30.04.2015 22:30 Uhr

Unfassbar: Wallendas Spaziergang auf drehendem 120m-Riesenrad

Der todesmutige Nik Wallenda hat es wieder geschafft: Der Hochseilartist legte erneut einen spektakulären Stunt hin und spazierte ohne Sicherungen über ein 120 Meter hohes rotierendes Riesenrad. Alles ging gut – mittendrin gab es aber eine Schrecksekunde.

Zur Belohnung knipste Nik Wallenda erst einmal ein Selfie. Dann winkte er von seinem Platz ganz oben auf einem 120 Meter hohen Riesenrad freudestrahlend der jubelnden Menschenmenge am Boden zu.

Noch nicht einmal neun Uhr morgens war es da in Orlando im US-Bundesstaat Florida, aber der 36-jährige Hochseilartist hatte schon wieder einen waghalsigen Stunt hinter sich: Mit einer Gondel war Wallenda zum obersten Punkt des Riesenrads gefahren, ausgestiegen und dann auf dem sich drehenden Rad spazieren gegangen – ohne Sicherung und ohne Balancierstange. „Noch nie zuvor war jemand so verrückt, so etwas zu machen.“

Vielen Menschen wird schon in einer Riesenrad-Gondel mulmig, für Wallenda, der zu den berühmtesten Hochseilartisten der Welt gehört, schien der am Mittwoch live im US-Fernsehen übertragene spektakuläre Stunt dagegen eher eine seiner leichteren Übungen zu sein. Bekannt wurde der aus einer Familie von Hochseilartisten stammende Akrobat mit der Überquerung der Niagarafälle und eines Teils des Grand Canyons auf dem Drahtseil. Zuletzt hatte er im November in Chicago Tausende Menschen begeistert, als er mit verbundenen Augen zwischen zwei Wolkenkratzern spaziert war.

Der Riesenrad-Stunt war schwieriger, als es auf den ersten Blick aussehen mochte: Der Himmel war wolkig und es windete, außerdem war das Rad nass. „Gottseidank sind meine speziellen Schuhe, die meine Mutter macht, dafür ausgelegt, mit der Feuchtigkeit umzugehen.“

Wallenda musste bei seinem Spaziergang auf dem sich drehenden Rad zahlreiche Verbindungsstangen umklettern – und dann gab es auch noch eine ganz unerwartete Schrecksekunde: Eine Notfallleiter, die der Akrobat benutzen wollte, um wieder in die Gondel zu klettern, war nicht richtig festgemacht worden. Als Wallenda draufsteigen wollte, begann sie, sich zusammenzuklappen und quetschte seine Hand ein. „Ich musste mich zwingen, ganz ruhig zu bleiben, denn sobald man aufgeregt wird, wird es gefährlich.“

Der Akrobat klappte die Leiter wieder aus und stieg zur Gondel.

Wallenda weiß nur zu gut, dass seine Stunts lebensgefährlich sind. Der 36-Jährige stammt aus einer inzwischen in Sarasota in Florida ansässigen Akrobaten-Familie, deren Leben von spektakulären Stunts aber auch spektakulären Stürzen geprägt wurde: Sein in Magdeburg geborener Urgroßvater Karl war 1978 bei einer Menschen-Pyramide tödlich verunglückt. Sein vor kurzem gestorbener Onkel Mario war 1962 ebenfalls bei einer Vorführung verunglückt und seitdem gelähmt gewesen. „Ich mache das alles, um meine Familie ins Scheinwerferlicht zu bringen“, sagte Wallenda jetzt. „Wir führen ein Vermächtnis fort. Die Hochseilkunst fließt in unserem Blut. Ich weiß, dass es für manche Menschen schwer zu verstehen ist, aber das ist unser Leben.“ (Christina Horsten, dpa)

Fotos: Brian Blanco, WENN.com