MedienUntertitel angeblich fälschlich gegendert: SWR schärft Regeln nach

Das Logo des Südwestrundfunks (SWR) leuchtet am frühen Morgen am Funkhaus in Stuttgart. (Archivbild)
Das Logo des Südwestrundfunks (SWR) leuchtet am frühen Morgen am Funkhaus in Stuttgart. (Archivbild)

Sebastian Gollnow/dpa

dpadpa | 15.09.2022, 21:30 Uhr

Der SWR hat in einem Clip auf Instagram Untertitel hinzugefügt, die die Sprache des Protagonisten im Video gendern - ohne, dass die Gendersprache genutzt wurde. Jetzt hat sich der Sender zu dem Fehler geäußert.

Der Südwestrundfunk (SWR) hat nach einem Fehler im Untertitel zu einem Instagram-Beitrag die redaktionellen Regeln geschärft. In dem Clip von „Wir sind Mainz“ (Das Ding, Jugendprogramm des SWR) sprach ein 21-jähriger „Stadtwald-Ranger“ über seine Arbeit.

Der ARD-Sender fügte von sich aus einen Untertitel hinzu, in dem er einfach das Gendern integrierte und die Zitate damit verfälschte. So war dort etwa von „Radfahrer*innen“ zu lesen, obwohl der Förster die Gendersprache nicht genutzt hatte. Die Zeitung „Bild“ berichtete zuerst von dem bizarren Fall. Der öffentlich-rechtliche Sender teilte am Donnerstag zu dem Untertitel mit: „Hierbei handelt es sich um ein Versehen.“ Aha.



Was Interview-Partnern in den Mund gelegt wird

Besagter junger Förster sprach dieses: „Als Stadtwald-Ranger bin ich draußen im Wald unterwegs als Ansprechpartner für die Leute.“ Und das fügte er dann noch an in einem schlichten, einfachen Satz: „Da kommt’s auch mit Radfahrern, Spaziergängern, Joggern und Reitern öfter mal zu Konflikten.“

In der Untertitelung wurde dann laut „Bild“-Zeitung („Neue Gender-Manipulation bei der ARD“) aus „Leute“ „Waldbesucher*innen“! Und dann wird es noch unfassbarer: „Es kommt zum Beispiel mit Radfahrer*innen, Spaziergänger*innen, Jogger*innen und Reiter*innen öfter mal zu Konflikten.“ Geht’s noch?

Der Gender-Irsinn bleibt – je nach Betrachtungsweise – ist immer wieder ein Streitthema und an obigem Beispiel kann man sehen zu welchen sprachlichen Auswüchsen das führen kann.

Seit Jahren wird in Deutschland diskutiert, ob – und wenn ja, wie – die männlichen Formen in der Sprache durch weiter gefasste Begriffe ersetzt werden können oder sollten – um zum Beispiel Frauen offensiver einzubeziehen. Das Gendersternchen wie bei Lehrer*innen ist eine Möglichkeit. Manche setzen an die Stelle auch einen Doppelpunkt oder einen Unterstrich. In der gesprochenen Sprache und im Fernsehen oder Radio äußert sich das dann als Sprechpause.

SWR: Unverkrampft mit sprachlichen Möglichkeiten umgehen

Der SWR betonte, grundsätzlich möchte man in der Ansprache niemanden ausschließen. „Daher halten wir eine Form der Sprache, die auch die unterschiedlichen Geschlechter berücksichtigt und gleichzeitig gut verständlich ist, für wichtig.“ Man wolle damit niemanden belehren oder Formulierungen verkomplizieren, sondern unverkrampft mit den sprachlichen Möglichkeiten umgehen, damit sich möglichst viele Menschen von den Themen angesprochen fühlen.

Zugleich machte der Sender klar: „Dies betrifft allerdings ausschließlich Texte, die von unserer Redaktion verfasst werden, Untertitel fallen nicht darunter. Wir haben dahingehend unsere redaktionellen Guidelines konkretisiert, um solche Missverständnisse und daraus folgende Fehler zukünftig zu vermeiden.“

(dpa/K&T)