Tyron Ricketts über die Komödie „Herren“: Farbe spielt die Hauptrolle

Tyron Ricketts über die Komödie "Herren":

© ARTE/BR/cinemanegro Filmproduktion/kineo Filmproduktion/Frédéric Batier

10.02.2021 20:15 Uhr

Die Großstadtkomödie „Herren“ erzählt vom Leben als Schwarzer in einem Land der Weißen. Nach der Ausstrahlung im Herbst ist sie nun im Abendprogramm der ARD gelandet.

Schauspieler mit dunkler Hautfarbe sind in deutschen Filmen und Serien äußerst selten, die sehr kurzweilige Tragikomödie „Herren“ (2019) hat das radikal geändert und packt noch was obendrauf: Zum Beispiel die Musik von Roberto Blanco 0der sogar einen schwarzen Gartenzwerg!

In einer der Hauptrollen: Tyron Ricketts. Der Wahl-Berliner ist der Sohn einer Österreicherin und eines Jamaikaners und begann seine Schauspielerkarriere 1995 in „Bunte Hunde“. Seitdem ist er mit Rollen in Kinofilmen und Fernsehfilmen oder gar der Netflix-Serie „Dogs of Berlin“ nicht mehr wegzudenken.

Tyron Ricketts über die Komödie "Herren":

© ARTE/BR/cinemanegro Filmproduktion/kineo Filmproduktion/Frédéric Batier

„People Of Colour“ immer noch rar im deutschen TV

„Das Drehbuch von ‚Herren‘ hat mir gefallen, da es in diesem Film um die Leben von Schwarzen Menschen in Deutschland geht“, erzählt er mit dem produzierenden Sender Bayrischer Rundfunk. „Die Figuren werden in ihrer komplexen Mehrdimensionalität erzählt und bleiben nicht, wie so oft, nur beim Klischee vom ‚Schwarzen Mann‘. Ich kann mich an keinen anderen Film aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen erinnern, in dem Ähnliches erzählt wurde. Es macht mich ein wenig traurig zu sagen, dass die Vielschichtigkeit der Figuren und deren Darstellung als Schwarze Menschen in der deutschen Film- und TV-Landschaft leider immer noch ihresgleichen sucht. Und das, obwohl die Hauptfiguren in ‚Herren‘ auch auf ihre Art am Rande der Gesellschaft leben und Toiletten saubermachen.“

Tyron Ricketts über die Komödie "Herren":

© ARTE/BR/cinemanegro Filmproduktion/kineo Filmproduktion/Frédéric Batier

Hautfarbe spielt die Hauptrolle

Hautfarbe spielt eine große Rolle in diesem Film, so der 47-jährige Ricketts weiter. „Natürlich gelten viele Elemente aus unserem Film universal für alle Menschen, aber wir dürfen nicht vergessen, dass es für viele Menschen nach wie vor unterschiedliche Wertigkeiten im Zusammenhang mit der Hautfarbe gibt. ‚Herren‘ ist ein Versuch zu zeigen, welche unterschiedlichen Strategien es in der Schwarzen Community in Deutschland gibt, um mit dieser nach wie vor herrschenden Ungerechtigkeit umzugehen.“

„Herren“ wurde gedreht als die „Black Lives Matter-Bewegung“ überhaupt noch kein großes Medienthema war. Und Ricketts engagiert sich seit Jahren gegen Rassismus und Diskriminierung.

„Ich habe große Hoffnung“

Dazu sagte der Schauspieler: „Ich sehe einen großen Fortschritt in der Tatsache, dass wir in Deutschland in diesem Jahr verstanden haben, dass es durchaus möglich ist, rassistisch zu handeln, ohne die Intention dazu zu haben. In der Vergangenheit galt das nur für antisemitische Handlungen und Aussagen oder wenn man die Nazis wählte. Mit diesem Bewusstseinswandel geht auch einher, dass die Diskussion offener werden kann und weiße Menschen nicht automatisch in eine Abwehrhaltung verfallen, wenn ihnen gesagt wird, dass eine Aussage oder eine Tat vielleicht rassistisch ist. Wir verstehen langsam, was struktureller Rassismus und strukturelle Ungerechtigkeiten sind und merken, wie wir alle gemeinsam darunter leiden und es nur wenige gibt, die davon profitieren. Ich habe große Hoffnung, dass diese Veränderung zu vielen weiteren positiven Veränderung in der Zukunft führen wird.“

Darum geht’s in „Herren“

Capoeira unterrichten — das ist sein Leben! Doch als der Kampfsport-Meister Ezequiel (Tyron Ricketts) aus Frust und Stolz hinschmeißt, weil nicht er, sondern der Sohn des Chefs neuer Leiter der Schule wird, steht er ohne Arbeit da. Für eine eingewanderte Person of Color ohne Ausbildung keine ideale Ausgangslage, um schnell wieder einen guten Job zu finden. So landet er erstmal als „Fahrer für Denkmalschutz“ bei dem Kleinunternehmer Reynaldo (Komi Mizrajim Togbonou) und dessen jungem Kollegen Jason (Nyamandi Adrian). In Wahrheit putzen sie jedoch nachts öffentliche Pissoirs – „Denkmalhygiene“, wie sie es belustigt nennen.

Nun handelt es sich zwar um besonders schöne, antike Pissoirs und auch um einen ehrenwerten Job. Für Ezequiel ist die Tätigkeit in der „schwarzen Nachtbrigade“ aber deutlich unter seiner Würde. Weder seiner Frau Marta (Dalila Abdallah), die als Krankenschwester arbeitet, noch Sohn Stevie (Pablo Grant), für den sich Ezequiel eine glänzende akademische Bildung erhofft, kann er das erzählen – glaubt er. Dann eröffnet ihm Stevie auch noch, dass er, anstatt zu studieren, Friseur werden möchte…