Dienstag, 31. Mai 2011 09:21 Uhr

Urteil: Jörg Kachelmann wurde freigesprochen

Mannheim. Ex-ARD-Wettermoderator Jörg Kachelmann ist nach neun Monaten und 44 Verhandlungstagen von den Vergewaltigungsvorwürfen freigesprochen wurden. Damit entsprach das Mannheimer Landgericht dem Antrag der Verteidigung.

Dem 52-jährigen war die Vergewaltigung seiner Ex-Freundin sowie deren Bedrohung mit einem Messer vorgeworfen worden.

Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre und drei Monate Gefängnis gefordert.

Nach Auffassung des Gerichts reichten die Indizien nicht für eine Verurteilung aus, heißt es in der Begründung des Urteils. Somit kann man das Urteil werten als „in dubio pro reo” – „Im Zweifel für den Angeklagten“.

Ob die Staatsanwaltschaft Revision einlegt ist noch unklar. Das Urteil wird jedoch in einer Woche rechtskräftig. Laut dem Urteil wird Jörg Kachelmann für seine Zeit in der Untersuchungshaft entschädigt – die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.

UPDATE 1: Bild.de zitiert Richter Seidel: „Wir sind überzeugt, dass wir die juristisch richtige Entscheidung getroffen haben. Befriedigung verspüren wir dadurch jedoch nicht. Wir entlassen den Angeklagten und die Nebenklägerin mit einem möglicherweise nie mehr aus der Welt zu schaffenden Verdacht, ihn als potenziellen Vergewaltiger, sie als potenzielle rachsüchtige Lügnerin. (…)“

UPDATE 2: Jörg Kachelmanns 1990 gegründeter Wetterdienst Meteomedia läßt verbreiten: „Jörg Kachelmann wird ab sofort seine Kraft wieder ganz der Meteomedia Gruppe widmen können.” Der Wetterdienst ist heute einer der führenden Wetterdienstleister in Europa.

UPDATE 3: Die ‚Berliner Zeitung‘ resümiert: „Das ist kein Freispruch zweiter Klasse, sondern: Freispruch. Und dieser Freispruch war zwingend geboten. Es mag sein, dass Kachelmann seine frühere Geliebte vergewaltigt hat, es mag sein, dass er sie mit einem Messer bedrohte und würgte, mag alles sein – aber bewiesen werden konnte es trotz aller Gutachten und Expertenanhörungen nicht. Allein darauf kommt es an.“

Der ‚Donaukurier‘-Kommentar zum Urteil im Fall Kachelmann: „Dass der Hallodri aus der Schweiz gern den Don Juan spielte, ist moralisch zu verurteilen. Aber kein Fall für den Staatsanwalt. Und warum hätte sich der Wetterfrosch denn mit Gewalt nehmen müssen, was ihm viele Freundinnen über Jahre hinweg – auch das mutmaßliche Opfer – freiwillig gaben? Traurig nur, dass dieses Justizspektakel für viele Frauen zur Hemmschwelle werden könnte, eine Vergewaltigung anzuzeigen.“

Die ‚Berliner Morgenpost‘ kommentiert: „Einen ‚Freispruch zweiter Klasse‘ kennt unser Recht nicht, da mag sich die Wendung auch noch so großer Beliebtheit an deutschen Stamm- und Stehtischen erfreuen. Justitia ist es egal, ob ein Angeklagter die Tat zweifelsfrei nicht begangen hat oder ob der Vorwurf lediglich nicht beweisbar ist: Unschuldig ist unschuldig, ein Freispruch aus Mangel an Beweisen ist keinen Deut schlechter als das First-Class-Ticket in die Freiheit, das den Vorwurf komplett vom Tisch fegt. Theoretisch zumindest. In der Realität helfen diese rechtlichen Feinheiten all jenen, die in das trostlose Verfahren verstrickt waren, nur bedingt. Der Schaden ist da, der Wettermoderator und seine Ex-Freundin sind gleichermaßen mit Makel belegt.“

Foto: actionpress, wenn.com

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