Montag, 30. Oktober 2017 21:55 Uhr

Vincent Cassel ist Paul Gauguin: Zwei große Künstler

Spätestens seit seinem überzeugenden Auftritt in Matieu Kassovitz Werk „Hass“ (1995) gehört Vincent Cassel zu den Großen der Schauspielzunft. In seinem neuesten Film, der am 2. November in den Kinos startet, verkörpert der berühmte französische Superstar einen wohl noch berühmteren Landsmann: den Maler Paul Gauguin.

Vincent Cassel ist Paul Gauguin: Zwei große Künstler

Foto: WENN.com

Dass Vincent Cassel dafür ausgewählt wurde, diesen außergewöhnlichen Künstler darzustellen, lag auf der Hand: Zum einen gehört der Franzose zu einem ausgewählten Kreis an Mimen, die überhaupt die Fähigkeiten mitbringen, diesem Schwergewicht der Kunstgeschichte gerecht zu werden.

In bedeutenden und erfolgreichen Produktionen wie „Johanna von Orleans“ (1999), „Irreversibel“ (2002), „Tödliche Versprechen – Eastern Promises“ (2007), aber auch in Blockbustern wie „Ocean’s 12“ und „Ocean’s 13“ (2004 bzw. 2007), „Black Swan“ (2010) oder „Jason Bourne“ (2016) überzeugte Vincent Cassel mit seinem ausdrucksstarken Schauspiel.

Zudem brachte Cassel bereits einige Erfahrung in der Darstellung realer Personen mit. So spielte er im ausgezeichneten Zweiteiler „Public Enemy No.1“ (2007/2008) den Gewaltverbrecher Jacques Mesrine, und dies so gut, dass er dafür den renommierten französischen Filmpreis César verliehen bekam. Und auch in „Eine dunkle Begierde“ (2011) als Psychiater Otto Gross ebenso wie im Geschichtsfilm „Elizabeth“ (1998) als Herzog von Anjou überzeugte Vincent Cassel in der Darstellung historisch belegter Menschen.

Vincent Cassel war jugendlicher Rebell

Um die ungewöhnliche Biografie von Paul Gauguin glaubhaft zu verkörpern, ist ein ebenso nicht linear verlaufender Werdegang sicherlich vorteilhaft, denn der Maler kann als der Prototyp des modernen Aussteigers angesehen werden, der seinen Weg vom Börsenmakler zum Einsiedler auf einer traumhaften Insel in der Südsee ging. Auch Vincent Cassels Leben ist nicht in „normalen“ Bahnen verlaufen. Bereits mit 17 Jahren ging der als rebellischer Jugendlicher geltende gebürtige Pariser auf eine Zirkusschule. Auf dieser lernte er nach eigener Auskunft vor allem, sich richtig zu bewegen.

Vincent Cassel ist Paul Gauguin: Zwei große Künstler

Foto: Studiocanal

Die Fähigkeit, seinen Laufstil der Rolle optimal anzupassen, half Cassel auch bei der glaubhaften Verkörperung Gauguins, denn der Maler hatte sich eine besondere Art angeeignet. Mit Hilfe eines Ernährungsberaters nahm der Schauspieler zudem noch ab, ließ sich einen Bart wachsen und setzte sich falsche Zähne ein, um Paul Gauguin so nah wie möglich zu kommen. Als Auswanderer – Cassel lebt in Brasilien – konnte sich der französische Akteur auch emotional sehr gut in den vom Fernweh nach Tahiti getriebenen Künstler versetzen.

Lernte für seine Rollen Fremdsprachen

Cassels Ehrgeiz, sich möglichst optimal auf seine Rollen vorzubereiten, ist bekannt. So lernte er zum Beispiel für die Rolle des Gangsters Kirill in David Cronenbergs Thriller „Tödliche Versprechen – Eastern Promises“ extra Russisch. Diese Art des Perfektionismus legte Cassel auch für „Gauguin“ an den Tag. Nicht nur, dass er Gauguins Buch „Noa Noa“, das als Vorlage des Films genutzt wurde, las, er besuchte auch zahlreiche Ausstellungen, um die Werke des Künstlers intensiv auf sich wirken zu lassen. Außerdem sprach Cassel mit Konservatoren des Musee d´Orsay, um mehr über Gauguin und dessen Kunst zu erfahren.

Vincent Cassel ist Paul Gauguin: Zwei große Künstler

Foto: Studiocanal

Doch damit nicht genug: Vincent Cassel lernte eigens für diesen Film Tahitianisch, dass er nun neben seiner Muttersprache Französisch, Italienisch, Englisch, Portugiesisch und dem bereits erwähnten Russisch spricht, und nahm sogar Unterricht in Malerei, um den von Gauguin entwickelten Stil – den „Synthetismus“, einer flächigen, intensiv farbigen Darstellung ohne detaillierte Binnenzeichnung aber mit betonten Konturen – so präzise wie irgendmöglich darbieten zu können. Diesen Aufwand begründete Cassel wie folgt: „Es sollte nicht so sein, dass ich wie ein Idiot mit einem Pinsel in der Hand aussehe“.

Der fertige Film beweist: Cassels Anstrengungen haben sich gelohnt, denn es gelingt ihm auf beeindruckende Weise, Gauguin, dessen Leben und Schaffen erfahrbar zu machen.

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