Sonntag, 6. Januar 2019 11:16 Uhr

TV-Kritik Tatort „Weiter, immer weiter“

Foto: WDR/Martin Valentin Menke

Tatort: Weiter, immer weiter
Von Petra Albers, dpa
Ein Streifenbeamter versucht verzweifelt, bei den Ermittlern Ballauf und Schenk Gehör zu finden. Hauptdarsteller Wiesnekker verkörpert im neuen Kölner „Tatort“ auf eindrucksvolle Weise einen im Dienst aufgeriebenen Polizisten.

Tatort: Weiter, immer weiter
Der Polizist und Augenzeuge Frank Lorenz (Roeland Wiesnekker) zwischen den Kommissaren Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, r). Foto: Martin Valentin Menke/WDR/ARD
Köln (dpa)

Eigentlich wollen die beiden Polizeibeamten nur einen Autofahrer kontrollieren. Doch als sie Pascal Pohl zum Aussteigen auffordern, springt der plötzlich aus seinem Wagen, rennt weg – und wird von einer Straßenbahn überfahren.

Was zunächst aussieht wie ein tragischer Unfall, entwickelt sich zu einem mysteriösen Fall für die Kölner „Tatort“-Ermittler Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär). Das Erste zeigt die Folge „Weiter, immer weiter“ am heutigen Sonntag (6. Januar/20.15 Uhr).

Der Streifenbeamte Frank Lorenz (Roeland Wiesnekker), der bei der Verkehrskontrolle dabei war, ist überzeugt, dass Pohl von Verbrechern gejagt wurde und deshalb so panisch reagierte. Denn unmittelbar nach dem Unfall sei ein dunkler Geländewagen vorbeigerast, in dem bewaffnete Männer gesessen hätten – eine Szene, die die Zuschauer durch schnelle Schnittbilder nur schemenhaft zu sehen bekommen.

An dem Wagen hat Lorenz ein Firmenlogo erkannt, das Ballauf und Schenk zum russischen Feinkosthandel Nikitin führt, dessen Importgeschäfte verdächtig erscheinen. Hat Pohl sich mit der „Russenmafia“ angelegt, wurde er wegen eines Streits um Drogen verfolgt, wie Lorenz meint?

Während Ballauf diese Theorie von Anfang an bezweifelt, hält Schenk sie durchaus für denkbar. Diese Uneinigkeit sät Zwietracht zwischen den beiden Kommissaren, zumal Ballauf seinem Kollegen falsche Loyalität unterstellt. Denn Lorenz ist ein alter Kumpel von Schenk, die beiden kennen sich aus der Polizeiausbildung. Um Beweise gegen die Nikitins zu sammeln, ermittelt Lorenz auf eigene Faust – und setzt damit eine Kette unheilvoller Ereignisse in Gang.

Die Hauptrolle des Frank Lorenz ist Roeland Wiesnekker wie auf den Leib geschneidert. Glaubwürdig und eindringlich spielt er den Streifenbeamten, der in seinem Arbeitsalltag vergebens Anerkennung sucht und an seinem Beruf zu verzweifeln droht. „Wenn was passiert, traktieren sie uns mit Psychotherapeuten, anstatt dafür zu sorgen, dass wir genügend Personal haben oder anständig ausgerüstet sind. Ich hab‘ schon wieder 100 Überstunden“, sagt Lorenz zu seiner Kollegin Vera Kreykamp (Laina Schwarz).

Das für den Kölner „Tatort“ oft typische Genre des Sozialdramas spielt sich für Schenk und Ballauf diesmal in den eigenen Reihen ab. Der Regisseur Sebastian Ko, der unter anderem bereits mehrere „Tatorte“ in Szene setzte, inszeniert nach dem Drehbuch von Arne Nolting und Jan Martin Scharf einen atmosphärisch dichten Psychokrimi, der bis zum Schluss die Spannung aufrecht hält.

Die Auflösung des Falls ist nicht nur für Ballauf und Schenk eine Überraschung, sondern dürfte auch für die Mehrheit der Zuschauer unvorhersehbar sein. Für Schenk birgt das dramatische Ende zudem eine persönliche Niederlage, die der ganzen Tragik das I-Tüpfelchen aufsetzt.

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