Sonntag, 6. Mai 2018 18:35 Uhr

TV-Kritik Tatort „Familien“: Junggesellenabschied trifft auf Entführung

Ein Junggesellenabschied mit tragischem Ende, eine Entführung mit ungewissem Ausgang und ein Familienschicksal, das nachwirkt: Ihr neuer Fall lässt die Kölner Kommissare Ballauf und Schenk im heutigen „Tatort“ nachdenklich zurück. Das gilt auch für die Zuschauer.

TV-Kritik Tatort "Familien": Junggesellenabschied trifft auf Entführung

Ein Toter und eine Tasche voller Geld. Foto: WDR/Thomas Kost

Dieser „Tatort“ beginnt mit einem typischen Kölner Phänomen: einem Junggesellenabschied im Schatten des Doms. Vor allem samstags ziehen regelmäßig Dutzende Gruppen junger Männer und Frauen – meist lautstark und mehr oder weniger lustig verkleidet – durch die Altstadt, um es noch einmal richtig krachen zu lassen, ehe die Braut oder der Bräutigam sich ins Eheleben verabschiedet.

Doch wie nicht anders zu erwarten, nimmt der Junggesellenabschied in der „Tatort“-Folge „Familien“, die das Erste heute um 20.15 Uhr zeigt, kein gutes Ende: Bräutigam Ivo Klein wird auf dem Heimweg von einem Auto überfahren – und das war kein Unfall. Neben der Leiche des jungen Familienvaters liegt eine Reisetasche mit 500.000 Euro. Die hat er unmittelbar vor seinem Tod aus einem Abfalleimer gefischt. Die Fingerabdrücke auf der Tasche führen die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) zu dem renommierten Wirtschaftsanwalt Rainer Bertram (Hansjürgen Hürrig). Als die Ermittler ihn mit Kleins Tod konfrontieren, stellt sich heraus, dass es sich um Lösegeld handelt: Bertrams Enkelin Charlotte Ritter wurde entführt. Die Kidnapper drohen sie umzubringen, falls die Polizei eingeschaltet wird.

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Sehr schnell ist klar, dass Ivo Klein nichts mit der Entführung zu tun hatte, sondern einfach zur falschen Zeit am falschen Ort war. Am Steuer des Unfallwagens hat wohl der Entführer gesessen und gesehen, wie Ivo die Geldtasche aus dem Mülleimer nahm. Geschickt verweben Regisseurin Christine Hartmann und Drehbuchautor Christoph Wortberg – bekannt durch seine Rolle als „Frank Dressler“ in der ARD-Serie „Lindenstraße“ – die Tragödie um den Junggesellenabschied mit einem Kriminalfall.

Für Ballauf und Schenk beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, um die entführte Charlotte lebend zu finden. Bei ihren Ermittlungen im Umfeld der jungen Frau stoßen sie bald auf Merkwürdigkeiten. Zwischen Bertram und seinem Schwiegersohn Ludwig Ritter (Harald Schrott) knirscht es gewaltig, doch ohne Hilfe des vermögenden Anwalts hätte die Familie das Lösegeld nicht aufbringen können.

TV-Kritik Tatort "Familien": Junggesellenabschied trifft auf Entführung

Charlotte Ritter (Anke Sabrina Beermann) ist unauffindbar. Ihre Eltern sollen ein hohes Lösegeld zahlen. Foto: WDR/Thomas Kost

Auch in der Beziehung von Charlotte zu ihrem Freund Kasper (Anton von Lucke) gibt es Probleme. Zudem hat Kasper Sorgen zuhause: Vor einigen Jahren ist sein Vater bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommen. Seine Mutter Sandra (Claudia Geisler-Bading) ist bis heute nicht über den Tod ihres Mannes hinweggekommen.

Ungewöhnliche Kameraführung

Am Abend ihres Verschwindens war Charlotte mit ihrem Bruder Paul (Johannes Franke) und Kasper in einer Bar. Dort wurde Charlotte von einem wesentlich älteren Mann angesprochen.

TV-Kritik Tatort "Familien": Junggesellenabschied trifft auf Entführung

Norbert Jütte (Roland Riebeling, l) informiert die Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär, M) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, r) darüber, was er bisher herausgefunden hat. Foto: WDR/Thomas Kost

Die „Tatort“-Folge verknüpft auf intelligente Weise einen klassischen Krimi mit einem bedrückenden Familiendrama und bleibt spannend bis zum Schluss. Für zusätzliche Dramatik sorgt die ungewöhnliche Kameraführung, bei der Peter Nix zeitweise Szenen gewissermaßen einfriert, als würde der Film zwischenzeitlich angehalten. Als der Täter am Ende überführt ist, lässt die Auflösung des Falls die Kommissare nicht unberührt – genauso wenig wie die Zuschauer. (Petra Albers, dpa)

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