur Sven Bohse. „In der Inszenierung habe ich mich deshalb auf die Stimmigkeit der emotionalen Aussage konzentriert. Das erschien mir bei diesem Film wichtiger als die reine Logik.“

TV-Kritik "Tatort": Borowski und das Land zwischen den Meeren

Foto: NDR/Christine Schroeder

Mit herausragenden Schauspielern bis in die kleinsten Rollen und norddeutsch knappen Dialogen („Haben Sie einen Kaffee?“ , „Ja aber nur ohne Gedöns“, „Ja, den nehm‘ ich“) wird der Film auch zur Liebeserklärung an die Nachsaison in Schleswig-Holstein.

Die unterlegte Musik von Freddy Quinn, Norah Jones oder das Kirchenlied „Christi Blut und Gerechtigkeit“ verstärkt als Kontrast die Spannung – oder ist nur schön, so wenn Borowski durch den Sturm fährt und Radio Nordfriesland dazu „Riders on the Storm“ von den Doors spielt. (Matthias Hoenig, dpa)

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