19.08.2020 15:00 Uhr

Vater von Sammy B.: „Es hätte nicht Not getan, meinen Sohn zu erschießen“

Es sollte eine unbeschwerte Reise zu seinem Geburtstag werden. Doch der Trip nach Amsterdam endete für Sammy B. tödlich. Der Fitness-Influencer wurde von der niederländischen Polizei erschossen. Jetzt erhebt sein Vater schwere Vorwürfe.

Instagram/sammy_bkr

Das Video vom Tod des jungen Mannes aus dem hessischen Wetzlar schockiert ganz Deutschland. Momentan gibt es deutlich mehr Fragen als Antworten. Was genau ist in Amsterdam passiert? Warum war der junge Mann plötzlich geistig verwirrt und mit einem Messer bewaffnet? Und vor allem: Warum musste Sammy B. sterben?

Vater von Sammy spricht von Mord und Polizeigewalt

Diese Fragen bewegen nicht nur viele Freunde und Follower des getöteten Influencers, sondern natürlich auch seine Familie. Für Vater Kai B. steht fest: „Die Polizei hat meinen Sohn ermordet.“ Diesen schweren Vorwurf erhebt er im Internet. In einem Interview mit der „Bild“-Zeitung legt er jetzt nach. „Es hätte nicht Not getan, meinen Sohn zu erschießen!“ Und weiter: „Es bringt mir meinen Sohn nicht zurück, aber ich möchte Aufklärung. Ich wünsche mir Gerechtigkeit für ihn und für alle, was da in letzter Zeit mit Polizeigewalt und deren Willkür passiert.“

Warum erschießt die Polizei den jungen Influencer?

Was genau ist passiert? Sammy B. fährt mit Freunden nach Amsterdam, um seinen 23. Geburtstag zu feiern. Kurz danach melden ihn diese als vermisst, suchen ihn. Zwei Tage später entdecken Polizisten Sammy in einem Hinterhof im Amsterdamer Stadtteil Nieuw-West – halb nackt, verwirrt und angeblich mit einem 30 Zentimeter langen Messer in der Hand. Er soll gedroht haben, sich die Kehle durchzuschneiden.

Die insgesamt sechs Beamten bemühen sich fast 20 Minuten, Sammy zu beruhigen und zum Aufgeben zu bewegen. Vergeblich. Als er ihnen den Rücken zudreht, versucht ein Beamter mit Hund, den Fitness-Influencer zu überwältigen. Die Attacke scheitert und die Situation eskaliert. Sammy B. liegt schreiend am Boden, doch drei Schüsse später ist es plötzlich still. Trotz sofortiger Wiederbelebungsmaßnahmen, stirbt der 23-Jährige wenig später.

Bestürzte Reaktionen auf den Tod des Influencers

Die Erschütterung über den Tod des jungen Mannes und das Vorgehen der Polizisten im Netz ist groß. Unter Sammys Instagram-Posts finden sich fortlaufend neue Beileidsbekundungen wie „Rest In Peace Bro“. Eine Nutzerin schreibt unter seinem letzten Post: „Es tut mir so Leid was da passiert ist. Ich bin wirklich geschockt über das Vorgehen der Polizei.“ Die meisten der Kommentare bekunden Mitgefühl, doch einige Follower beschuldigen auch die Polizisten. Inzwischen hat die Nationale Kriminalpolizei, die Rijksrecherche, den Fall übernommen und untersucht, ob der Schusswaffengebrauch gerechtfertigt war.

Sammys Vater: „Ich wünsche mir Gerechtigkeit für ihn“

Für Sammys Vater Kai B. steht die Antwort jetzt schon fest: „Ich habe Verständnis für den Stress der Polizei, aber da nicht“, sagt er der „Bild“. „Mein Sohn lag am Boden. Am Boden!“ Er will den Fall nicht ruhen lassen, bis alle Frage beantwortet sind. Eine ganz wichtige: War sein Sohn zum Zeitpunkt des Zugriffs wirklich bewaffnet? Angeblich sieht es auf dem Video so aus, als würden seine beiden Arme schlaff herunterhängen. War Sammy am Ende gar nicht bewaffnet? Sammys Papa Kai B. will es ganz genau wissen. „Ich bin sehr stark, und ich bin aktiv. Aktiv, um für Gerechtigkeit zu kämpfen. Denn das, was da passiert ist, lasse ich so nicht stehen. Alle, die ich kenne, und Menschen auf der ganzen Welt sehen es so wie ich: Es hätte nicht Not getan, meinen Sohn zu erschießen!“

Laut Polizeichef: Ein Taser hatte Sammy das Leben retten können

Einer, der dem trauernden Vater beipflichtet, ist der Amsterdamer Polizeichef Frank Paauw. Im Interview mit der Zeitung „Het Parool“ verteidigt er zwar das Vorgehen der Beamten, vor allem, weil der Täter die Polizisten mit seinem Messer angegriffen haben soll. Er zeigt sich in seiner Bewertung aber auch nachdenklich: „Eine Elektroschockpistole hätte hier den Unterschied zwischen Leben und Tod machen können.“

Und weiter: „Auf diese Weise können Sie jemanden in einer Entfernung von bis zu 8 Metern bewegungsunfähig machen und haben einige Sekunden Zeit, um ihn zu überwältigen.“ Damit spricht Paauw die so genannten Taser an. In den Niederlanden laufen seit einiger Zeit Schulungen und Testläufe für einen flächendeckenden Einsatz dieser Elektroschockwaffen bei der Polizei. Mit der Auslieferung der Taser an die rund 17.000 Polizisten sei nicht vor Mitte 2021 zu rechnen.

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