WDR-Rassismus-Talk: So reagieren Promis auf die schockierende Show

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Bildcredit: IMAGO / Jürgen Ritter

01.02.2021 15:45 Uhr

Empathielos, ignorant, naiv: Die WDR-Talkshow „In letzter Instanz“ sorgt für Entsetzen. Fröhlich und munter treffen vier (weiße) TV-Stars rassistische Aussagen und sind sich dessen nicht mal bewusst. Nicht nur die Zuschauer und das Netz sind fassungslos, auch andere Promis melden sich nun zu Wort.

„Die letzte Instanz“ – wohl kaum ein anderes Thema sorgte am Wochenende für so viel Furore, wie die WDR Talkshow. Zu Recht! Vier weiße, wohlhabende und privilegierte Personen der deutschen Fernsehindustrie diskutieren über Rassismus. Unnötig zu erwähnen, dass keiner der Gäste eigene Erfahrung mit rassistischer Diskriminierung gemacht hat.

Die Stimme derer, um die es in dieser Diskussion geht? Ungehört. Stattdessen verbreiten Janine Kunze, Thomas Gottschalk, Micky Beisenherz, Jürgen Milski und Moderator Steffen Hallaschka kontroverse Meinungen und relativierten rassistische Aussagen. Damit sorgen sie nicht nur für Entsetzen bei den Zuschauern, sondern auch bei den Kollegen.

Shirin David

Rapperin Shirin David zeigt sich fassungslos, wie leichtsinnig die Talk-Gäste mit dem Thema umgehen und macht ihrem Ärger auf Instagram Luft: „In Teilen Osteuropas und vor allem in Rumänien waren die Roma über fünfhundert Jahre Sklaven. Erst in den 1850er Jahren wurde die Versklavung der Roma beendet. Es ist halt einfach so hart, sich das anzusehen. Hottest old white man alive. Yazik [dt. bedauerlich] was ihre Familie und ihre Vorfahren bloß alles durchmachen mussten nur weil sie „relativ große“ Brüste hat und blond ist“, schreibt Shirin und bezieht sich damit auf die Aussage von Janine Kunze, die auf die Frage, ob Worte wie „Zigeunersauce“ abgeschafft werden sollte, anmerkte: „Ich finde, da sitzen wahrscheinlich zwei, drei Leute, die haben auch vielleicht nichts besseres zu tun und fangen dann mit so einem – in meiner Welt – Quatsch an. Hier sitzt eine blonde Frau mit relativ großer Brust, was meinst du denn, was wir uns anhören müssen?“

Statt mit einem Statement auf den Shitstorm zu reagieren, machte der WDR einfach munter weiter im Contentplan. Ein Fakt, der auch Shirin bitter aufstößt: „Alles was vom WDR kommt nach dieser unglaublichen Peinlichkeit gestern, ist ein Post zum Wohnungsmarkt? Damn Deutschland und das sollen unsere Öffentlich Rechtlichen sein?“

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Enissa Amani

Auch die Kölnerin Enissa Amani übt scharfe Kritik an dem Format und seinen Gästen. In einem 20-minütigen Video, dass sie auf Instagram teilt, erläutert sie, warum die Sendung eine „Blamage für Deutschland“ ist: „Es ist unglaublich, unglaublich, dass das okay ist, dass ein Panel-Talk veranstaltet wird in Deutschland, wo man über Racial Slurs diskutieren will, wo man darüber diskutieren will, ob man das Z-Wort für Sinti und Roma sagen darf. Wo man über Rassismus in Deutschland, Alltagsrassismus, jede Form von verankertem Rassismus in Deutschland sprechen will – und dann nicht eine Person, nicht eine POC [People of Colour] anwesend ist!“ Um das Problem zu verdeutlichen, erklärt Enissa: „Als nicht-lesbische Frau kann ich mich nicht hinsetzen und darüber sprechen, was Lesben diskriminierend finden und was nicht.” 

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Nura

Nach dem Shitstorm haben sich einige Talk-Gäste entschuldigt. So auch Micky Beisenherz, dem viel Fans und Follower allerdings vorwerfen, dass sein Sorry-Fünfzeiler keine wirklich adäquate Reaktion sei. Auch Janine Kunze hat sich entschuldigt. Mit deutlich mehr Worten als ein Herr Beisenherz, aber: Nach der Masse an kontroversen Aussagen, die die 46-Jährige in der Sendung getroffen hat, nimmt ihr diese nicht jeder ab. Auch Rapperin und Autorin Nura hat ihre Zweifel. Unter dem „Sorry-Post“ der Schauspielerin kommentiert sie: „Gestern hast du dich noch total davon überzeugt angehört… nicht dass das jetzt eine Ansage vom Management war und du es eigentlich nicht so meinst und nur wegen dem Shitstorm sowas postest… also ich hoffe doch, dass du alles da oben wirklich ernst meinst, liebe Janine.“

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Entschuldigung geht nach hinten los

Auch der WDR hat inzwischen Stellung bezogen, sich entschuldigt und seinen Fehler eingesehen. Oder auch nicht: „Rückblickend ist uns klar: Bei so einem sensiblen Thema hätten unbedingt auch Menschen mitdiskutieren sollen, die andere Perspektiven mitbringen.“ Gibt es denn tatsächlich verschiedene, akzeptable Perspektiven, wenn es um das Thema Rassismus geht? Eher nicht und darüber sollte sich spätestens seit #blacklivesmatter jeder im Klaren sein. Aus „Transparenzgründen“ bleibe die Sendung aber in der Mediathek stehen.

Deutlicher wurde dann doch Micky Beisenherz: „Wenn da vier Kartoffeln sitzen und über Rassismus mit Karten abstimmen, dann ist im Kern ja schon mal etwas falsch, das kannst du so einfach nicht machen“, sagte er in seinem Podcast. Als Gesellschaft sei man deutlich weiter, „als im Jahr 2021 noch ernsthaft über dieses verdammte Schnitzel zu diskutieren und zu sagen, ich möchte unbedingt das Z-Wort benutzen, wenn ich bestelle.“ (AB)