18.03.2020 20:13 Uhr

TV-Promis Pro & Contra (31): Rudi Cerne

Foto: ZDF/Thomas R. Schumann

Heute Abend ist es wieder so weit: Rudi Cerne (61) gibt den TV-Fahnder und Ganoven-Schreck, wenn er um 20.15 Uhr ein Millionenpublikum zu „Aktenzeichen XY…ungelöst“ begrüßt. Der Kultsendung für Hobbydetektive, private Profiler und Freunde des gepflegten Reality-Grusels.

Auch über 50 Jahre nach Erfindung der Show durch den legendären Eduard „Ede“ Zimmermann geht es immer noch darum, den Bildschirm zur Verbrechensbekämpfung zu nutzen. Das Konzept erfreut sich nach wie vor großer Beleibtheit – nicht zuletzt dank Rudi Cerne. Seit 2002 geht er höchst erfolgreich und eiskalt als Edes Nachfolger auf Verbrecherjagd. Doch das war lange nicht absehbar.

TV-Promis Pro & Contra (31): Rudi Cerne

Foto: ZDF/Tim Thiel.

Vom Eisprinzen zum Quotenkönig

Rudi Cerne wird am 26. September 1958 in Wanne-Eickel geboren. Als waschechtes Ruhrgebiets-Kind zieht es ihn allerdings nicht unter Tage, sondern aufs Eis! Bereits mit fünf Jahren steht Klein-Rudi das erste Mal auf Schlittschuhen. Papa Rudolf hatte ihn mitgenommen. Der Malermeister war nämlich selbst ein begnadeter Eisläufer, bis er im Zweiten Weltkrieg unter dramatischen Umständen ein Bein verlor. Doch seine Träume von einer Karriere als Eisprinz lebten in Rudi weiter – und erfüllten sich!

 Cerne wird zweimal Deutscher Meister, einmal Vize-Europameister, die Titel waren der Lohn für manche Trainingstortur. Und Papa ist stolz wie Oscar auf seinen Rudi, der sich stets treu – und immer auf dem Boden bleibt. Ruhrgebietskind eben. 1984 hängt er die Schlittschuhe an den Nagel und entdeckt den Journalismus für sich. Durch verschiedene Praktika kommt er zum Fernsehen und wird freier Mitarbeiter bei WDR und HR. Sein Aufgabenfeld steht schnell fest: Sport. Er berichtet live von Eiskunstlaufveranstaltungen, Tanzturnieren und der Tour de France, moderiert jahrelang das Aktuelle Sportstudio und bis heute den Sport-Teil von ZDF heute und ZDF heute journal.

TV-Promis Pro & Contra (31): Rudi Cerne

Foto: ZDF/Thomas R. Schumann

Fast 20 Jahre bei „Aktenzeichen xy“

Er gehört zum deutschen Sportjournalismus wie die Sahne auf den Erdbeerkuchen. Aber kann Cerne auch Crime? Kann er! Das beweist der 61-Jährige seit nunmehr fast 20 Jahren als TV-Fahnder und Nachfolger von Eduard „Ede“ Zimmermann. Wie schon beim Sport moderiert Cerne stets fachlich kompetent, aber eher leise. Man merkt, dass er von Hause aus eben kein Fußballer ist. Er hat auf den ersten und auch zweiten Blick wenig Ecken und Kanten. Böse Zungen würden behaupten, er ist einfach nur nett, aber: langweilig? So einfach ist es nicht. Jedem Tierchen sein Pläsierchen – und Cerne gehört eben nicht zu den Selbstdarstellern und Brüllaffen. Ihm geht es in erster Linie um Seriosität. Effekthascherei überlässt er anderen. Er polarisiert nicht. Bei „Aktenzeichen XY…ungelöst“ funktioniert das sogar besser als bei Sportsendungen. Die brauchen zwar Kompetenz, vertragen aber durchaus mehr Emotionalität. Bei „XY“ geht es immer um sehr ernste Angelegenheiten – und Cerne rückt diese ins rechte Licht. Eher still und leise, aber sehr erfolgreich: 40 Prozent der im TV vorgestellten Fälle werden mithilfe der Zuschauer gelöst.

Zweimal sitzengeblieben

Der Vater einer Tochter ist verheiratet und lebt mit seiner Familie im hessischen Rodenbach bei Hanau. Statt Brille trägt er inzwischen Kontaktlinsen – und anders als sein Vorgänger Ede Zimmermann braucht er auch keinen Polizeischutz. Es hat also auch seine guten Seiten, wenn man sich auf der nicht ganz so hellen Seite des Rampenlichtes wohler fühlt!

Doch auch bei einem Rudi Cerne geht nicht immer alles glatt: So ist er vor dem Abi zweimal sitzen geblieben – und wurde sogar einmal verhaftet. 1978 wurde er am Flughafen Düsseldorf mit dem RAF-Terroristen Christian Klar verwechselt und fälschlicherweise festgenommen. Der verantwortliche Polizist entschuldigte sich Jahre später live in einer TV-Sendung für diesen Fauxpas.

Galerie

Unsere Wertung

Charme: 6 von 10 Punkten
Witz: 5 von 10 Punkten
Einzigartigkeit: 5 von 10 Punkten

Fazit: Rudi Cerne ist kein Mann für die ganz großen Bühnen und Emotionen. Er ist ein bodenständiger Vollprofi – und ein perfekter Teamplayer. Daher ist er bei „Aktenzeichen XY…ungelöst“ viel besser aufgehoben als am Spielfeldrand. Er ist seriös bis aufs Blut. Und damit das Gegenteil von exzentrisch. Ede Zimmermann hätte sich keinen besseren Nachfolger wünschen können!