Sonntag, 17. März 2019 18:53 Uhr

TV-Kritik Tatort „Spieglein, Spieglein“: Die Nerven liegen blank!

Jeden Tag ein Mord in Münster – und haben alle Todesfälle eine schaurige Gemeinsamkeit. Das macht sogar die Profis um Hauptkommissar Thiel und Professor Boerne hochnervös.

TV-Kritik Tatort "Spieglein, Spieglein": Die Nerven liegen blank!

Frank Thiel (Axel Prahl) und Prof. Karl-Friedrich Börne (Jan Josef Liefers) nach einer durchgearbeiteten Nacht. Foto: WDR/Thomas Kost

Es beginnt mit einem Schock. Diesmal hat es beim „Tatort“ Münster die ruppige Staatsanwältin Wilhelmine Klemm getroffen. Mitten ins Herz. Am Dom liegt ihre Leiche. Hauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) droht kurz die Fassung zu verlieren – grinst dann aber breit. Die Erschossene ist nicht Klemm, sieht ihr aber frappierend ähnlich. Just als er erleichtert lächelt, wird Thiel wird von einer Passantin aufgenommen: Das Handy-Foto des scheinbar gut gelaunten Ermittlers neben dem Leichnam landet schnell auf der Titelseite und sorgt für Diskussionen.

„Die sieht ja aus wie ich“

Erster Akt in der Folge „Spieglein, Spieglein“, die heute um 20.15 Uhr im Ersten gezeigt wird. Einen Skandal witternd und entsprechend in Rage stürmt die Staatsanwältin (Mechthild Großmann) in den Obduktionssaal, beschimpft Thiel mit ihrer kratzigen Kettenraucherstimme. Bis sie mit Blick auf den leblosen Körper auf dem Seziertisch vor ihr verblüfft feststellt: „Die Frau sieht ja aus wie ich.“

Drehbuchautor Benjamin Hessler („4 Blocks“, „Ein Mord mit Aussicht“) hat damit früh die erste Pointe gesetzt. Denn schnell wird klar: Da hat es offenbar jemand auf das Team um Hauptkommissar Thiel abgesehen und sendet ausgesprochen bedrohliche Botschaften. Das zweite Mordopfer ist kleinwüchsig und ähnelt Rechtsmedizinerin Silke „Alberich“ Haller (ChrisTine Urspruch).

Eine Nacht im Keller

Die Tote trägt sogar deren Schal, als man sie aus dem Wasser fischt. Das Ganze kann also kein Zufall sein. Die Nerven liegen blank. Der trotz aller Anspannung gewohnt giftig-zynische Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) bringt den Verdacht Thiel gegenüber als Erster auf den Punkt: „Sie sind der Hauptgegner!“

TV-Kritik Tatort "Spieglein, Spieglein": Die Nerven liegen blank!

Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, l), Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl, vorn), Silke Haller (ChrisTine Urspruch) und Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann, r). Foto: WDR/Thomas Kost

Als sich dann noch Einbruchsspuren in den Wohnungen der Nachbarn Thiel und Boerne finden, steigt der Mulmigkeitsfaktor. Immerhin: Die Lage zwingt die beiden in herzlicher Abneigung verbundenen Herren, eine Nacht miteinander zu verbringen – in einem dunklen Archivkeller. Auf der Suche nach alten Fällen und nach wahnsinnigen Typen, die Thiel mal in den Knast gebracht hat und die mittlerweile wieder draußen sind.

Natürlich fällt der Verdacht zuerst auf den Falschen. Zugleich spielt – von den Ermittlern noch unentdeckt – eine scheinbar harmlose Bürgerbüro-Angestellte ein Spielchen, dessen Regeln und Ziele Rätsel aufgeben.

TV-Kritik Tatort "Spieglein, Spieglein": Die Nerven liegen blank!

Dieser Münsteraner (Axel Prahl) und seine Frau (Regine Schroeder) wundern sich, was vor ihrer Haustür los ist. Foto: WDR/Thomas Kost

Sehr vorhersehbar – und albern

Nicht fehlen darf Thiels „Vadder“ Herbert (Claus Dieter Clausnitzer), den der Hauptkommissar in einem panischen Moment schon als weiteres Mordopfer sieht. Doch der Tote hinter einem Taxi-Steuer, zu dem Thiel gerufen wird, ist Fahrer-Kollege Fritz. Derweil sitzt „Vadder“ ahnungslos und zufrieden kiffend zu Hause. Und trotzdem kommt später von ihm ein entscheidender Hinweis.

Bisweilen plätschert der Krimi etwas vor sich hin. Worauf es hinausläuft, lässt sich früh vorhersehen. Gegen Ende wird es ein wenig albern – bei zwei Doppelgänger-Nummern. Amüsant sind wie immer sind die erfrischend bissigen Dialoge zwischen Thiel und Boerne. Und es endet diesmal in ungewohnter Harmonie. (Yuriko Wahl-Immel, dpa)

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Silke Haller (ChrisTine Urspruch, l) und Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, r) sind nicht einer Meinung. Foto: WDR/Thomas Kost

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