Samstag, 7. Juli 2018 18:07 Uhr

Udo Lindenberg: 12 Dinge, die wir beim 2. „Unplugged“ gelernt haben

Am Donnerstag und Freitag hat Udo Lindenberg es wieder getan: In der Kulturfabrik Kampnagel in Hamburg nahm er ein „MTV Unplugged 2“ auf – der Mitschnitt erscheint leider erst im Frühjahr 2019 bei Warner Music/Dolce Rita Recordings.

Udo Lindenberg: 12 Dinge, die wir beim 2. Unplugged gelernt haben

Foto: Tine Acke

Mit seinem ersten Konzert dieser Art hatte der Panik-Rocker 2011 Geschichte geschrieben: Es verkaufte sich über 1,2 Millionen Mal und ist damit das meistverkaufte Album der legendären Unplugged-Reihe in Deutschland. Diesmal gaben sich Künstler wie Jan Delay, Alice Cooper, Maria Furtwängler, Gentleman und Marteria die Klinke in die Hand oder besser: das Steuerrad! Denn als Kulisse diente ein großes Schiff mit Segeln. klatsch-tratsch.de-Autorin Katja Schwemmers war vor Ort dabei und listet auf, welchen Erkenntnisgewinn man daraus ziehen konnte.

1. Unplugged-Konzerte sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.
Eine der Auflagen von MTV für ein Unplugged war stets, dass die Musiker auf der Bühne sitzen müssen. Gleiches galt auch für das Publikum. Aber Udo ist der Helmut Schmidt des Deutschrock – für ihn gelten solche Regeln nicht. Er turnte und tänzelte den ganzen Abend zwischen Eierlikör-Bar und Schiffsbrücke umher, ging sogar vor dem Publikum auf die Knie und ließ sich auch nicht davon abhalten, Zigarre zu rauchen. Klar, dass es angesichts der energetischen Performance auch die Zuschauer nicht auf den Sitzen hielt.

Quelle: instagram.com

2. Akustisch bedeutet nicht zwingend leise und perkussiv.
Udo lud sich nämlich so viele Musiker auf die Bühne ein, dass der Sound bombastisch und fett rüberkam. Die Bläser seiner eigenen Tour-Band reichten da nicht aus: Auch die rund 25 Musiker des NDR Elbphilharmonie Orchesters veredelten seine Lieder mit der Wucht ihrer Blasinstrumente und himmlischen Streichern.

3. Udo kann es auch mit den großen Rockern von Übersee aufnehmen.
Am Freitag kam sogar US-Schockrocker Alice Cooper vorbei, um mit Udo gemeinsam seinen Klassiker „No More Mr. Nice Guy!“ zu singen. Die Beiden kennen sich angeblich schon länger. Bereits Anfang Juni, als die Hollywood Vampires (Coopers Band mit Schauspieler Johnny Depp und Aerosmith-Gitarrist Joe Perry) in Hamburg spielten, wurde gemunkelt, dass es zum Duett zwischen Lindenberg und Cooper kommen würde. Udo hing mit dem Altrocker-Gefährten verdächtig lange Backstage ab. Jetzt wissen wir, warum.

4. Manchmal hilft auch eine Bewerbung, um mit Udo auf der Bühne zu stehen.
Das australische Geschwister-Duo Angus & Julia Stone hat sich für Udos Unplugged-Auftritt quasi selbst empfohlen. Nachdem sie seinen Song „Durch die schweren Zeiten“ im hiesigen Radio gehört hatten, coverten sie den Titel regelmäßig auf ihrer Tour. „Das hat mich sehr berührt“, meinte Udo in Hamburg und sang das Stück mit ihnen nun in einer deutsch-englischen Fassung.

Udo Lindenberg: 12 Dinge, die wir beim 2. Unplugged gelernt haben

Foto: Tine Acke

5. Udo kann die „Tatort“-Melodie immer noch trommeln.
Für das berühmte musikalische Motiv der Krimi-Reihe setzte sich der Panik-Rocker noch mal ans Schlagzeug, wie er es einst für die Erstversion von Komponist Klaus Doldinger getan hatte. Das klang ziemlich super.

6. Maria Furtwängler hat dieselbe Jeans-Größe wie Udo.
Die beliebte „Tatort“-Kommissarin lieferte zum Song „Bist du vom KGB?“ nicht nur ihr Gesangs-Live-Debüt ab, sie trug zum Duett mit dem Deutschrocker auch noch die Original-Udo-Kutte! „Auch seine Hose“, erzählte sie anschließend. „Man kann sich da richtig reinhängen in die Klamotten. Und sie sind absolut unisex“, fuhr sie fort. Und ganz bestimmt Size Zero.

7. Alle küssen, nur Andreas Bourani nicht.
Udo pflegt seine Freundschaften auch mit körperlichen Gesten. So wurde viel geküsst bei seinem Konzert – und meistens auf den Mund. Besonders innig gebärdete sich das bei Jan Delay und Pascal Kravetz. Andreas Bourani, der mit Udo den „Radio Song“ darbot, war da eher die Ausnahme, als er sich mit einer bloßen, aber herzlichen Umarmung verabschiedete. Vielleicht sind die Beiden einfach noch nicht soweit.

Udo Lindenberg: 12 Dinge, die wir beim 2. Unplugged gelernt haben

Foto: Tine Acke

8. Boris Becker ist Udo scheißegal.
Bei der Aufzeichnung am Donnerstag griff Udo den fragwürdigen Diplomatenstatus von Boris Becker in Zentralafrika auf. „Zwischen Ironien und Lapidarien, gleich hinter Bagatellien, da liegt Scheißegalien“, kommentierte Udo und erntete dafür viele Lacher und Applaus. Die perfekte Überleitung zu seinem Song „König von Scheißegalien“ aus dem Jahr 1998.

9. Udo hat immer den Durchblick.
Herr Lindenberg ist immer knallwach! Als ein Mitglied der Panik-Familie ihm ein Sakko für den Garderobenwechsel hinhält, sagt Udo geistesgegenwärtig: „Das kommt erst einen Song später.“ Ja, muss sich der Udo denn um alles kümmern?

10. Kopfbedeckungen sind das Must-Have-Accessoire bei Udo-Konzerten.
Nicht nur der Meister selbst trug seinen Mayser-Hut, die Furtwängler bedeckte ihren Kopf mit dem gleichen Modell, und zahlreiche Udo-Doppelgänger im Zuschauerraum hielten es genauso. Jan Delays Kopf schmückte indes ein weißes Designer-Exemplar – passend zu den weißen Schuhen und dem hellblauen Nobel-Anzug. In den ersten Sitzreihen trug man lieber Seemannsmütze, was wiederrum zum Schiff auf der Bühne passte (selbst die Kameramänner trügen übrigens Marine-Outfit). Zum Song „Sandmännchen“ wurden weiße Schlafmützen mit Bommel an einige Fans verteilt.

Quelle: instagram.com

11. Udo ist immer noch ein meinungsstarker Zeitgenosse.
Weder der Erfolg noch seine 72 Lenze können ihn milde stimmen. So teilte er zwischen den Liedern ordentlich aus: gegen Großkonzerne wie Nestlé zum Beispiel oder „Trump, der Weggetretene“. Während er Marteria für seine (politische) Haltung lobte, bezeichnete er nicht namentlich genannte, andere Deutschrapper als „Schwachmaten“. „Aufgrund der großen historischen Verbindung“ äußerte er Hoffnung auf eine bessere Beziehung zu Russland nach der Ära Putin und plädierte für einen Friedenskontinent Europa. Udo erinnerte an das 50-jährige Jubiläum des Woodstock-Festivals im kommenden Jahr mit dem Ideal „Love and Peace“, sowie an die Friedensbewegung der Achtziger. „Wir können nicht stillhalten, wir müssen was tun“, meinte er und ermutigte, auf die Straßen zu gehen. „Man kann echt was bewegen mit Musik“, versicherte Udo, als er schließlich die „Kids On Stage“ auf die Bühne einlud, um mit ihm „Wir ziehen in den Frieden“ zu singen. Mal gucken, wie viel von den Apellen später dem MTV-Schnitt zum Opfer fallen.

12. Die Bunte Republik Deutschland, die Udo propagiert, gibt es bei ihm auch auf der Bühne.
Dem ist nicht hinzuzufügen.

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