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Sonntag, 10. März 2019 19:20 Uhr

TV-Kritik Tatort „Für immer und dich“: Wie eine 13-Jährige verschwindet

Foto: SWR/Benoit Linder

Rio Reiser liefert Titel und Musik, ein realer Fall die Handlung: Der neue „Tatort“ aus Freiburg erzählt von einem Mädchen, das mit einem älteren Mann untertaucht. Menschliche Dramen und ein starkes Spiel kennzeichnen den Film. Das Drehbuch schrieb die Wirklichkeit.

TV-Kritik Tatort "Für immer und dich": Wie eine 13-Jährige verschwindet

Foto: SWR/Benoit Linder

Ein verschwundenes Mädchen, ein toter Jugendlicher und eine Mutter, die verzweifelt ihr Kind sucht. Der neue „Tatort“ aus dem Schwarzwald verknüpft einen rätselhaften Kriminal- und Vermisstenfall mit einem ungewöhnlichen Beziehungsdrama.

Darum geht’s

„Für immer und dich“ erzählt von einer 15-Jährigen, die seit eineinhalb Jahren vermisst wird. Sie ist mit einem deutlich älteren Mann unterwegs. Es ist der vierte Fall der Schwarzwälder „Tatort“-Kommissare Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner. Er zeigt deutliche Parallelen zu einem realen Fall. Gezeigt wird er heute um 20.15 Uhr, im Ersten.

TV-Kritik Tatort "Für immer und dich": Wie eine 13-Jährige verschwindet

Foto: SWR/Benoit Linder

„Ich will mein Kind zurück“, sagt die sichtlich verzweifelte Mutter Michaela Arnold, gespielt von Kim Riedle. Ihre Tochter Emily ist verschwunden. Die damals 13-Jährige ist vor eineinhalb Jahren untergetaucht und mit einem deutlich älteren Mann ins Ausland geflohen, wie sich herausstellt. Vermutlich freiwillig. „Sie ist auf ihr Rad gestiegen und nie zu Hause angekommen: Alptraum“, sagt eine Zeugin, bei der die Schülerin ihre Nachmittage verbrachte.

Die Ermittler haben die Hoffnung aufgegeben, das ungleiche Paar zu finden und das Mädchen zurück zur Mutter zu bringen. „Der Fall liegt doch längst bei den Akten“, klagt Kommissar Friedemann Berg (Wagner) – und schickt seine Kollegin Franziska Tobler (Löbau) los. Dass Emily noch lebt, glaubt die Polizei zunächst nicht.

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Foto: SWR/Benoit Linder

Echter Fall: Fünf Jahre untergetaucht

Für die Kommissare verknüpfen sich zwei ungelöste Fälle: der der vermissten Jugendlichen Emily und der Unfalltod eines jungen Mannes. Der 18-Jährige liegt im Schwarzwald tot neben seinem Motorroller. „Fahrerflucht“, sagt die Polizistin am Unfallort. Der Rollerfahrer wurde von einem Auto erfasst und getötet. Während Berg im mysteriösen Fall des toten Jugendlichen ermittelt, kümmert sich Tobler um Emily, deren Spur nach 18 Monaten des Verschwindens plötzlich und unerklärlich wieder zurück nach Freiburg führt.

Gedreht wurde die neue Episode der ARD-Krimireihe in der Hitze des vergangenen Sommers, unter anderem in einer Hochhaussiedlung in Freiburg. Diese war Schauplatz einer realen Kriminalgeschichte, die überregional Schlagzeilen machte. Die damals 13 Jahre alte Freiburgerin Maria H. verschwand im Mai 2013 mit einem rund 40 Jahre älteren Mann. Mehr als fünf Jahre lang waren die beiden untergetaucht und lebten im Ausland.

TV-Kritik Tatort "Für immer und dich": Wie eine 13-Jährige verschwindet

Foto: SWR/Benoit Linder

Als der „Tatort“ gedreht wurde, war Maria H. noch verschwunden. Ende August vergangenen Jahres, kurz nach dem Ende der Dreharbeiten, kam die inzwischen 18-Jährige freiwillig nach Freiburg zurück, ihr heute 58 Jahre alter Begleiter wurde in Italien festgenommen. Ihm droht in den nächsten Wochen vor dem Landgericht in Freiburg der Prozess.

Mehr als ein klassischer Krimi

Der Sänger Rio Reiser (1950-1996, „König von Deutschland“) gibt mit seiner 1986 erschienenen Liebesballade „Für immer und dich“ diesem „Tatort“ Titel und Grundstimmung. Der Film stellt die Geschichte des Mädchens und des Mannes in den Mittelpunkt und inszeniert das Abhängigkeitsverhältnis der beiden klug und bewegend – sowie die ständige Angst des Mannes, entdeckt zu werden. Das menschliche Drama steht im Zentrum. Es ist ein bildstarker, stimmiger, spannender und sehenswerter „Tatort“. Er geht über das Genre des klassischen Krimis hinaus und verliert sich nicht in unnötigen Nebensträngen.

TV-Kritik Tatort "Für immer und dich": Wie eine 13-Jährige verschwindet

Foto: SWR/Benoit Linder

Regie führte, erstmals bei einem „Tatort“, die Filmemacherin Julia von Heinz. Das Drehbuch stammt von Magnus Vattrodt. „Das Schöne ist, dass es gar nicht die Krimihandlung ist, die Spannung erzeugt“, sagt die Regisseurin: „Die Spannung entsteht aus der Frage, wie Emily sich aus dieser Beziehung lösen kann und ob sie da heil herauskommt.“

Großartig: Meira Durand

Einem ähnlichen Thema widmete sich der ARD-Krimi bereits 1977 mit der vielbeachteten und zum Klassiker gewordenen Folge „Reifezeugnis„. Der neue „Tatort“ aus Freiburg geht jedoch seinen eigenen Weg. Und bezieht seine Stärke vor allem auch aus den beiden Schauspielern, die das Mädchen Emily und ihren Begleiter verkörpern: Meira Durand (18), die als Kind die Titelrolle in „Hier kommt Lola!“ (2010) spielte, und Andreas Lust (51, „Der Räuber“). Ihr Spiel lässt die menschliche Dramatik spürbar werden – bis zuletzt.

Es handele sich um eine fiktive Geschichte, betont die Redakteurin der Reihe, Katharina Dufner. Eine Nacherzählung des Falls Maria H. oder der ähnlichen Geschichte der damals minderjährigen Josephine aus Brandenburg, die mit ihrem mehr als 30 Jahre älteren Onkel untertauchte, sei der „Tatort“ bewusst nicht. (Jürgen Ruf, dpa)

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