28.03.2020 20:13 Uhr

TV- und Kinostar Timur Bartels über die Isolation und die Krise in der Branche

imago images / Future Image

Schauspieler Timur Bartels gehört wieviele andere auch zu jenen Berufsgruppen, deren Tätigkeiten durch die Corona-Krise abrupt ausgebremst wurden. Wir sprachen mit dem optimistischen Strahlemann darüber wie es dem 24-Jährigen in diesen Krisenzeiten persönlich geht und wie er die Zukunftaussichten einschätzt.

Krank oder gesund?
Gesund. Ich versuche übers Jahr immer mein Immunsystem zu stärken. Früh schlafen gehen, Entspannungszeiten haben, Sport machen, viel Wasser trinken.

TV- und Kinostar Timur Bartels über die Isolation und die Krise in der Branche

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Was ist in Deinem Alltag jetzt anders?
Ehrlich gesagt ist man als Schauspieler gewohnt nicht zu wissen, wann der nächste Job kommt, das ist jetzt durch die Corona-Krise nicht anders. Allerdings bin ich die letzten drei Jahre fast ohne Pause unterwegs gewesen, auf einmal bin ich zuhause. Ich mache mir Sorgen um viele Menschen, unter meinen Fans gibt es durch ‚Club der roten Bänder‘ auch viele Menschen mit Erkrankungen oder Menschen die sich in Chemotherapien befinden. Aber das Zuhause bleiben und plötzlich Zeit haben, hat für mich auch viel Gutes. Wir können über vieles nachdenken und unsere Gesellschaft und Welt danach etwas neu konstruieren. Vielleicht war das in irgendeiner Form auch die Notbremse, die diese Welt brauchte. Auch wenn ich jedem Menschen Gesundheit wünsche.

Welche Pläne kannst du jetzt erstmal nicht umsetzen?
Ein Film, den ich gerade gedreht habe, kann ich nicht mehr weiterdrehen und die kommenden sind auf Eis gelegt…

Wie schätzt Du die Situation für Kunst und Kultur ein?
Ich bin kein Pessimist, aber um ehrlich zu sein, sehr hart. Einerseits ist Entertainment gerade sehr gefragt, auf der anderen Seite sind z.B. Schauspieler immer sehr kurzzeitig Angestellte, also nicht selbstständig und profitieren nicht von den Rettungspaketen, außerdem kommen die meisten nicht auf 180 Drehtage (Arbeitstage) in zwei Jahren, somit gibt es auch kein vernünftiges Arbeitslosengeld.

Das andere Problem: um einen Film zu drehen, braucht man Drehgenehmigungen, die man vom Amt bekommt. Auch in 3 Monaten und mit Sicherheit auch in 6 Monaten, wenn nicht länger, wird es die Angst vor neuen Infektionswellen geben und man kann nicht vom Shutdown auf vollen Betrieb gehen. Und das ist auch richtig so, damit wir das Gesundheitssystem nicht überlasten. Also wird man sicherlich nicht in ein Fußballstadion gehen können und ich glaube auch nicht, dass ein Amt einer Filmproduktion die Genehmigung erteilt, dass 70 bis 150 Menschen in einem Raum über Wochen zusammen drehen dürfen. Ich empfinde das heute definitiv als unrealistisch. Vielleicht kommt es auch anders, aber ich plane damit, dass ich in den nächsten 9 bis 12 Monaten nicht an einem Filmset stehen kann. Ich glaube auch, viele die privat nicht gut gehaushaltet haben, werden schmerzhafterweise auf der Strecke bleiben.

Was naschst Du jetzt den lieben langen Tag?
Ich versuche mich echt in den Tagen daheim gut zu ernähren, weil ich weiß, dass ich mich sonst hinterher mehr ärgere. Man neigt leider automatisch dazu, unnötig viel zu essen.

Quelle: instagram.com

Wie können Künstler in Krisen ihre Social-Media-Reichweite sinnvoll nutzen?
Also erstmal muss es authentisch bleiben, ich halte nichts von den Influencern, die sich an einem Tag noch unbedingt die Nägel machen mussten und am nächsten Tag erklären, wie wichtig es ist zuhause zu bleiben. Man erkennt relativ schnell wer da etwas heuchlerisch unterwegs ist, aber Oliver Pocher hat das bei Instagram besser zusammengefasst.

Ich finde man MUSS die Reichweite nutzen um aufzuklären, auf Kommentare antworten und beruhigen, denn es ist eine mit Emotionen stark aufgeladene Zeit. Dafür muss man allerdings erstmal gut informiert sein. Dass man zuhause bleiben soll, das haben die meisten ja gecheckt, aber noch viel wichtiger finde ich für die Menschen, die Emotionen der anderen zu verstehen. Jeder steht unter Stress und lässt den irgendwo aus. Deswegen sollten wir aufpassen, wie wir uns gegenüber dem Bäcker, der Kassiererin, den Pflegern, Apothekern, Sanitätern und wem auch immer verhalten. Und vor allem ist auch gefährlich, was bei vielen Menschen zuhause jetzt abgeht. Auf einmal kann das Kind nicht mehr in die Kita und kommt nicht ausgepowert nach Hause, auf einmal hängen Paare die ganze Zeit auf einander… Das ist gefährlich, vor allem, wenn Menschen mit der Situation nicht zurecht kommen und vielleicht sogar zu Gewalt neigen. Deshalb habe ich an einem Tag z.B. ein paar Notrufnummern für Kinder und Frauen gegen häusliche Gewalt gepostet. Ich glaube, wir können beim ganzen drumherum helfen, denn dass wir Zuhause bleiben sollen ist ja nun langsam klar.

Ich finde auch das Entertainment von vielen Freunden super. Z.B. haben Nico Santos und LEA tolle Konzerte live auf Instagram gespielt, das war wunderschön!

TV- und Kinostar Timur Bartels über die Isolation und die Krise in der Branche

Foto: privat

Gibt es Dinge die Du schon immer mal machen wollest und für die jetzt Zeit bleibt?
Ja gibt es. Ich habe viele ungelesene Bücher, ich bring den Dachboden und Garten auf Vordermann und ich schmiede Pläne, was ich bei Normalität wieder machen will.

Noch genügend Nudeln und Klopapier im Haus?
Klopapier wird langsam alle, aber kein Grund durch zu drehen. Eine Packung reicht für seeeeeehr lange (lacht). Und jeden Tag Nudeln wird etwas langweilig, aber ich hab welche!

Was ist das letzte Foto dass Du mit dem Handy gemacht hast.
Ein Foto aus meinem Rewe, was ich gestern geschossen hab und welches mich sehr berührt hat, denn die Filiale ist morgens von 7 bis 9 für ältere Menschen und Risikogruppen geöffnet. Das fand ich großartig!

Timur Bartels – Seine bekanntesten Projekte

2015–2017: Club der roten Bänder (Fernsehserie)
2016: Krauses Glück
2018: Klassentreffen 1.0
2018: Ballon
2019: Club der roten Bänder – Wie alles begann
2019 (Schattenmoor (Serie)
2020: Die Hochzeit

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