Unwetter – Überschwemmungen und Verkehrsbehinderungen

Am Tag nach einem Unwetter liegen noch Hagelkörner vor dem Impfzentrum in Tübingen.
Am Tag nach einem Unwetter liegen noch Hagelkörner vor dem Impfzentrum in Tübingen.

Bernd Weißbrod/dpa

24.06.2021 13:44 Uhr

Den heftigen Regen beim EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn erleben viele TV-Zuschauer live mit. Doch auch in anderen Teilen des Landes haben die Menschen mit Unwettern zu kämpfen.

Schwere Unwetter mit Starkregen und Hagel sind vor allem über den Süden Deutschlands gezogen und haben für überflutete Straßen und Verkehrsbehinderungen gesorgt.

In Baden-Württemberg standen Teile einer Bahnstrecke von Freiburg nach Basel unter Wasser. In dem Bundesland fielen am Mittwochabend auch tennisballgroße Hagelkörner vom Himmel. Dabei wurden mehrere Menschen verletzt. In Niederbayern und Südhessen regnete es zum Teil ebenfalls sehr heftig. Keller liefen voll, Straßen standen unter Wasser – und auch beim EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn in München hatten die Teams mit zwischenzeitlich stärker werdendem Regen zu kämpfen.

Besonders betroffen war Baden-Württemberg. Mehrere Stunden lang zog das Unwetter mit gewaltiger Kraft über weite Teile des Landes hinweg. In Konstanz maß die Höhe der Hagelschicht teils fünf Zentimeter. Am Flughafen Stuttgart wurde der Flugbetrieb mehrfach eingestellt und ein Bahn-Abschnitt nahe Bad Krozingen wurde für rund drei Stunden in beide Richtungen gesperrt. Das Wasser sei aber schnell wieder abgelaufen, teilte die Bahn mit. Im Internet sorgte ein Video für Aufsehen, bei dem ein Zug durch fluss-ähnliche Wassermengen fährt.

Auch in Tübingen sei das Wasser „in Sturzbächen“ durch die Stadt gelaufen, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstagmorgen. Der Verkehr sei stark beeinträchtigt, zahlreiche Häuser und Autos beschädigt worden. Außerdem lief das Kreisimpfzentrum mit Wasser voll; Corona-Impftermine mussten abgesagt werden. Stark betroffen war auch der Landkreis Biberach, dort wurden bis zum frühen Donnerstagmorgen 900 Einsätze ausgelöst. Mehr als 1600 Rettungskräfte waren nach Angaben der Behörden im Einsatz. Der Biberacher Feuerwehrkommandant Florian Retsch sprach nach Angaben der „Schwäbischen Zeitung“ (Donnerstag) von einer „absolut katastrophalen Lage“.

In Tschechien gab es ebenfalls heftige Unwetter mit Gewittern und Starkregen. Die Feuerwehren rückten in der Nacht zu Donnerstag landesweit zu mehr als 500 Einsätzen aus, um umgestürzte Bäume zu beseitigen und vollgelaufene Keller leer zu pumpen. Knapp 50 000 Haushalte waren wegen beschädigter Freileitungen ohne Strom. Dutzende Bahnstrecken waren nicht befahrbar, weil Züge gegen Bäume geprallt waren oder Signalanlagen ausfielen. An mehreren Bächen und Flüssen drohten aufgrund der Regenfälle Überschwemmungen.

Die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes gaben für Teile Süddeutschlands auch noch keine Entwarnung. Bis in die Nacht hinein könnten schwere Gewitter vor allem über Südbaden und das Alpenvorland ziehen, warnten sie. Diese wüchsen im weiteren Verlauf zusammen und verlagerten sich ostwärts. Die Experten rechnen mit 40 Litern Regen pro Quadratmeter in kurzer Zeit, bis zu 70 Liter könnten es in wenigen Stunden werden, dazu Hagel und schwere Sturmböen. Der Wetterdienst sprach von „hohem Unwetterpotenzial“ und riet zu Schutzmaßnahmen.